Bedrohtes Autokino

Ein Gast-Kom­men­tar von Dani­el Kothen­schul­te

Porz Markt am Autokino

Vor fünf­zig Jah­ren erleb­te Deutsch­land das größ­te Kino­ster­ben. Den­noch eröff­ne­te am 8. August 1967, mit­ten in der Kri­se, ein neu­es sei­ne Tore, grö­ßer als jedes ande­re, und es exis­tiert bis heu­te. Das Auto­ki­no Köln-Porz wirbt ger­ne mit sei­nen Super­la­ti­ven: 580 Qua­drat­me­ter wären wohl für jedes Kino eine statt­li­che Grö­ße – hier hat allein die Lein­wand die­se Aus­ma­ße. 1200 Autos pas­sen in wür­di­gem Betrach­tungs­ab­stand davor, und auch wenn es an man­chen Tagen nur noch fünf­zig sind, fühlt man sich nicht allein. Heu­te ist das Auto­ki­no Kult: Nicht weni­ge Fans kom­men über hun­dert Kilo­me­ter für das sel­te­ne Kino­er­leb­nis. Das Por­zer Auto­ki­no lebt jedoch nicht vom Film allein, und genau das könn­te ihm nun zum Ver­häng­nis wer­den. Drei­mal in der Woche fin­den hier Trö­del- und Gemü­se­märk­te statt und sind dem Por­zer Bezirks­bür­ger­meis­ter Henk van Ben­them und sei­ner CDU-Rats­frak­ti­on ein Dorn im Auge. Man beklagt die Kon­kur­renz zum Por­zer Ein­zel­han­del. Am heu­ti­gen Don­ners­tag [sie­he Anmer­kung unten] tagt der Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss im Köl­ner Rat­haus, um über einen Antrag auf Ände­rung des Bebau­ungs­plans zu ent­schei­den, der die Märk­te ver­bie­ten soll. Van Ben­them, der sich 2015 mit der Stim­me der rechts­ex­tre­men Pro-Köln ins Amt wäh­len ließ, ver­weist auch auf einen Fall von Heh­le­rei-Ver­dacht bei einer Raz­zia wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr. Ein ein­zi­ger bekann­ter Ver­dachts­fall in Jah­ren spricht aller­dings eher für die Serio­si­tät der Markt­be­trei­ber. Wie aus dem Umfeld der Por­zer CDU-Frak­ti­on bekannt wur­de, gibt es wohl noch einen wei­te­ren Beweg­grund, die Schlie­ßung der Märk­te zu betrei­ben: Man kennt einen Inves­tor, der sich auf dem attrak­ti­ven Gelän­de ansie­deln möch­te. Es riecht nach Klün­gel. Doch nicht nur das mög­li­che Aus des Auto­ki­nos wäre tra­gisch. Die Trö­del­märk­te bie­ten Hartz-4-Emp­fän­gern, von Alters­ar­mut betrof­fe­nen Rent­nern und Geflüch­te­ten eine sel­te­ne Mög­lich­keit, sich preis­wert und selbst­be­stimmt zu ver­sor­gen. Dane­ben gibt es kosche­res Fleisch und eine rei­che Aus­wahl Bal­kan­le­bens­mit­tel. Doch indem sie die sozia­le Not lin­dern, machen die Märk­te auch die Armut sicht­bar. Und genau das kön­nen man­che Poli­ti­ker wohl nicht ertra­gen.


* Anmer­kung: Die ange­spro­che­ne Sit­zung des Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss fand am 1.2.2018 statt. Die­ser Tages­ord­nungs­punkt wur­de jedoch auf den 15. März ver­tagt. Es bleibt also noch etwas Zeit nach ande­ren Lösun­gen zu suchen.


Das Auto­ki­no

Der Köl­ner Stadt-Anzei­ger dazu

Unser Bei­trags­bild stammt von 2007

Autor: Daniel Kothenschulte

Daniel Kothenschulte ist Filmkritiker und Filmwissenschaftler – und gebürtiger Porzer.

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