Kultur auf dem Heliosgelände

Neben Wohnen und Schule soll es auch einen Kulturbaustein geben. Doch wie wird diese Idee ausgestaltet? Auf unsere Initiative hin gibt es nun einen Runden Tisch zum Thema Kultur auf dem Heliosgelände.

Kulturbaustein

Am 26. September 2017 gab es in der Aula des Berufskolleg Ehrenfeld eine offizielle Informationsveranstaltung der Stadt Köln zum Heliosgelände. Neben vielen verkehrlichen Aspekten der Neuplanung in und um das Gelände, wurde seit längerem auch über die geplante (Wieder-) Ansiedlung von Kultur gesprochen. Die DQE-Halle geschlossen, Wohnbar abgerissen, viele Proberäume weg – und inzwischen ist auch das Underground Geschichte. Und nun, wie weiter?

Es ist schon immer Ziel der Planungen gewesen, Kultur wieder möglich zu machen. Die Heliosstraße soll eine Kulturmeile werden – shared space on top. Und ungefähr dort, wo heute noch die alte DQE-Halle und die Stapelbar stehen, ist ein Kulturriegel geplant.

Neben Schule, Wohnen und denkmalgeschützter Rheinlandhalle findet sich dieser Kulturbaustein schon seit Jahren in allen Planungen wieder. Neben des primären (und abgehakten) Zieles eine Shopping Mall zu verhindern, ein Erfolg der Bürgerinitiative Helios. Doch am 26.9.17 stellte sich bei der Info-Veranstaltung deutlich heraus, dass es mit diesem Baustein große Probleme gibt. Denn Grundstückseigentümer und Bauherr ist zunächst einmal der Investor: Die BAUWENS GmbH & Co. KG. Herr Jacobi (ein geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe) macht auf dem Podium recht deutlich klar, dass auch dieser Baustein sich wirtschaftlich “rechnen” müsse – sprich: marktübliche Mieten. Doch wer kann die bezahlen? Viele Kunst- & Kulturschaffende im Publikum offensichtlich nicht. Auch der Bitte, der Investor möge doch die Kultur quer subventionieren (Rendite aus dem Wohnbau in die Kultur stecken), erteilte Jacobi eine klare Absage. Allein die Existenz des Kulturbausteins ist schon ein Zugeständnis, mit Wohnungsbau hätte Bauwens sicher mehr verdient.

Abriss Underground
Nach 29 Jahren war Schluss: Im November 2017 wurde das Underground abgerissen

Doch es sind nicht alle nur arme Poeten. Immer wieder im Gespräch ist etwa Micki Pick mit einem möglichen Underground reloaded. Bei aller echten Sympathie und Wertschätzung: das Underground war natürlich auch ein kommerzieller Klub. Und könnte leichter eine Pacht zahlen, als eine Ateliergemeinschaft.

Dieses Beispiel soll das Dilemma derjenigen verdeutlichen, die für eine lebendige Kulturmeile kämpfen. Wie ist es möglich einen wirklich kreativen und innovativen Ort an der Heliossstraße zu schaffen?
Mit Proberäumen, Ateliers, Schreibstuben und Ausstellungsflächen? Und/oder Klub, Kneipe und Co-Working-Spaces? Oder die Ehrenfelder Stadtbibliothek, die Rheinische Musikschule und eine neue VHS-Ehrenfeld-Zweigstelle?

Nach der Veranstaltung am 26.9.17 haben wir (BI Helios, GUT und andere) uns noch im Weltempfänger getroffen und weiter miteinander geredet. Besonders glücklich war mit dem Zwischenstand in Sachen Kultur niemand, und so entwickelten wir die Idee des Runden Tisches zur Kultur auf dem Heliosgelände. Gesagt getan, am nächsten Tag stellte unsere Ratsgruppe GUT einen entsprechenden Antrag im Kulturausschuss. Ziel ist es die verschiedenen Player zusammenzubringen, “Bedarfe” abzufragen und auch über die Finanzierung zu sprechen.

helios-auszug
Hier soll er mal hin: der Kulturbaustein. Die Heliosstraße wird shared space

Aber schon die Einrichtung eines solchen Runden Tisches ist ein Politikum: Wer lädt ein? Wer wird eingeladen? Wie viele? Und so weiter … Nach vielen Gesprächen und diversen Änderungsanträgen haben wir es dann aber geschafft. Kulturausschuss und Stadtentwicklungsausschuss haben jeweils einstimmig zugestimmt. Anfang Dezember hat auch die Bezirksvertretung Ehrenfeld ihr OK gegeben, allerdings nicht ohne im Beschlusstext festzuhalten, dass das ja alles schon verabredet gewesen wäre, und Bezirksbürgermeister Wirges der Ober-Chef-Einlader wird …

Diese Beschlüsse sorgten bei manchen für etwas Grummeln. Man solle doch lieber in kleiner Runde miteinander sprechen, als in öffentlicher Großer. So könne man mehr erreichen. Klar, der Kulturbaustein macht nicht nur Probleme, er weckt auch Begehrlichkeiten. Daher wollen wir, dass Ehrenfeld öffentlich darüber spricht, wie es in Sachen Kultur auf dem Heliosgelände weitergehen soll.

Wir wünschen uns alles: Kneipe, Klub, Kultur. Möglichst unkommerziell, aber auch professionell geführt. Aber wie realisieren, wenn der Investor auf seine Rendite pocht? Eine Idee taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf: Die Stadt soll dieses Gelände Bauwens abkaufen – hat bei der Schule ja auch geklappt – und dann suchen wir in Ruhe nach einem Träger für den Kulturbaustein.

Nun brauchen wir zunächst einen Runden Tisch mit neugierigen und mutigen Teilnehmer*innen. Und Euch! Und Eure Ideen!
Kennt Ihr zum Beispiel erfolgreiche Modelle in anderen Städten?
Bitte hinterlasst diese als Kommentar auf dieser Seite, Danke!


Der Runde Tisch soll im ersten Quartal 2018 zusammen kommen. Wir werden berichten.


Beitragsbild mit freundlicher Genehmigung von O&O Baukunst. Das Bild (das einem älteren Planungstand entstammt) stellt einen möglichen Kulturbaustein dar. Das Architekturbüro Ortner & Ortner hat im Bereich Kulturbauten international viele renommierte Projekte realisiert, unter anderem das Museumsquartier in Wien.
Christian Heuchel von O&O Baukunst stellte uns ein kurzes Statement zu ihren Ideen zur Verfügung. Ihr findet es hier.


Zur Bürgerinitiative Helios

Städtische Informationen zum Heliosgelände

Statement von O&O Baukunst

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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