Kulturbaustein Helios

Das Heliosgelände braucht dringend interessierte Kulturschaffende! Profis, die Interesse haben eine Betreibergesellschaft zu gründen.

Kulturbaustein

Ein Highlight der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zum Heliosgelände ist sicher der – unprätentiös benannte – Kulturbaustein. Neben Wohnbebauung und einer Schule, soll dieser Baustein die Wiederansiedlung der einst auf dem Gelände ansässigen Kulturschaffenden ermöglichen.
Wir erinnern uns, in seinen wildesten Zeiten gab es auf dem Heliosgelände nicht nur das 2017 abgerissene Underground, sondern auch eine DQE-Halle, in und an der Rheinlandhalle den Kunstverein artrmx und die Wohnbar. Nicht zu vergessen: zahlreiche Proberäume und Ateliers!
Es war das Büro Ortner & Ortner das in seinem preisgekrönten städtebaulichen Entwurf für das Heliosgelände den Kulturbaustein entwickelte.

Kulturbaustein
Links im Bild: Eine allererste Idee des Kulturbausteines. Wir sprechen von insgesamt rund 5000 qm Nutzfläche auf drei Etagen. Bild: Dank an o&o baukunst

Ein Ort an der Heliosstraße der den Vertriebenen neue Zuflucht gewähren soll. Im Plan stellt der Baustein lediglich eine Hülle dar, ausgefüllt werden kann & muss diese noch. Micki Pick (Underground) meldet bereits seine Ansprüche an, er möchte dort wieder einen Club aufmachen. Ateliers, Ausstellungs- und Proberäume wünschen sich ebenfalls viele. Doch wie wird das alles verwirklicht?
Das Grundstück gehört dem Investor Bauwens-Adenauer. Er sieht sich zur Realisierung durch Bebauungspläne bestenfalls genötigt. Unmissverständlich macht Bauwens klar: Er kann den Kulturbaustein bauen, Vermietung und Verpachtung  allerdings nur zu rentierlichen Preisen. Ein kommerzieller Club wie das Underground kann da vielleicht noch mitgehen, aber eine rentable Ateliermiete von 12 – 15 €/m2 ist sicher nicht das was junge Talente unter günstig verstehen.

Der Runde Tisch

Auf Initiative unserer Ratsgruppe GUT luden der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges  und das Kulturamt vergangenen Sommer zu einem Runden Tisch “Kulturbaustein Helios” ein. Am Tisch saßen Verwaltung, Politik und Ehrenfelder Kulturschaffende, zu einem dritten Treffen stieß dann noch der Investor hinzu.
Zwei mögliche neue Ansätze kristallisierten sich heraus:
Unser Vorschlag, die Stadt möge das Grundstück für den Kulturbaustein dem Investor abkaufen – um die Entwicklung komplett selbst in der Hand zu haben – stieß auf geteiltes, aber mehrheitlich positives Echo. Kritiker bemängelten, der Investor sei in diesem Punkt in einer Bringschuld, aus der man ihn nicht einfach so entlassen möchte, schließlich wird er auf dem Rest des Geländes durch Wohnbebauung gute Gewinne machen. Zum anderen möchte man dem Investor nicht schon allein durch den Kauf des Grundstücks  die Taschen voll machen, wie schon beim Schulgrundstück …
Aus dem Kreis der Kulturschaffenden kam die Information, dass verschiedene Akteure dabei seien eine gemeinsame Betreibergesellschaft zu gründen. Ziel dieser Gesellschaft sei es, das Haus gemeinsam zu nutzen, die unterschiedlichen Bereiche aber intern quer zu subventionieren. Etwa: Ein Teil der Gewinne des Clubbetriebes werden in günstige Ateliermieten gesteckt. Nach außen hin tritt man aber gegenüber dem Eigentümer des Gebäudes als eine Gesellschaft auf. Ob die Eigentümerin ein Investor oder die Stadt ist, wäre bei diesem Modell nicht so wichtig.
Der Runde Tisch ging auseinander mit der Vereinbarung, dass sich Investor und mögliche Betreiber mal zusammensetzen sollen. Dabei soll ausgelotet werden, ob man zusammen kommen kann.

helios-auszug
Hier soll er mal hin: der Kulturbaustein. Die Heliosstraße wird shared space

Das war im Spätsommer 2018. Anfang diesen Jahres stellten wir eine Anfrage dazu im Kulturausschuss, die Antwort ähnelt dem von uns hier beschriebenen Zustand. Auch Bezirksbürgermeister Josef Wirges fragte vor kurzem bei den Beteiligten nach dem Stand der Dinge, eine Antwort ist uns bislang nicht bekannt. Auf Facebook äußerte sich Martin Herrndorf als einer der Involvierten zu dem Thema, sein Statement gibt allerdings wenig Anlass zur Hoffnung: “Momentan gibt es keine “Entwicklungsgenossenschaft” aus dem Stadtteil / von den Kulturtreibenden, weil da niemand Zeit und Energie rein investiert hat (wir auch nicht, auch wenn wir mal mit am Tisch saßen).”  Die Idee von “gemeinwohlorientierter Immobilienentwicklung” sieht auch Martin Herrndorf bei der Stadt, dies sei nicht Aufgabe privater Investoren.

Wie weiter?

Der Kulturbaustein bleibt eine große Chance für Ehrenfeld und Köln! Es fehlt allerdings der richtige Anpack, der/die vertrauenswürdige Macher*in im Hintergrund. Wir wollen es uns in einer Millionenstadt wie Köln gar nicht erst vorstellen, dass es hier tatsächlich keine Projektentwickler im Kulturbereich gibt, die über das notwendige know-how und die Ausdauer verfügen. Denn es gibt ja vergleichbare Projekte: Rhenania, Filmhaus, Kunstwerk, Literaturhaus … sicher, alle unterschiedlich dimensioniert und in verschiedener Trägerschaft, aber für den Kulturbaustein sollte sich doch ähnliches entwickeln lassen!
Verdient hätte es Ehrenfeld nach den bitteren Abgängen der letzten Jahre allemal. Der Investor hingegen spielt auf Zeit – wir sollten uns die Bedingungen jedoch nicht diktieren lassen.

Her mit den Ideen! Mutige vor!


P.S.: Wir vermitteln gerne Kontakte, bitte bei uns melden!
Unser Beitragsbild zeigt ein Grafitto am Bauzaun, dahinter stand das Underground


Nachtrag (21.02.2019)
Nach ersten Reaktionen noch folgendes:
Die anstehende Wohn-Bebauung von Heinz Gaul und dem gegenüberliegenden Netto-Parkplatz wird zu neuen Konflikten führen. “Laute Clubkultur” scheint manchen am Standort Kulturbaustein nicht mehr durchsetzbar zu sein. Aber, Teile der Verwaltung sind da am Umdenken. Die Verwaltung schreibt auf unsere Anfrage: “In Bezug auf die zukünftige Ermöglichung einer „lauten“ Clubkultur auf dem Heliosgelände empfiehlt die Kulturverwaltung die Auslegungspraxis der Technischen Anleitung zum Schutz vor Lärm (TA Lärm) innerhalb der Stadtverwaltung auf den Prüfstand zu stellen und die konkurrierenden Interessen abzuwägen.”
Und natürlich soll der Baustein ja nicht nur ein lauter Clubkulturriegel werden. In nächster Zukunft ist es  wichtig nicht nur Einzelinteressen durchsetzen zu wollen, sondern den Baustein als Ganzes zu sehen – mit einem möglichst umfassenden Kulturbegriff.
Stand heute fehlt jedoch ein gemeinsames offizielles, veröffentlichtes Papier der Ehrenfelder Kulturszene. Es wird weder ein Anspruch an sich auf den Baustein erhoben, noch dargestellt was im Gebäude stattfinden soll. Auch wären klare Positionen wünschenswert wer Eigentümerin und wer Betreiberin des Kulturbausteins werden soll. Vor über fünf Jahren tauchte dieser Baustein erstmals auf Plänen auf, es wird Zeit diese Idee mit Leben zu füllen, wenn auch nur (vorläufig) ebenfalls auf Papier.

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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