Auf geht’s, Colonius!

Der Rat der Stadt Köln hat am 09. Juli 2019 beschlos­sen, die Mach­bar­keit einer Wie­der­eröff­nung des Colo­ni­us zu prü­fen. Eine gro­ße Mehr­heit stimm­te für unse­ren gemein­sa­men Antrag mit CDU, Grü­nen und FDP. Jetzt unter­sucht die Ver­wal­tung, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Köl­ner Fern­seh­turm “Colo­ni­us” wie­der für alle zugäng­lich gemacht wer­den kann.

fernsehturm

Der Colo­ni­us ist wie der Dom ein weit­hin sicht­ba­res Wahr­zei­chen der Stadt. Aber im Gegen­satz zur Hohen Dom­kir­che, ist der Fern­seh­turm nicht all­ge­mein zugäng­lich. Seit der Schlie­ßung des Dreh­re­stau­rants und der Aus­sichts­platt­form im Colo­ni­us für die Öffent­lich­keit Ende der 1990er Jah­re, lie­gen die zwei Besu­che­r­e­ta­gen still und ver­las­sen da. Seit­dem erfüllt der Turm aus­schließ­lich sei­nen tech­ni­schen Zweck, etwa als Sen­de­mast. Aber für vie­le Köl­ne­rInn­nen ist der Colo­ni­us ein Sehn­suchts­ort: sie wün­schen sich, dort wie­der Zutritt zu haben. Wir fin­den, dass der jet­zi­ge Zustand inak­zep­ta­bel ist und dem Inter­es­se der Bür­ge­rIn­nen am Colo­ni­us ent­spro­chen wer­den soll­te! Mit der heu­ti­gen Zustim­mung des Rates zu unse­rem Antrag, eine Mach­bar­keits­stu­die zur Wie­der­eröff­nung des Colo­ni­us in Auf­trag zu geben, geht Köln einen ers­ten Schritt in die­se Rich­tung.

Jetzt muss die Stadt aktiv wer­den. Die Ver­wal­tung wird nun gemein­sam mit einem exter­nen Gut­ach­ter und der Deut­schen Funk­turm GmbH (DFMG), der Eigen­tü­me­rin des Köl­ner Fern­seh­tur­mes, eine ers­te Ein­schät­zung erar­bei­ten. Hier­für haben wir 50.000€ Haus­halts­mit­tel ein­ge­stellt. Das Ergeb­nis der Unter­su­chung soll bis zum ers­ten Quar­tal 2020 vor­lie­gen.

Dabei sol­len neben den zu erwar­ten­den Kos­ten für Sanie­rung und Brand­schutz, auch För­der­mög­lich­kei­ten durch Bund, Land oder Euro­päi­sche Uni­on dar­ge­stellt wer­den. Die Stu­die soll eben­so dar­le­gen, ob pri­va­te Inves­to­ren mit Wirt­schafts­för­der­mit­teln unter­stützt wer­den könn­ten oder ob die Stadt selbst als Päch­te­rin auf­tre­ten könn­te.

Das Poten­ti­al des Colo­ni­us ist unse­rer Ansicht nach viel­fäl­tig: Er könn­te als Bil­dungs­ein­rich­tung die­nen, ein Tou­ris­mus­ma­gnet wer­den und iden­ti­fi­ka­ti­ons­stif­tend für Köl­ne­rIn­nen wir­ken. Auch dar­über soll die Unter­su­chung Aus­kunft geben.

Denn so, wie die Aus­sichts­platt­form und das Dreh­re­stau­rant des Colo­ni­us seit nun­mehr 20 Jah­ren im Dorn­rös­chen­schlaf lie­gen, kann und muss es nicht blei­ben.

Dresden und Hamburg sanieren ihre Fernsehtürme

In vie­len ande­ren Städ­ten Deutsch­lands erfah­ren die Fern­seh­tür­me der­zeit eine Renais­sance: Ham­burg und Dres­den pla­nen ihre Tür­me zu sanie­ren. Bis 2023 ist das erklär­te Ziel, den Ham­bur­ger “Telemi­chel” wie­der zugäng­lich zu machen. Hier reagier­te die Poli­tik bereits auf das wach­sen­de Bevöl­ke­rungs­in­ter­es­se am Turm.

Wir haben uns gefragt: War­um soll es in Köln kei­ne Lösungs­mög­lich­kei­ten geben? Zum Jah­res­be­ginn 2019 hat die Rats­grup­pe GUT Köln daher einen Orts­ter­min mit der DFMG wahr­ge­nom­men.

Sehnsuchtsort Colonius

Der Turm­zu­gang ist der­zeit aus­schließ­lich über den Tech­nik­fahr­stuhl oder alter­na­tiv über die 925 Trep­pen­stu­fen mög­lich. Auf etwa 170 Metern Höhe liegt das ehe­ma­li­ge Restau­rant mit Dreh­tel­ler. In einer Stun­de kann die Dreh­flä­che um 360 Grad rotie­ren. Der Boden ist mit Tep­pich aus­ge­legt, sonst ist die rie­si­ge Restau­rant­flä­che leer. Ein groß­ar­ti­ges Pan­ora­ma erschließt sich zu allen Sei­ten, denn die Außen­flä­che ist ver­glast. Die­ser Blick auf Köln hat noch einen ande­ren “Wow-Effekt” als die Aus­sicht von Dom oder Köln­Tri­an­gel. Die Moschee neben­an wirkt win­zig; der Dom hat die Grö­ße eines Spiel­häus­chens.  Auch, dass Köln in einer Bucht liegt, wird jedem hier oben sofort klar. Und wenn man das möch­te, kann man bei gutem Wet­ter bis nach Düs­sel­dorf zum Bru­der-Fern­seh­turm sehen.

Die Aus­sicht vom Colo­ni­us ist ein­fach spek­ta­ku­lär. Unse­rer Mei­nung nach wäre der Colo­ni­us für Köl­ne­rIn­nen wie für Tou­ris­tIn­nen glei­cher­ma­ßen ein attrak­ti­ves Aus­flugs­ziel.

Ren­ta­bel wird ein Aus­sichts­turm, wenn die Besu­cher­zah­len stim­men. Der Ber­li­ner Fern­seh­turm bei­spiels­wei­se trägt sich durch sei­ne jähr­lich 1 Mil­lio­nen Besu­che­rIn­nen.

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Bislang gab es keine Gutachten oder Investoren

Doch um die­ses Ziel zu errei­chen, müss­te in Köln zunächst ein Inves­tor gefun­den wer­den, der die Kos­ten für die Sanie­rung und den Brand­schutz über­nimmt sowie das Restau­rant und die Platt­form­ebe­ne betreibt. “In Dres­den fal­len vor­aus­sicht­lich etwa 25 Mil­lio­nen Euro für den Grund­aus­bau und die Erneue­rung des Brand­schut­zes an. Für den Colo­ni­us liegt eine Kos­ten­schät­zung noch nicht vor, da es bis­lang noch kein Gut­ach­ten gibt.” Sagt Peer Koll­ecker, Lei­ter Groß­stand­or­te der DFMG. Die Besu­cher­auf­zü­ge müss­ten kom­plett erneu­ert wer­den. Sie waren zu lan­ge abge­mel­det und kön­nen nicht wie­der in Betrieb genom­men wer­den. Oben­drein muss eine sepa­ra­te Flucht­mög­lich­keit im Brand­fall gewähr­leis­tet sein. Wie das auf dem Colo­ni­us aus­se­hen könn­te, muss erst noch unter­sucht wer­den.

Die Ver­mu­tung liegt laut DFMG nahe, dass die Kos­ten in Köln nicht unter 20 Mil­lio­nen Euro blei­ben wür­den. Eine Stu­die zur Wie­der­eröff­nung des Colo­ni­us wür­de das Unter­neh­men mit ihrer Exper­ti­se unter­stüt­zen. Der Sach­ver­halt ist kom­plex.

Bis­lang blie­ben Gesprä­che mit poten­ti­el­len Inves­to­ren ohne kon­kre­te Ergeb­nis­se und aktu­ell ist kein Inter­es­sent in Sicht. Mit einer Mach­bar­keits­stu­die und dann vor­lie­gen­den vali­den Zah­len, wäre es sicher­lich ein­fa­cher, einen Geld­ge­ber und Betrei­ber für den Colo­ni­us zu fin­den.

Was muss das Studie untersuchen?

1. Die tech­ni­sche Mach­bar­keit:
Was muss gemacht wer­den? Und was kos­tet es?

2. Die wirt­schaft­li­che Mach­bar­keit: Wie trägt sich das Kon­zept?

Als Päch­ter selbst kommt die DFMG als Infra­struk­tur-Spe­zia­list nicht infra­ge. Für die DFMG ist der Colo­ni­us eine tech­ni­sche Betriebs­stät­te. Sie betreibt ihn als einen der wich­tigs­ten Funk­stand­or­te für Köln und die Regi­on. “Aber wir kön­nen Inter­es­sen­ten mit einer guten Idee bei­spiels­wei­se beim Finanz­plan und den Pla­nun­gen unter­stüt­zen.” Sagt Koll­ecker. Bei den Wie­der­eröff­nungs­vor­ha­ben der Funk­tür­me in Dres­den und Ham­burg steht die DFMG bera­tend zur Sei­te. Sie sei Bau­herr und trü­ge dadurch einen Teil des Risi­kos. Seit ein paar Jah­ren erlebt die DFMG ein gestei­ger­tes öffent­li­ches Inter­es­se, die gro­ßen Funk­tür­me wie­der all­ge­mein zugäng­lich zu machen. “Wir erle­ben in ver­schie­de­nen deut­schen Städ­ten eine neue Dyna­mik zur Wie­der­eröff­nung der Funk­tür­me.” Meint Koll­ecker.

Der Zeit­punkt für unse­re Colo­ni­us-Initia­ti­ve scheint also güns­tig!


Zur Mach­bar­keits­stu­die Wie­der­eröff­nung Dres­de­ner Fern­seh­turm geht’s hier

 

 

 

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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