Naturschutz vor Kommerz am Rather See!

Der Rather See liegt in einem Landschaftsschutzgebiet zwischen Autobahndreieck und Hochhäusern. Hier rasten Zugvögel im Winter. Anwohner nutzen das ehemalige Baggerloch als Badesee. Der Stadt liegen Bebauungspläne vor, die am Rather See eine großflächige Wasserskianlage vorsehen. Lärm, Verkehr und Versieglung durch Parkflächen entstehen. Naherholung und Naturschutz sehen für uns anders aus!

Auf der Schääl Sick gibt es ein wahres Biotop für Tiere und Pflanzen: Den Rather See. Auch bekannt als Neubrücker Baggerloch, grenzt das über 30 Hektar große Gewässer an mehrere Stadtteile: Rath/Heumar, Neubrück und Brück. Für die Bewohner der angrenzenden Viertel diente der See bislang als Badestelle und Naherholungsziel. Insbesondere an heißen Sommertagen ist die ehemalige Kiesgrube stark frequentiert. Bislang war die Nutzung durch die Bevölkerung jedoch illegal. Denn das Gelände befindet sich zum größten Teil im Privatbesitz einer Erbengemeinschaft des ehemaligen Auskiesungsunternehmens. Und wenn es nach dem Willen des Verwalters dieser Erbengemeinschaft geht, sollte hier bald eine moderne Wasserskianlage entstehen. Ein Besuchermagnet und eine Aufwertung für die Gegend. Mit dem Profit der Anlage wäre dann auch die Hege des Sees finanziell möglich und rentabel. So sieht es der Verwalter. Wir sehen das etwas anders. Derzeit fühlen sich weder Stadt noch Erbengemeinschaft für die Hege zuständig, sodass See und Uferzonen vermüllen. An diesem Zustand muss sich etwas ändern!

Die ursprüngliche Vereinbarung zwischen Stadt und dem stillgelegten Auskiesungsunternehmen besagt, dass eigentlich eine Renaturierung der Fläche anstünde. Eine weitere intensive gewerbliche Nutzung war bei der Genehmigung zur Auskiesung nie vorgesehen. Unseres Erachtens steht eine Bebauungsgenehmigung des Rather Sees, mit einer Wasserskianlage im derzeitigen Planungsstatus, im Widerspruch zu den Umwelt- und Klimaschutzzielen der Stadt Köln. Daher haben wir eine Anfrage zum Rather See für die Sitzung des Umweltausschusses am 27. Juni 2019 gestellt.

Seit 15 Jahren arbeitet der Verwalter der Erbengemeinschaft bereits an Plänen, wie der See nach Stilllegung der Auskiesung weiterhin lukrativ genutzt werden kann. Seine Idee: eine großzügige Wasserskianlage mit Badestrand. Der Eintritt für Wasserski- und Badestelle solle sozialverträgliche Preismodelle enthalten und so den bisherigen Besuchern des Sees Rechnung tragen. Im September 2010 war es dann soweit. Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss ein Bebauungsplanverfahren :”Ziel ist es den Rather See als Wassersport- und Strandbadanlage im Sinne der Naherholung in naturgeprägtem Umfeld zu entwickeln.”

Die Rede war zu Beginn von einer einzigen Wasserskibahn. Es folgte eine Offenlegung der Pläne sowie sämtlicher Gutachten zur regulären Bürgerbeteiligung. Im Verfahren wurden laut Verwaltungsunterlagen eine umfangreiche Artenschutzuntersuchung sowie eine Voruntersuchung zum Immissionsschutz und zur Verkehrsanbindung durchgeführt. Die Artenschutzuntersuchungen lagen lediglich in der Zeit der Offenlegung zur Einsicht aus. Seitdem sind sie unter Verschluss. In der Folgezeit passte die Verwaltung die Bebauungspläne an. Eine weitere Bürgerbeteiligung zu den geänderten Bebauungsplänen, die mittlerweile drei Bahnen vorsieht, gab es nicht.

Seeflächennutzung lauf Bebauungsplan der Stadt Köln
Bebauungsplan der Wasserskianlage mit Badestrand am Raher See. Quelle Stadt Köln

Rather See Offenlageplan

Marc Michalsky versäumte es damals, sich neben den Bebauungsplänen auch die Artenschutzgutachten anzusehen und zu sichern. Er setzt sich zusammen mit einigen Mitstreitern für die frei Zugänglichkeit unter #ratherseefrei  und für den Naturschutz des Sees ein. Der gebürtige Neubrücker hat große Bedenken, dass die erstellten Gutachten unvollständig sein könnten und wichtige geschützte Tier- und Pflanzenarten nicht aufgenommen wurden. Dieser Verdacht wird durch eine Stellungnahme des BUND erhärtet. Deshalb beantragte er Einsicht beim Stadtplanungsamt. Diese wurde ihm verwehrt. Aber Michalsky und die Initiative #ratherseefrei ließen nicht locker. Mithilfe einer Anfrage auf »Frag den Staat« versuchte sie Einblick in die beiden Artenschutzprüfungen der Stufe I und II zu bekommen. Vergeblich.

Sie baten die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW um ihre Vermittlung. Diese unterstützte das Anliegen und argumentierte in einem langen Brief für die Herausgabe der Gutachten. Ohne Erfolg.

Der letzte Schritt wäre ein Klage zur Herausgabe der Unterlagen. “Es scheint als wolle die Stadt das Projekt am Bürger  vorbei durchbringen wollen.” Sagt Michalsky ernüchtert. Eine Klage könnte sich  über Jahre hinziehen bis dahin könnte die Genehmigung zum Baustart bereits erfolgt sein.

“Es ist uns in diesem Zusammenhang vollkommen unverständlich, warum die Verwaltung erstellte Artenschutzgutachten nicht weiterhin öffentlich zugänglich macht.” Wundert sich Ratsherr Tobias Scholz. “Eine kurze Auslage der Gutachten vor mehreren Jahren ist nicht ausreichend. Wie sollen etwa Mandatsträger*innen ihre Entscheidung vorbereiten, ohne alle Fakten zu kennen? Für demokratisch engagierte Bürger ist eine solche konsequente Verweigerung zudem extrem frustrierend.” So Scholz weiter.

Das Stadtplanungsamt befand, dass es genüge, dass die Einwände Eingang in die Abwägungen zur Bebauungsplanung fänden. Sie deckten sich inhaltlich mit Stellungnahmen anderer Bürger und Stellen.

Scheinbar kommt die Verwaltung also dem Wunsch der Erbengemeinschaft und Investoren nach, und möchte mit dem neuen Bebauungsplan die rechtlichen Möglichkeiten für eine kommerzielle Nutzung des Sees schaffen.

Umweltschutzaspekte bleiben unserer Meinung nach dabei auf der Strecke. Rückzugsräume für Tiere gäbe es kaum noch, Ausgleichsflächen können nicht adäquat geschaffen  werden. Zugvögel beispielsweise müssten an einem anderen See rasten. Darüber hinaus ist die Wasserskibahn nur wirtschaftlich, wenn sie eine hohe Besucherfrequenz aus der Stadt und dem Umland aufweist. Die Konsequenz wären vermehrte Emissionen durch Verkehre und Lärm. Das kann nicht im Sinne der Kölner Klimaschutzziele sein!

Brütende Wasservögel am Rather See
Wasservögel am Rather See. Bild: von privat

Wie könnte also eine nicht-kommerzielle, naturnahe Nutzung des Rather Sees funktionieren?

Die Stadt könnte auf die Renaturierungspflicht der Erbengemeinschaft bestehen. Das Gebiet bliebe Landschaftsschutzgebiet wobei eine kommerzielle Nutzung ausgeschlossen wird. Die Stadt Köln könnte den landschaftsgeschützten See günstig abkaufen und als Badesee für die Bürger sicher und zugänglich machen, z.B. in dem die Uferböschungen abgeflacht werden. Baden wäre an ausgewiesenen Stellen erlaubt, allerdings auf eigene Gefahr. Die Hege des Sees und die Müllbeseitigung könnten AWB gemeinsam mit dem ortsansässigen Anglerverein übernehmen. So wäre die Zugänglichkeit des Sees für die Anwohner*Innen und Besucher*Innen im verträglichen Rahmen für die Natur gewährleistet, die Hege wäre sichergestellt und keine weiteren Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet notwendig.

Aus diesen Gründen lehnen wir den Verwaltungsentwurf zur Bebauung des Rather Sees ab und werben für eine Ablehnung des Entwurfs in seiner derzeitigen Fassung!


 

 

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Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

Ein Gedanke zu „Naturschutz vor Kommerz am Rather See!“

  1. Vielen Dank für diesen sehr guten und informativen Bericht. Ich lebe seit fast 48 Jahren in Neubrück und bin strikt gegen die großflächige kommerzielle Nutzung des Sees. Die Artenvielfalt an Tier- und Pflanzenwelt, wie z.b. Schwäne , Blesshühner, Wildgänse und..und..ist eine riesige Bereicherung für die angrenzenden Wohngebiiete. Wildgänse fliegen zwischen und über unsere Häuser. In meiner luftigen Wohnhöhe ist es wunderschön, wenn Wildgänse in Formation vorbeifliehen. Fehlt nur noch, daß sie zum Kaffee bleiben. Selbst Fledermäuse gibt es dort und haben schon in dem Hausflur meiner Mutter gerastet. Was sehr selten ist. Wir sollten alles daran setzten, den See im renaturiertem Zustand der Bevölkerung zu öffnen. Verdient haben die Betreiber in den letzten 40 Jahren doch genug. Es würde unsere schöne, grüne Idylle völlig zerstören.

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