Aufbruch Fahrrad – in Köln schon Realität?

NRW bekommt (irgendwann) ein Fahrradgesetz – dies ist das Ergebnis der 37. Sitzung des Verkehrsausschuss vom 20.11.2019.

Hierzu wurden über viele Monate Unterschriften gesammelt und 9 zentrale Massnahmen formuliert. Heute schaue ich mir die 9 geforderten Massnahmen einmal genauer an und wie ich deren Umsetzung in Köln bewerte:

Massnahme 1: Mehr Verkehrssicherheit auf Straßen und Radwegen

Hierzu gibt es in Köln noch keinen dezidierten politischen Beschluss. Generell ist das Ziel “Null Verkehrstote” (“Vision Zero”) natürlich absolut anstrebenswert und einige europäische Länder, z.B. Schweden, Norwegen oder die Niederlande, gelten als Vorreiter dieses Ziels.
Unfallvermeidung und Prävention muss noch stärker zur politischen und planerischen Aufgabe werden. Konkret werden in Köln aktuell die ersten “freilaufenden Rechtsabbieger” geschlossen und es gibt vereinzelte singuläre Massnahmen. Dennoch ist bis dato im Jahr 2019 die Anzahl der Verkehrstoten in Köln wieder leicht ansteigend. Massnahmen wie z.B. ein Tempo 30 auf der Mehrheit der Köln Straßen leider noch fernab jeder realen Umsetzung.

Fazit: Da geht noch einiges mehr.

Massnahme 2: NRW wirbt für mehr Radverkehr

Die Stadt Köln kommuniziert Fahrradmobilität leider noch sehr eingeschränkt als Teil eines positiven Lebensgefühls (wir kennen alle u.a. die beliebte Reker´sche Aussage, dass ihr das Radfahren in Köln viel zu gefährlich sei). Punktuell kommt es zu gemeinsamen Aufrufen/Kampagnen des ADFC und der Stadt Köln oder der Polizei Köln hinsichtlich des partnerschaftlichen und rücksichtsvollen Miteinander im Verkehr (Halten auf Radwegen etc.).

Fazit: Auch da geht noch einiges mehr.

Massnahme 3 & 4: 1000 Kilometer Radschnellwege für den Pendelverkehr / 300 Kilometer überregionale Radwege pro Jahr

Seit 2013 gibt es den Plan für den Radschnellweg Frechen – Köln. Aktuell, also nach 6 Jahren Planungszeit, auch mit einer konkreteren Planungsumsetzung, welche jedoch für mehrheitliches Kopfschütteln gesorgt hat.
Auch weitere Radschnellwege sind in Köln geplant (am konkretesten derzeit noch in und um Dellbrück). Mitte 2018 wurde seitens der Stadt Köln die “Konzeptstudie Radschnellwege” extern vergeben. Inhalte/Ergebnisse bis dato leider unbekannt.
Ferner erfahren wir vor allem auch in den letzten Monaten, dass “auf der Straße” in Köln sich dann doch etwas tut (auch wenn nicht alles immer 100% sinnvoll oder zusammenhängend ist). Das hängt u.a. damit zusammen, dass dass Team der Radplaner in den letzten Jahren gut gestärkt wurde (und weiter gestärkt werden muss). Die “Taktik” des Kölner Fahrradbeauftragten, viele Flicken umzusetzen und diese dann sukzessive in den kommenden Jahren zu verbinden, kann man als schlau empfinden oder auch nicht….das wird sicherlich die Zukunft zeigen

GUT Köln hakt beim Thema Radschnellwege schon seit mehreren Jahren nach und hat hierzu auch eine eigene konkrete Position beschlossen:

“Die Wählergruppe GUT fordert die zeitnahe Planung von mindestens 14 weiteren Radschnellwegen Köln <-> Umland zzgl. potentiellen Verlängerungsästen.”

Fazit: Die Ideen sind schon länger da und bekannt, nun müssen und werden konkrete Umsetzungen in den folgenden Jahren folgen müssen.

Massnahme 5: Fahrradstraßen und Radinfrastruktur in den Kommunen

Geöffnete Einbahnstraßen -> haben wir durchaus; auch wenn nicht wenige davon seitens der Radfahrenden als eher gefährlich betrachtet werden.
Fahrradstraßen -> kommen so langsam immer mehr und mehr
Generell ist natürlich auch die Stadt Köln auf Fördermittel des Bundes und des Landes angewiesen. Je mehr Geld bereit steht, desto mehr kann auch i.d.R. auf der Straße umgesetzt werden. Im nationalen Ranking der Ausgaben für den Radverkehr je Einwohner*in liegt Köln jedenfalls noch nicht unter den TOP 3 – ein nahes Ziel muss es sein, dass der Stadt (aus den diversen Finanztöpfen) mindestens 25 -30 Euro je Einwohner*in pro Jahr als Budget für die Infrastruktur zur Verfügung steht.

In Sachen der Verkehssicherheit(sarbeit) ist in Köln noch sehr viel Spielraum nach oben. Hierbei ist in der Theorie das in Köln ansässige “Zukunftsnetz Mobilität NRW“ein toller Partner, dessen Ideen und Impulse in Köln jedoch noch zu selten aufgegriffen werden.

Fazit: Köln bewegt sich “langsam” in die richtige Richtung und wird, trotz oft berechtigter Kritik, manchmal auch zu schlecht bewertet hinsichtlich der aktuellen Dynamik im Ausbau der Infrastruktur.

Massnahme 6: Mehr Fahrrad-Expertise in Ministerien und Behörden

Auch hier reden wir erst einmal über Personal in Zeiten des “Fachkräftemangels” sowie das notwendige Kleingeld zur Umsetzung von Massnahmen. Wie oben schon beschrieben, tut sich da in Köln in jüngster Vergangenheit etwas. Weitere Unterstützung bzw. langfristige Sicherung der Planerkapazitäten ist aber sicherlich eine wesentliche Zukunftsaufgabe.

Fazit: Die Verbesserungen der letzten Jahre merkt man langsam in der konkreten Umsetzung – dieser positive Trend darf gerne fortgeführt und ausgebaut werden.

Massnahme 7: Kostenlose Mitnahme im Nahverkehr

Ein komplexer Punkt – in der mittelfristigen Planung bei den lokalen Verkehrsunternehmen ist dies nicht berücksichtigt und wie die notwendigen Kapazitätserweiterungen dafür aussehen müssten, wagt derzeit kaum einer zu denken. Ich persönlich befürworte auch mehr den zügigen Ausbau der Radverkehrsinfrastrukur, so dass Radfahrende am liebsten dort unterwegs sind/sein möchten, und der ÖPNV-Stadtverkehr eher ein Rad-unabhängiges Verkehrsmittel bleibt.
In Sachen Bike+Ride; Mobilstationen,. Fahrradparkhäuser etc. ist in Köln für die durchaus nahe Zukunft schon einiges geplant.

Fazit: Mehr Räder im Nahverkehr ist mittel- bis langfristig eher unwahrscheinlich, während sich begleitend dazu schon in Bälde einiges tun wird.

Massnahme 8: Fahrradparken und E-Bike Stationen

Köln wird seit ein paar Jahren #gehaarnadelt, aber noch immer ist fast jede Umwidmung vom Auto- in den Radstellplatz ein “Kampf”. Auch spezielle Stellplätze, z.B. für Lastenräder, ist noch nicht in Sicht.
Das Thema Fahrradboxen wird derzeit aktiv thematisiert.
Unsere GUT-Forderung lautet schon seit langem:

Die Wählergruppe GUT fordert eine kölnweite Reduzierung von Kfz-Stellplätzen im öffentlichen Raum von 5% pro Jahr in den kommenden 10 Jahren und deren Umgestaltung in 33% Freiraum und 33% Abstellflächen für Fahrräder und 33% Grünflächen.

Fazit: Gerne mehr Mut haben und konstant die Umwidmung vorantreiben.

Massnahme 9: Förderung von Lastenrädern

Hier gilt Köln seit 2019 als Vorzeigstadt in Deutschland und 2020 geht es weiter. Für uns natürlich ein #Lieblingsprojekt, da dieses durch GUT Köln initiiert wurde.
An dieser Stelle könnte dazu viel geschrieben werden, aber verlinken wir lieber auf das zum Thema bereits geschriebene:

Lastenradförderung der Stadt Köln

Lastenradförderung in Köln im Jahr 2019 ungedeckelt

Auswertung der Lastenradförderung 2019

Was stellt sich GUT Köln für 2020 bei der Lastenradförderung vor?

Fazit: Aktuell Platz Nummer 1 für Köln bei der Lastenradförderung im Vergleich zu den anderen deutschen Städten – also so weitermachen…..

Zusammengefasst

Das NRW ein Fahrradgesetz bekommt -> GUT!
Wie dieses für die einzelnen Kommunen hilfreich sein wird -> müssen wir abwarten.
Der StatusQuo in Köln? Sicherlich in vielen Facetten noch suboptimal, aber vor allem seit 2 Jahren kommt doch wesentlich mehr Bewegung ins Spiel. Natürlich wird es noch mehrere Jahre dauen, bis vielleicht auch Henriette Reker sagen wird: “Hier fahre ich gerne mit meinem Fahrrad!”, aber dennoch sind aktuell schon viele Stellschrauben in die richtige Richtung gedreht, nunmehr müssen die Umsetzungen mit weiterhin hoher Geschwindigkeit erfolgen.

Meine aktuelle Gesamtnote: 4

Meine Prognose für 2020 – 2022: 2- bis 3+

P.S.: Über Anmerkungen und weitere Beispiele, wissend das viele bekannte (positive und negative) Beispiele wie der Niehler Gürtel oder RingFrei fehlen, freut sich der Autor 🙂

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Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Vorstandsmitglied der Wählergruppe GUT Köln.

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