Das Runde muss ins Eckige – mittlerweile ganz oft auf Kunstrasen

Die Zeit der guten alten Ascheplätze ist gezählt, Kunstrasenplätze sind der neue Standard. Spielkomfort: super. Nachhaltigkeit: geht so.

Fußball ist eine der beliebtesten Sportarten überhaupt. In Köln sind neben dem FC zahlreiche Vereine vertreten, Jung und Alt trifft sich auf den Plätzen der Stadt. Die klassischen Tennen- oder Ascheplätze werden vielerorts den Anforderungen von Vereinen und Spieler*innen hinsichtlich Nutzungsdauer und Spielkomfort daher nicht mehr gerecht, Kunstrasenplätze sind gewünscht. Zurzeit wird in Köln auf 160 Plätzen gekickt, davon sind 36 Kunstrasenplätze, 14 weitere befinden sich in Planung.

Städtische Förderung
Die Stadt Köln hat 2013 auf die Entwicklung reagiert und ein Kunstrasenprogramm gestartet: nach und nach sollen in Köln alle städtischen Tennenplätze in Kunstrasenplätze umgewandelt werden. Kein günstiges Unterfangen für die Stadtkasse: rund 1 Million Euro verschlingt der komplette Neubau eines Platzes. Vereine erhalten bei der Einrichtung von Kunstrasenplätzen eine Unterstützung der Stadt. Die Pflege und Erneuerung der Anlagen obliegt den Vereinen, die hierzu Rücklagen bilden müssen: denn der Kunststoffbelag muss nach spätestens 15 Jahren ausgetauscht werden, was im Schnitt Kosten von rund 300.000 Euro pro Platz bedeutet. Wir haben bei einigen Vereinen bezüglich der Rücklagenbildung nachgefragt, aber bisher noch keine Antwort erhalten. Über das Online-Angebot “Sportstättenrechner” können sich Vereine im Vorfeld einer Baumaßnahme einen Überblick über die Kosten bei Neubau und Sanierung der Plätze verschaffen.

Ökobilanz schlecht
Kunstrasenplätze sind ökologisch umstritten. Nachteilig ist neben der Versiegelung von Flächen und negativer Auswirkungen für das Mikroklima auch das Gummigranulat, das als Einstreumaterial auf dem Kunstrasen aufgebracht wird und in den Meeren landet. Nach Berechnungen der norwegischen Umweltbehörde werden rund 3.000 Tonnen Gummigranulat in Norwegen jedes Jahr ins Meer gespült. (In Schweden rund 4.000 t.) Deutschland hat dreimal so viele Kunstrasenplätze wie Norwegen, das heißt die Menge an Granulat liegt nach entsprechender Hochrechnung bei ca. 9.000 bis 12.000 t, die hier jährlich ins Meer gelangen könnten. Laut Deutschlandfunk Nova ist das Granulat der Kunstrasenplätze die zweitgrößte Quelle für Mikroplastik im Meer.

Der Aufbau einer Kunstrasenfläche besteht aus mehreren Schichten.

Teures Recycling
Daneben sorgt die Verwendung von Kunststoffgranulat für erhebliche Folgekosten, wenn der Kunstrasenplatz erneuert werden muss: das Gemisch aus Sand und Gummigranulat als Einstreumaterial lässt sich nicht sauber genug trennen, so dass der Sand verunreinigt bleibt, nicht anders weitergenutzt werden kann und so teuer entsorgt werden muss. Kosten, die letztendlich die Vereine tragen. Eine umweltverträgliche Lösung ist somit nicht nur im Sinne der Spieler, sondern kommt ganz konkret der Vereinskasse zugute.

Gibt es eine nachhaltige(re) Lösung?
Mit einem alternativen Einstreumaterial wie zum Beispiel Korkgranulat wäre der Sand weiter verwendbar und hohe Entsorgungskosten würden entfallen. Auf die Anfrage bei der Stadt nach dem bisher eingesetzten Einstreumaterial und einer ökologischen Alternative wie zum Beispiel Kork, lautet die Antwort der Verwaltung, dass Kork nicht DIN-zertifiziert ist und somit nicht eingesetzt werden darf. Unsere Nachfrage beim Deutschen Institut für Normung (DIN) ergab, dass Kork-Granulat tatsächlich nicht DIN-zertifiziert ist, es aber in diesem Punkt noch keine einheitliche Meinung des zuständigen Arbeitsausschusses gebe. Die Fragestellung werde daher in der nächsten Sitzung des entsprechenden DIN-Ausschusses am Ende des Jahres diskutiert.

Auch in anderen Städten ist die Problematik bekannt: Hamburg hat beispielsweise eine Studie in Auftrag gegeben, die die Verwendbarkeit von Kork als reguläres Einstreumaterial auf Kunstrasenplätzen überprüfen und auswerten soll.

Bleibt also abzuwarten, ob in naher Zukunft eine umweltfreundlichere Variante zum Einsatz kommen kann.


Anfrage Kunstrasenprogramm

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Autor: Aline Damaske

Aline Damaske arbeitet als Referentin für unsere Ratsgruppe GUT

2 Gedanken zu „Das Runde muss ins Eckige – mittlerweile ganz oft auf Kunstrasen“

  1. Das Granulat wird verschleppt, entweder durch Schuhe/Kleidung oder bei starkem Wind.
    Von dort gelangt das Material bei Regen (es schwimmt ja) in die Gewässer=>Rhein=>Nordsee.
    Von öffentlichen Plätzen und Straßen gelangt es über die Straßenentwässerung auch in die Gewässer, selbst Kläranlagen können es nicht abbauen/eliminieren.

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