Hörst Du nicht die Glocken?

Ein Fahrverbot in Köln dient unserer Gesundheit! Und für Autofahrer gibt es eine Lösung. Ein Kommentar von Thor Zimmermann

fahrverbot köln

Das Ende des Autoverkehrs, wie wir ihn bislang kennen, ist schon seit längerem eingeläutet. Doch wahrhaben will dies bislang kaum jemand.
Der aktuelle Aufschrei in Köln, nach dem Verwaltungsgerichtsurteil und dem ab April 2019 verhängten Fahrverbot ist erwartungsgemäß groß. Und ja, ich kann Betroffene verstehen. “Kalt enteignet” zu werden, und dabei weitgehend allein gelassen zu werden ist nicht schön.
Das Urteil ist aber keine Überraschung. Die Rechtslage, die Grenzwerte und die Urteile in zahlreichen anderen Städten ließen nichts anderes erwarten.
Die Empörung fokussiert sich in großen Teilen der Öffentlichkeit nun auf das gemeine Fahrverbot, den Wertverlust und die Probleme die ein Fahrverbot nun mit sich bringen wird. Man muss leider feststellen, dass die Wut über den Dreck in der Luft längst nicht so groß ist. Dabei geht es in der Sache um nichts anderes als eine gesundheitsgefährdende Luftverschmutzung. Grenzwerte wurden nicht aus Jux festgelegt, sie dienen dem Schutz der Bevölkerung, und manchen Ärzten sind übrigens auch diese Grenzwerte noch zu lasch.
Doch wie Autofahrern helfen? An den Grenzwerten herumschrauben, wie dies die Bundesregierung vor hat? Oder simpler Rechtsbruch? So könnte man Klaus Harzendorf (miß-)verstehen, wenn der Kölner Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik zum Fahrverbot feststellt: “Das kann man nicht wirkungsvoll kontrollieren.

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Weisheit der Dakota Indianer

Wenn RWE und Gewerkschaften Seit’ an Seit’ für die Rodung(!) des Hambacher Waldes demonstrieren – um Arbeitsplätze zu erhalten –, weiß ich gar nicht, ob dass auf mich mehr anachronistisch oder tragisch wirkt. Wer etwas für die in der Braunkohleindustrie Tätigen tun möchte, sollte doch an sicheren Zukunftsperspektiven arbeiten, statt sie (in Wahrheit nur um der Rendite willen!) weiter in den Tagebau zu schicken. Beim Atomausstieg hatte RWE bereits schon einmal die Glocken nicht gehört, und damit sich, den Aktionären und den Beschäftigten schweren Schaden zugefügt.
In der laufenden Verkehrswende verhält es sich kaum anders. Am Auto wird in Deutschland festgehalten! Und selbst wenn man, warum auch immer, weiter unsere Städte mit Blech zustopfen möchte, sollte dies doch wenigstens umweltverträglich unterwegs sein. Aber auch das kriegen weder die deutsche Autoindustrie noch unsere CDU/SPD geführte Regierung hin. Im Gegenteil, man wird auch noch beschissen und die Manipulatoren müssen noch nicht einmal ernsthafe Konsequenzen fürchten …
Auch beim Umstieg auf alternative Antriebe: Setzen, 6!
Hilft man so den Abhängigen vom Auto? Wohl kaum – sehenden Auges steuert man auf die “Katastrophe” zu, dem Fahrverbot.

Doch wie betroffenen Autofahrern helfen?

Nicht nur in Köln versucht man dies mit Luftreinhalteplänen. Diese Pläne beinhalten Maßnahmen die helfen sollen, die Luftqualität zu verbessern, und die Schadstoffe wieder unter die Grenzwerte zu drücken. Elektrobusse sollen angeschafft werden, Ampeln “umweltsensitiv geschaltet” werden, der ÖPNV ausgebaut und vieles mehr. (Übrigens: Dies alles nur, damit das Auto weiter fahren kann!)
In einer ersten Stellungnahme nach dem Kölner Fahrverbotsurteil verwies Oberbürgermeisterin Henriette Reker auch auf diesen Maßnahmenkatalog. Köln hätte sich mit zahlreichen Vorschlägen engagiert eingebracht. Nur, mit Vorschlägen allein ist keinem geholfen, die Umsetzung stolpert nur vor sich hin. Dazu kommt: Schon vor Beschluss dieses Maßnahmenkataloges wies eine Gutachterin darauf hin, dass dieser nicht ausreichen werde um die Schadstoffe hinreichend zu senken. Dies sah nun auch das Gericht so.
Am Tag des Urteils (Judgement Day?) hielt ich im Rat auch meine Rede zum Haushalt. Auf die Urteilsverkündung eingehend stellte ich fest, dass die seit Jahren bekannte Luftreinhalte-Problematik doch eigentlich auch als Chance hätte verstanden werden können. Eine Chance dazu, Köln im Sinne einer ökologischen Verkehrswende umzubauen. Ich bin davon überzeugt, dass nur eines dem Autofahrer wirklich hilft: Der Verzicht auf das Auto!
Dazu brauchen wir in Köln aber ein Angebot, dass den Umstieg nicht nur möglich macht, sondern auch Lust darauf!
Wir wollen keine engagierten Vorschläge mehr, wir wollen nicht die Verantwortung auf die Autoindustrie oder Berlin schieben. Die vergangenen Jahre haben eines gezeigt: Bund und Industrie lassen uns im Stich.
Statt dessen wollen wir in Köln selbst anfangen, unsere Stadt umbauen zu einem zweiten Kopenhagen, mit mehr Licht, Luft und Raum für Fußgänger und Radfahrer. Mit schnellen Radwegen, mit einem ÖPNV der das Netz ausbaut, statt einfach nur unter die Erde zu gehen, mit auofreien Innenstädten, mit Logistikkonzepten die Lieferverkehre drastisch reduzieren. Mit einer Förderung von Lastenrädern, Sharing-Systemen und und und. Ideen gibt es zuhauf, lasst uns eeeeeendlich mal ernsthaft anfangen! Wir wollen uns in Zukunft über die bestmöglichen Wege einer ökologischen Verkehrswende streiten, und nicht mehr nur darüber ob sie überhaupt stattfindet …
Und. Autofahrer in Not, hört nicht auf Eure Lobbyisten, denn diese sind in Wahrheit nur eines: Eure Dealer! Dealer der übelsten Sorte, die Euch der Rendite wegen vor die Hunde gehen – oder im Stau stehen lassen.


Als Einstieg in den Auto-Ausstieg hier ein schönes Spiel von uns: Autos verschrotten!

Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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