NRW-Tag 2020

Wir laden uns gern Gäste ein … und freuen uns, dass der NRW-Tag 2020 – auf unsere Initiative hin – in Köln nun autofrei, klimafreundlich und nachhaltig gestaltet wird.

NRW-Tag

Vor einigen Wochen tauchte aus dem Nichts eine Verwaltungsvorlage zum NRW-Tag 2020 auf: Oberbürgermeisterin Henriette Reker schlägt vor, dass sich Köln doch um die Ausrichtung dieses Tages (Ende August 2020) bewerben solle.
Der NRW-Tag wird anlässlich der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946 begangen. Früher nur zu runden Jubiläen, von 2006 bis 2012 jährlich und seitdem wird alle zwei Jahre in verschiedenen Städten gefeiert.
Die rund drei-tägige Veranstaltung lockte in der Vergangenheit jeweils mehrere hunderttausend Besucher*innen an, “und jedes Mal zeigt der Nordrhein-Westfalen-Tag die ganze kulturelle, wirtschaftliche und kreative Vielfalt unseres Landes.” So die Landesregierung.
Ursprünglich schien man davon auszugehen, dass der Tag so attraktiv ist, dass die Städte Schlange stehen um auch einmal Ausrichterin werden zu dürfen. Denn man muss sich um die Ausrichtung bewerben. Dies scheint in den letzten Jahren aber nicht mehr so richtig zu funktionieren. So wurden im November 2013 Bewerbungsfristen verlängert, und für 2020 scheint es (so wird gemunkelt) überhaupt keine Bewerbungen zu geben. Nun aber Köln!?
Die Verwaltung schlägt vor sich zu bewerben, und legte ein erstes relativ “konventionelles” Konzept vor. Vom Ökumenischen Gottesdienst und “Festumzug oder alternative Präsentationsform für das landesweite Brauchtumswesen”, über “Blaulicht-Meile” (Präsentation Feuerwehr, Polizei etc) und “Kulturprogramm inkl. Musikprogramm” bis hin zu “Ggf. „Deutschland bewegt sich“ – Barmer GEK”. Es soll ein Fest für alle Nordrhein-Westfalen werden, dass Gastronomiekonzept “anspruchsvoll” und mit “familienfreundlicher Preisgestaltung”. Andere Städte können sich genauso präsentieren wie Vereine und ehrenamtliche Initiativen – und auch für Kinder- und Jugendliche soll es ein Programm geben. Just to name a few …
Als Ratsgruppe GUT Köln tragen wir den Ansatz “Ein Fest für Alle” natürlich mit. Nur: Hat Köln nicht bereits genug von diesen Events? Und was ist mit der Finanzierung? Die Verwaltung rechnet mit Aufwendungen von rund 1,3 Millionen € minus rund 500.000 € Zuschüsse und Kostenübernahmen durch das Land NRW = 800.000 € Kosten – auf die die Stadt Köln sitzen bleibt! Für ebenfalls problematisch halten wir die Fokussierung auf die Innenstadt.
Da wir gerne feiern und auch die Bande zu den Westfalen enger knüpfen wollen, haben wir uns an eine präzisere Formulierung des vorgeschlagenen Konzeptes gesetzt. Unser Bezirksvertreter Tom Geffe brachte einen ersten Änderungsantrag in die Bezirksvertretung Innenstadt ein: Ein NRW-Tag der fair, nachhaltig, autofrei und klimaneutral sein sollte, verbunden mit der Aufforderung ihn auch dezentral und nach dem Zero-Waste-Konzept zu gestalten. Warum nicht auch mal in Porz feiern?! Und wie kommen wir nach Porz? Gratis mit der KVB, da nach unseren Vorstellungen der Fahrscheinlose mit dem NRW-Tag zusammen fallen sollte …
Doch leider lehnten ALLE (bis auf Tom selbst) in der Bezirksvertretung  unseren Antrag ab. Aber nicht nur unser Antrag fiel durch, auch der Vorlage der Verwaltung stimmte einzig und allein Maria Tillessen von der FDP zu.

nrw-tag
Kein offizielles Bild, sondern nur eine grafische Auflockerung dieses doch recht langen Textes …

Entschieden wird über den NRW-Tag allerdings im Rat, die Bezirksvertretung ist “nur” ein vor beratendes Gremium. Da wir wussten, dass zumindest die Rats-CDU und FDP diesen Tag unbedingt* in Köln haben möchten und die Rats-Grünen noch unentschieden waren, unternahmen wir einen neuen Anlauf.
Unseren Entwurf sandten wir CDU und Grünen, die Grünen überarbeiteten ihn, auch die CDU fügte einen regionalen Bezug ein. Gemeinsam stellten wir nun diesen Änderungsantrag im Rat, unsere Kernpunkte aus dem Antrag:


Vielfalt:
Die Vielfalt des Landes NRW und der Gastgeberstadt Köln werden durch vielfältige kulturelle Angebote präsentiert und zeigen die komplette Breite von Vereinen und Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements aus Köln und NRW. Dies gilt für musikalische Darbietungen genauso wie für andere Präsentationen. Köln ist eine Diversity-Stadt, und zeigt dies auch. Alle Kölner Gruppen und Initiativen, die sich durch Ihr gesellschaftliches Engagement in der Stadt auszeichnen, können sich beteiligen.

Mobilität:
Die Planungen der Verwaltung zu autofreien Tagen (Mitteilung 2143/2018) werden bei der Durchführung des NRW-Tages berücksichtigt. Dies gilt sowohl für die An- und Abreise als auch die Innenstadt selbst. Zur Unterstützung der autofreien Innenstadt wird der fahrschein-lose Tag 2020 am NRW-Tag stattfinden, unterstützend sorgt das Land NRW für günstige Anreise-Möglichkeiten mit der Bahn.

Nachhaltigkeit:
Die Organisation des NRW-Tages erfolgt nach den UN-Zielen für Nachhaltigkeit, zu denen sich der Rat bereits 2017 bekannt hat. Die Veranstaltung wird somit ein „Zero-Waste“-Konzept verfolgen und klimaneutral ausgerichtet. Sowohl das gastronomische Angebot als auch weitere Beschaffungen, die für den NRW-Tag benötigt werden, orientieren sich an den Kriterien des Fair-Trades und dem Gebot der CO2- und Müllvermeidung. Bevorzugt sind Waren und Dienstleistungen aus dem regionalen Umfeld, bzw. dem regionalen Umfeld NRWs zu beziehen.

Das Veranstaltungskonzept soll so konzipiert sein, dass die aufzuwendenden städtischen Mittel im Vergleich zum Verwaltungsvorschlag reduziert werden können. Bei der Wahl der Veranstaltungsorte ist auf eine Entlastung der Innenstadt zu achten, die Berücksichtigung weiterer Stadtbezirke durch die Stabsstelle Event ist wünschenswert.


Wir sind froh und glücklich für unsere Idee im Rat nun eine Mehrheit gefunden zu haben. Köln wird im Bereich öffentlicher Großveranstaltungen einen Riesen-Schritt nach vorne machen. Wenn sich die Stabsstelle-Event nun wirklich Mühe gibt kann Köln positiv Maßstäbe setzen. Die Organisation des Tages sollten wir dennoch nicht allein der Stadt überlassen. Ausdrücklich fordern wir in unserem Antrag auch Gruppen und Initiativen auf sich zu beteiligen, doch dazu später mehr …


* Der NRW-Tag soll Ende August 2020 stattfinden, kurz vor der Kommunalwahl. Einige befürchten ein Schau-Laufen der CDU/FDP-Minister*innen aus Düsseldorf. Aber hilft der Kölner CDU etwa ein Auftritt des NRW-Innenminister Herbert Reul wirklich? 😉


Beitragsbild unter Bearbeitung und Verwendung des offiziellen NRW-Tag-Logos von Roger Bröchler, Düsseldorf für die Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Im Original ohne “Jetzt fair & GUT!”

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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