Der kölsche ModalSplit

Dieser Blogbeitrag könnte auch heißen: “Traue nur der Statistik, die Du selber gefälscht hast” – aber dazu später mehr. Was bedeutet eigentlich ModalSplit? Wikipedia sagt: “Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel genannt. Eine andere gebräuchliche Bezeichnung im Personenverkehr ist Verkehrsmittelwahl. Der Modal Split beschreibt das Mobilitätsverhalten von Personen (…).”

Schauen wir mal doch erst einmal in “DAS” noch immer gültige Kölner Strategiepapier namens “Köln Mobil 2025” aus dem August 2014. Hier erhalten wir für die Jahre 1982 und 2006 konkrete Aussagen, für 2013 eine Schätzung (deren Grundlage niemand kennt) und für 2025/2030 ein definiertes Ziel, wie sich die Kölner*innen bewegt haben bzw. bewegen sollen.
Hierbei stellt man fest, dass der prozentuale Anteil des motorisierten Individualverkehr (mIV) leicht abnimmt, während der ÖPNV und der Radverkehr leicht wächst. Als langfristiges Ziel gilt seit einigen Jahren: Wir wollen 1/3 Autos und 2/3 Umweltverbund in unserer Stadt haben.

Aber inwiefern kann man diesen – eh schon sehr alten – Zahlen überhaupt vertrauen? Es gibt vor allem zwei wesentliche Fehler, die dafür sorgen, dass die Statistik nicht wirklich etwas mit der Realität “vor unserer Haustüre” zu tun hat:
* Der gegenwärtige und vergangene ModalSplit wird stets auf der Basis der Kölner Einwohnerzahl berechnet/hoch gerechnet und berücksichtigt zu 0% die Pendlerverkehre aus dem Umland nach Köln. Dies sind immerhin ca. 300.000 Menschen pro Tag – und damit eine nicht unwesentliche Größe im Kölner Gesamtverkehr.
* Auch keine Berücksichtigung findet das Wachstum der Stadt Köln in dieser Darstellung. So hatte die Stadt Köln im Jahr 1982 960.000, 2006 schon 990.000 und heute liegen wir bei 1.100.000 EinwohnerInnen. Auch der Pkw-Bestand in Köln wuchs von 2006 bei 476.000 auf 532.000 im Jahr 2017. (Quelle: Statistische Jahrbücher der Stadt Köln)

Daher bedarf es unbedingt eines “richtigen und realen” ModalSplits, der vor allem den ersten der beiden vorgenannten Punkte berücksichtigt und somit auch die Realität widerspiegelt, wie wir sie im täglichen Leben wahrnehmen.

Im Rahmen der deutschlandweiten Erhebung “Mobilität in Deutschland” liegen nun erste Daten zur Auswertung vor, bei denen es sich lohnt genauer hinzuschauen bzw. diese auch mit weiteren Daten in einer statistischen Auswertung zu “veredeln”.

Schauen wir uns die Daten nach der bisherigen – “falschen” – Auswertungsstruktur an. Man nähert sich dem Ziel 1/3 Pkw zu 2/3 Umweltverbund an und könnte denken, dass es in der Vergangenheit viele sinnvolle Maßnahmen gegeben hat, die dafür gesorgt haben, dass wir nur noch sehr knapp vor dem angestrebten Ziel stehen (P.S. an dieser Stelle: GUT Köln hat hierzu eine eigene Position am 24.11.2018 beschlossen und fordert einen “richtigen” ModalSplit bis 2025 von 15% Pkw-Verkehr und 85% Umweltverbund).

Interessanter ist jedoch der für Köln “richtige” ModalSplit mit Berücksichtigung der Einpendler. Dieser weicht dabei um bis zu 7%-Punkte vom “falschen” ModalSplit ab und spiegelt damit in etwa den für Köln kommunizierten ModalSplit aus dem Jahr 2006 wieder(!).

Soll konkret heißen: Statt weniger, rollen mehr und mehr Pkws nach und in Köln, während die Alternative “Radverkehr” zwar innerstädtisch ein Wachstum erfahren hat (trotz jahrelanger Vernachlässigung im Ausbau und Sanierung der Infrastruktur), aber im überortlichen Verkehr betrachtet nahezu keine Rolle spielt.

Daher wäre es jetzt Zeit für ein bisschen mehr “Mut zur Wahrheit” und anstatt einer weiterhin schön gerechneten Statistik sollte ein “Switch” zu den realen Werten erfolgen und diese kommuniziert werden. Dann klappt es vielleicht auch  mit einer richtigen Verkehrswende in Köln.

Links

Link zu Mobilität in Deutschland (MiD):
https://www.bmvi.de//SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html bzw. http://www.mobilitaet-in-deutschland.de

Die PM der Stadt Köln mit der Kommunikation des kölschen ModalSplits vom 16.07.2018:
https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/19614/index.html

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Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Vorstandsmitglied der Wählergruppe GUT Köln.

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