Wie die Herren die Stadt aufgeteilt

Auch wenn wir mit Konrad Adenauer vermutlich wenig Schnittmengen haben. Im Fall Börschel/Stadtwerke findet er deutliche Worte, die wir hier gerne dokumentieren.

"© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)"

Wir zitieren hier einen offenen Brief von Konrad Adenauer zum Börschel/Stadtwerke-Skandal. Hier in der Textfassung wie erschienen am 20. April 2018 in der Kölnischen Rundschau.


Wie die Herren die Stadt aufgeteilt

Hatte der Fall Horitzky noch ein Geschmäckle, so hat der Fall Börschel richtig Geschmack, und zwar einen ganz schlechten, der mich zum Ausspucken zwingt. Er ekelt mich an und macht mich richtig krank. Mir geht es wie seinerzeit Max Liebermann: “Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.”
Da beschließen ein Aufsichtsratsausschuss der Stadtwerke und einige Ratspolitiker ohne Wissen der Oberbürgermeisterin, einen Posten an der Spitze der Stadtwerkeholding zu schaffen und ihn mit dem Fraktionsvorsitzenden der Kölner SPD im Kölner Stadtrat zu besetzen. Wenn das kein Überfall ist, kein Handstreich, kein Coup wie in der Unterwelt! Was bilden sich diese Herrschaften eigentlich ein? Sie meinen wohl, sie seien die Herren der Stadt und diese ihre Beute, die sich unter sich aufteilen.
Die Öffentlichkeit wusste nichts über die Suche für einen Posten, den es noch gar nicht gibt. Warum diese Geheimhaltung? War da doch noch ein Funken von schlechtem Gewissen? Als der Flughafenchef gehen musste, hieß es, der sei gar nicht gut gewesen. Das hätten doch alle gewusst. Ich nicht. Als der Geschäftsführer der Städtischen Krankenhäuser gehen musste, hieß es, der sei ja schlecht. Das dämmerte mir dann auch angesichts der schlechten Zahlen. Die gab es aber schon seit Jahren. Mir war auch nicht bekannt, dass die Herrn Doktoren Steinkamp und Fenske so schlecht gearbeitet haben, dass sie eines neuen Vorgesetzten in der Stadtwerkeholding bedürften. Hier geht es doch einfach darum, dass ein junger SPD-Politiker, der sehr früh, vielleicht zu früh in die Politik ging, einen Karriereknick befürchtet. Den zu vermeiden helfen, ist die Stadt gut genug. Über die Qualitäten Martin Börschels kann ich mangels Kenntnis keine Aussagen treffen. Warum sucht er sich nicht außerhalb Kölns eine neue Tätigkeit oder überhaupt in der freien Wirtschaft? Im Übrigen zahlt der Landtag doch auch nicht schlecht, einschließlich Pension.
Wo war da das Regierungsbündnis aus CDU, Grünen und FDP? Gekuscht hat es, ohne jedes Rückgrat, schweigend nach dem Muster der “Omertà” in Süditalien. Das Regierungsbündnis hat seine Unschuld verloren. Der Asiate würde sagen – sein Gesicht. Ich spiele mit dem Gedanken, nach 50 Jahren aus der CDU auszutreten. Was ist hier ausgekungelt wordn? “Mackie, was war Dein Preis?” Sollte es um Frau Blome als neue KVB-Chefin gehen? Was geht das die Stadt Köln an und das Wohl ihrer Bürger? Das städtische Personal ist für die Stadt da und diese nicht für die Karriere und das Wohl einzelner Personen. Hier wedelt doch der Schwanz mit dem Hund! Es zeigt sich wieder die alte sattsam bekannte Einstellung: erst geht es um mich, dann um meine Familie, dann um meine Partei und zuletzt um die Stadt Köln.
Es gibt leider viele Beispiele bei den Kölner Parteien in der Vergangenheit, wie Politiker aus den Fraktionen “herausgekauft” worden sind, entweder weil man sie auf ein anderes Gleis schieben oder schlichtweg los werden wollte. Dies alles sollte in diesem Jahrhundert vorbei sein. Nur noch Saubermänner sollten vorne stehen. Wie sind wir doch getäuscht worden!

Konrad Adenauer
Köln, Vorsitzender von Haus und Grund


Unser Beitragsbild [Ausschnitt] zeigt Konrad Adenauer bei einer Preisverleihung© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

3 Gedanken zu „Wie die Herren die Stadt aufgeteilt“

  1. Lieber Hr. Dr. Adenauer u. L’thaler Nachbar, nachdem wir uns vor 3 d i. Wartebereich d. Kölner Flughafens unverhofft trafen, ht.ich ldr. keine Zt., m. Ihnen üb.d.vg. Affäre z.sprechen! Ich bin mtlw.d. 5.x i. Pesaro via Bologna b. Rossini-Festival! Ich kann Ihnen i. Ihrer Beurteilg.d.o.g. Angelegenht.nur zustimmen!! Ich bin ebenfalls drauf u.d ran gewesen meine Partei n.ebenfalls 50 a aus Protest gg.d.Klüngel z.verlassen!! (Wir saßen 1974 gemeins.kurz i.d. 1. BV L’thal f.unsere Parteien!!!) Ich mußte damals mein Mandat abgeben wg. Inkompatibilität zw. Mandat u. Amt (RP Köln!)
    MfG
    Ihr
    RMF

  2. S.g. Hr. Dr. Adenauer, lb. L’thal er,
    ich kann Ihnen erneut i.d. Sache Martin Börschel nur voll ZUSTIMMEN! Gen. Jochen Ott muß d. Klüngel endl.ausmisten od.gl.mitgehen!!?
    MfG
    Ihr RMF

  3. S.g. Hr. Dr. Adenauer, ich ht. Ihnen schon spontan nach Veröffentlichg. Ihres offenen Briefs (to whom it may concern!!!) meine Sympathie dazu bekundet! Ziegen Sie wtr. Konsequenzen i. Erwäg.?!! Halten Sie mich bi.wtr.a.d. Lfd., wenn Sie mögen!!! Ihr gewählter BV-Kollege v. 1975! RMF

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