Radikaler Klimaschutz!

Wie geht radikaler Klimaschutz? Ist es radikal genug selbst kein Fleisch mehr zu essen, und nicht mehr zu fliegen? Oder soll die Politik klare Ansagen machen?

Planet Planlos

Am Montag, den 3. Dezember 2018 luden wir zu unserer Klimaschutz-Veranstaltung ins FilmForum des Museum Ludwig ein. Nach einem kurzen Grußwort von Ratsmitglied Thor Zimmermann lasen Anne Weiss und Stefan Bonner aus ihrem Buch “Planet Planlos”.  Stefan Bonner kündigte direkt zu Beginn dem Publikum humorvoll an, ihm den Abend zu verderben – und so kam es dann auch.
Eindrucksvoll und erschreckend zeigten die beiden Autor*innen auf, dass wir uns auch in Deutschland schon mitten im Klimawandel befinden. Unterstützt durch Bildmaterial und Infografiken erinnerten die beiden daran, dass es allein seit der Jahrtausendwende fast jedes Jahr besondere Wetterextreme in Deutschland gab. Mehrere Jahrhundertsommer, mehrere Jahrhundertfluten und auch die noch anhaltende Dürre ist nicht singulär, in den letzten Jahren gab es viele Monate mit “außergewöhnlicher Dürre”.

Planet Planlos
Stefan Bonner und Anne Weiss: Planet Planlos

In der anschließenden Diskussion mit Umweltdezernent Dr. Harald Rau, Ratsmitglied Gerd Brust (Grüne) und unserem Ratsmitglied Tobias Scholz lenkte Moderatorin Dr. Christine Kuch den Blick auf Köln. Wie kommt Köln mit dem Klimaschutz voran, wie will Köln die Anstrengungen verstärken?
Schnell wurde klar, dass alle im Saal (und auf dem Podium) mit den Kölner Bemühungen unzufrieden sind. Die Verkehrswende kommt nicht wirklich voran, die Rheinenergie verstromt immer noch Braunkohle, und auch das eigene städtische Programm zur Wärmedämmung ist angesichts der Herausforderungen viel zu klein dimensioniert. Manchmal fehlen politische Beschlüsse, aber auch in der Verwaltung ist es schwierig Klimaschutz dezernatsübergreifend zur obersten Priorität zu machen.
Das es so nicht weitergeht, darüber waren sich Publikum und Podium einig. Es werden auch von Köln mehr Anstrengungen in kürzerer Zeit benötigt, um die Erderwärmung auch nur annähernd in Griff zu kriegen. Der Wunsch nach “radikaleren” Lösungen schwebte im Saal, man solle sich nicht im kleinklein verlieren. So sei die Öffnung einer Einbahnstraße für den Radverkehr bezogen auf den Klimaschutz nur eine Marginalie.
Interessant war auch der Hinweis, man möge auf die soziale Ausgewogenheit bei Klimaschutzmaßnahmen achten. Einkommensschwächere verursachen nur einen geringeren Teil von CO2-Emmissionen, während es die Wohlhabenderen seien, die viel Fliegen, sich weiterhin ein Auto leisten können, und nun mit städtischem Geld ihre Altbauwohnungen dämmen lassen können.
Einig war man sich weitgehend, dass jede/r Einzelne weiterhin versuchen solle individuell das beste für den Klimaschutz zu tun, man aber auch von der Politik erwarte, dass sie deutlich entschiedener vorgehen müsse. Man könne die Verantwortung nicht auf den Einzelnen abschieben, es braucht klarerer staatliche Vorgaben, etwa ein schneller Ausstieg aus der Kohleverstromung.
Am Ende blieb ein mulmiges Gefühl. Das wir die Welt an diesem Abend nicht würden retten können war von Anfang an klar. Schön wären ermutigende Signale gewesen, aber auch unsere beiden Autor*innen wussten nicht von spektakulären Ideen aus anderen Städten zu berichten. (Anne Weiss und Stefan Bonner kommen ja auf ihren Lesungen in Sachen Klimaschutz viel herum, sie lobten allerdings die Diskussionsfreudigkeit des Kölner Publikums.)
Im Nachgang bekamen wir Lob und Kritik zu unserer Veranstaltung. Darüber, dass wir diese Veranstaltung überhaupt gemacht und immerhin 100 Gäste kamen freuten sich viele. Bemängelt wurde aber auch, dass unsere eigene Position nicht deutlich wurde. Da müssen wir selbstkritisch zustimmen – in zukünftigen Veranstaltungen werden wir unsere eigenen Anliegen deutlicher darstellen.
Danken wollen wir an dieser Stelle auch:
Dank an Anne Weiss und Stefan Bonner für ihren honorarfreien Auftritt.
Dank an Nina, sie hatte uns auf “Planet Planlos” aufmerksam gemacht, und uns zu dieser Veranstaltung inspiriert.
Dank an Shark Project und Ökorausch, sie hatten an Infotischen über ihre Klimaschutzaktivitäten berichtet.


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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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