Klimaschutz-Runde “COP23 — Klima Köln Retten”

Am 13. Novem­ber hat unse­re Rats­grup­pe zur GUTen Run­de mit acht Expert*innen ins Film­fo­rum des Muse­um Lud­wig ein­ge­la­den.

Köln Klima Retten Podiumsrunde

Ein Abend der Rats­grup­pe GUT. Mit fol­gen­den Gäs­ten:

Köln erreicht sei­ne selbst­ge­steck­ten Kli­ma­zie­le nicht.

„Kli­ma­schutz ist wich­tig für die Zukunfts­si­che­rung der Stadt und damit Teil der Daseins­vor­sor­ge“, so die Ver­wal­tung in der Beant­wor­tung unse­rer Anfra­ge vom 28. Sep­tem­ber die­sen Jah­res (fin­det ihr hier.). Klingt, als sei Kli­ma­schutz eine kom­mu­na­le Pflicht­auf­ga­be? Das ist es lei­der nicht und spie­gelt sich nicht nur in dem ernüch­tern­den Hin­weis, dass für den Kli­ma­schutz in Köln kei­ne aus­rei­chen­den Per­so­nal­res­sour­cen zur Ver­fü­gung stün­den.

1993 ver­pflich­te­te sich die Stadt durch ihre Mit­glied­schaft im Kli­ma-Bünd­nis der euro­päi­schen Städ­te e.V., ihre gesamt­städ­ti­schen CO2-Emis­sio­nen bis 2030 um 50% zu ver­rin­gern. Auch dem euro­päi­schen Bür­ger­meis­ter­kon­vent (Covenant Of Majors) trat man 2008 mit der Ziel­set­zung bei, sowohl die all­ge­mei­ne Ener­gie­ef­fi­zi­enz als auch den Anteil Erneu­er­ba­rer Ener­gi­en bis zum Jahr 2020 um 20% zu stei­gern. Die im Rah­men des Kon­vents vor­ge­se­he­ne Berichts­pflicht beschloss der Rat zusätz­lich im Jahr 2010. Die Ver­wal­tung stellt dazu immer­hin ehr­lich fest: „Im Wei­te­ren hat es kei­ne Bericht­erstat­tung gege­ben. Eine Infor­ma­ti­on ist für nächs­tes Jahr beab­sich­tigt“.

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Bild: Aus­schnitt aus der Live-Visua­li­sie­rung © christoph@illigens.biz 2017

Auch für 2018 beab­sich­tigt: ein Maß­nah­men­mo­ni­to­ring in Echt­zeit, das für jeden über die Home­page der Stadt Köln ein­seh­bar ist. Nach wech­seln­den Bilan­zie­rungs­me­tho­den in der Ver­gan­gen­heit soll es Licht in das Dun­kel des Daten­ba­sis-Dschun­gels brin­gen und die Effi­zi­enz ein­zel­ner Maß­nah­men und Varia­blen für alle Bür­ger trans­pa­rent machen — Zau­ber­wort „Smart City“. Immer­hin, das Ver­ständ­nis für die Kom­ple­xi­tät des The­mas scheint in den letz­ten 27 Jah­ren seit Bei­tritt zum euro­päi­schen Kli­ma­bünd­nis gestie­gen. Nen­nens­wer­te Ergeb­nis­se als Kon­se­quenz des­sen? Über­schau­bar. Viel­leicht auch weil Berech­nungs­me­tho­den eine Fra­ge der Aus­le­gung sind? Auf die städ­ti­sche Gesamt­flä­che gerech­net stei­gen die CO2-Emis­sio­nen in Köln an. Pro Kopf und Ein­woh­ner gerech­net im Ver­hält­nis zur wach­sen­den Stadt sin­ken die Emis­sio­nen.

Kli­ma, ich kann dich nicht spü­ren.

Für Otto-Nor­mal-Bür­ger ohne tech­ni­sches Ver­ständ­nis der Berech­nungs­me­tho­den und einem Mas­ter in Umwelt­in­ge­nieurs­wis­sen­schaf­ten ist das schwer greif­bar. Auf die Fra­ge, ob Ver­ständ­nis der Mate­rie allei­ne hilft bei der För­de­rung umwelt­ver­träg­li­chen Ver­hal­tens, bekennt unser Panel­teil­neh­mer, Dr. Harald Rau, sei­nes Zei­chens Köl­ner Umwelt­de­zer­nent: „Ich bin des­il­lu­sio­niert, was die Wirk­sam­keit von Erkennt­nis angeht. Wir sind ganz wesent­lich gesteu­ert durch unse­re Wirk­sam­keits­er­fah­rung.“. Oder anders gesagt: man kann es halt nicht rie­chen, schme­cken, hören oder füh­len, die­ses ver­flix­te CO2.

Geor­ge Mar­shall, unser Gast aus Eng­land, ver­weist auf ein Inter­view, das er mit dem Nobel­preis­trä­ger Prof Kah­ne­mann führ­te. Die­ser sähe drei Haupt­pro­ble­me beim Umgang mit dem Umwelt- und Kli­ma­schutz: die Kon­se­quen­zen, die in der Zukunft lie­gen, die unsi­che­re Fak­ten­la­ge (sie­he Moni­to­ring­schwie­rig­kei­ten der Stadt Köln) und die Kos­ten, die mit umwelt- und res­sour­cen­scho­nen­dem Ver­hal­ten ver­bun­den sind. Mar­shall ent­geg­net: „Der Kli­ma­wan­del fin­det heu­te statt. Dass er statt­fin­det ist sehr sicher. Gera­de das zu igno­rie­ren, wird uns volks­wirt­schaft­lich enor­me Kos­ten bescheh­ren.“

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Bild: Aus­schnitt aus der Live-Visua­li­sie­rung © christoph@illigens.biz 2107

Die ver­hal­tens­psy­cho­lo­gi­sche Hür­de des Ein­zel­nen scheint sich auch in gro­ßen städ­te­bau­li­chen Pro­jek­ten zu spie­geln. Im kon­kre­ten Fall unter­liegt der Kli­ma­schutz einer har­ten Abwä­gung zwi­schen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen, sozia­len Not­la­gen, einer antrai­nier­ten Gewohn­heit und viel­leicht auch einem über­den­kens­wer­ten Ver­ständ­nis von archi­tek­to­ni­scher Ästhe­tik. Bäu­me auf öffent­li­chen Plät­zen zer­stö­ren die kla­ren Lini­en, machen Arbeit und kos­ten Geld in der Pfle­ge. Bei groß­flä­chi­gen Ver­sie­ge­lun­gen (Bres­lau­er Platz, Otto-Platz) bevor­zugt man Aus­gleichs­pflan­zun­gen an den Gren­zen der Stadt. Das steht sym­pto­ma­tisch für die Bedeu­tung, die wir dem Kli­ma­schutz als Stadt­ge­sell­schaft bei­mes­sen. Wir ver­zich­ten bewusst auf CO2-Spei­cher­mög­lich­kei­ten inner­halb des Stadt­ge­bie­tes, auf Schat­ten­spen­der, Luft­rei­ni­ger und Luft­küh­ler. Das ist beson­ders frag­wür­dig vor dem Hin­ter­grund, dass Köln den Kli­ma­wan­del mit sei­nen schwer abzu­schät­zen­den Kon­se­quen­zen, allei­ne nicht auf­hal­ten wird, sehr wohl aber auf loka­ler Ebe­ne Anpas­sungs­stra­te­gi­en ent­wi­ckeln kann — und muss.

Und nun?

Hilft der erho­be­ne Zei­ge­fin­ger? „Wir ändern unser Ver­hal­ten in gro­ßer Zahl nur dann, wenn wir die Anreiz­be­din­gun­gen ändern. Und das ist poli­ti­sches Geschäft. Kon­kret: wir müs­sen das Gewünsch­te sub­ven­tio­nie­ren und das Uner­wünsch­te bestra­fen und unat­trak­tiv machen — es aller­dings nicht ver­bie­ten.“, so Rau.

Sein Kol­le­ge aus Neuss, Umwelt­de­zer­nent Mat­thi­as Wel­pmann, wird noch ein biss­chen kon­kre­ter mit Blick auf die kom­mu­na­le Ver­pflich­tung: „Der Wil­le von Poli­tik und Ver­wal­tung muss sich auch in der Bereit­schaft nie­der­schla­gen, ent­spre­chen­de per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten bereit­zu­stel­len. Da sind wir in Neuss im Ver­hält­nis zur Ein­woh­ner­zahl deut­lich brei­ter auf­ge­stellt als Köln. Hier muss man anset­zen.“

Refe­ren­tin Prof. Ter­lau berich­tet zudem von Jugend­bil­dungs­maß­nah­men der Stadt Bonn. Hier gehen soge­nann­te Kli­ma­bot­schaf­ter in die Schu­len . Sie bie­ten Schü­le­rin­nen und Schü­lern einen Kli­ma­schutz­füh­rer­schein an, der mit Inter­es­se und Stolz ange­nom­men wird. Eine Mög­lich­keit, kli­ma­schüt­zen­des Ver­hal­ten bereits früh und gezielt in die Erzie­hung mit­ein­flie­ßen zu las­sen — es in sei­ner Selbst­ver­ständ­lich­keit zu stär­ken.

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Bild: Aus­schnitt aus der Live-Visua­li­sie­rung © christoph@illigens.biz 2107

Von Stolz spricht auch Mar­shall mit Blick auf eine regio­nal for­cier­te Ener­gie­wen­de. „Köln und sei­ne Umge­bung müs­sen ler­nen aus einer Posi­ti­on des Stol­zes und des Respekts vor den ver­gan­ge­nen Leis­tun­gen der Ener­gie­wirt­schaft zu sagen: wir müs­sen trotz­dem etwas ändern.“ Dem pflich­tet auch Graf von Hoens­bro­ech bei, der aber auch kon­sta­tiert, dass sich die Dis­kus­si­on um den Kli­ma­wan­del viel zu häu­fig auf die Pro­duk­ti­on von Ener­gie fokus­sie­re. „Wenn wir welt­weit den Humus­an­teil an unse­rer Erde um 7 pro Mil­le stei­gern, hät­ten wir kei­nen Kli­ma­wan­del. Er gehört zu den wich­tigs­ten Spei­cher­mög­lich­kei­ten von CO2. Wir müs­sen uns des­halb mehr mit dem The­ma Land­wirt­schaft aus­ein­an­der­set­zen. Das ist einer der Grün­de, war­um der Köl­ner Ernäh­rungs­rat gegrün­det wur­de.“

Mehr Zei­chen, mehr Wahr­nehm­bar­keit — weni­ger Wör­ter

Die vie­len gesteck­ten Zie­le der Stadt­ver­wal­tung, die zahl­rei­chen poli­ti­schen Reso­lu­tio­nen, die Wil­lens­er­klä­run­gen und Beschwich­ti­gun­gen — man stel­le sich einen Frach­ter auf Kol­li­si­ons­kurs vor mit einem Kapi­tän, der in der Kom­bü­se See­mans­garn spinnt, anstatt von der Brü­cke aus zu navi­gie­ren. Auch Kli­ma­part­ner­schaf­ten mit indi­ge­nen Völ­ker sind eine net­te Sache. Man fragt sich aber im Stil­len, ob der tat­säch­li­che Nut­zen die CO2 Ton­nen in der Luft zwi­schen Köln und Peru auf­wiegt. Auch hier bleibt die Hür­de der Wahr­nehm­bar­keit eine sehr hohe.

Abseits jeden tech­ni­schen Ver­ständ­nis­ses erspürt ein Groß­teil der Bür­ger­schaft am Ende doch sehr gut, unter wel­chen Prio­ri­tä­ten Ent­wick­lung und Ver­än­de­rung vor­an­ge­trie­ben wer­den. Es braucht sehr kon­kre­te und erfahr­ba­re Zei­chen in der Stadt selbst, in den Stra­ßen, auf den Plät­zen, im all­ge­mei­nen Dis­kurs. Wer der Stadt nicht Glau­ben schenkt, dass es um mehr als Reso­lu­tio­nen geht, wird sich selbst in sei­nem indi­vi­du­el­len Ver­hal­ten wenig moti­viert füh­len, es bes­ser zu machen. Wert­schät­zung und Wahr­nehm­bar­keit des Lebens­um­fel­des über erfahr- und ertast­ba­re Hap­tik. Oder ein­fach mal ein Baum anstatt einer Wer­be­säu­le.

Der Abend wur­de in einer Live-Visua­lie­rung durch den Zeich­ner Chris­toph Illi­gens als Bild fest­ge­hal­ten.

COP 23 Dokumentation
Der The­men­abend visu­ell doku­men­tiert von Chris­toph Illi­gens – © 2017

 

 

Wir bedan­ken uns ganz herz­lich bei allen Podi­ums­gäs­ten, Besu­chern und Pro­jekt­be­tei­lig­ten für den gelun­ge­nen Abend.

Autor: Thomas Schmeckpeper

Thomas Schmeckpeper arbeitet als Referent für unsere Ratsgruppe, zudem freiberuflich im Bildungssektor.

3 Gedanken zu „Klimaschutz-Runde “COP23 — Klima Köln Retten”“

  1. hal­lo, gute jungs, ich wünsch euch ein treff­lich gutes 2018. aber: macht euch nicht gemein mit euren mut­lo­sen poli­ti­kern zwi­schen wachs­tums­wahn der loka­len wirt­schaft und ansprüch­lich­keit des loka­len vol­kes. und den sozio­lo­gen, die die “men­schen” bis zum nim­mer­leins­tag “mit­neh­men” wol­len. ich per­sön­lich fin­de den erho­be­nen zei­ge­fin­ger sehr wich­tig, wenn er kon­se­quen­zen hat. ihr könn­tet euch also zur rush­hour mit herrn rau an eine unse­rer aus­fall­stras­sen stel­len und zei­gen, dass man co2 sehr­wohl füh­len kann. auf ver­kehrs­in­seln ste­hend oder in der mit­te vom kreis­ver­kehr beson­ders. sodann soll­tet ihr mit geor­ge mar­shall allen 315.000 täg­li­chen pend­lern für das ver­dienst­vol­le gepen­del der letz­ten jahr­zehn­te dan­ken und den auto­pend­lern (ca. 70%) klar­ma­chen, dass nun lei­der schluss sein muss damit, dass gefühl­te 75% allein in ihren fah­ren­den wohn­zim­mern die lan­de ver­stop­fen. leicht lässt sich aus­rech­nen und füh­len, wie­viel platz plötz­lich wäre. auch für jede art von die­sel­s­tin­kern noch. sharing apps wirds ohne ende geben. ide­en zum ködern oder drän­gen auch. schliess­lich haben wir die situa­ti­on schon seit jahr­zehn­ten. ihr könn­tet die poli­ti­ker sein, die mit die­sem alten hut brand­ak­tu­ell sind, sich an die spit­ze der bewe­gung set­zen. gute lösun­gen sind immer radi­kal. irgend­wie. ein­fach. und die “men­schen” sind belast­bar. her­bert weh­ner wäre nicht auf die idee gekom­men, dass man ihnen jede zumu­tung mit schnitt­chen bekömm­lich machen muss.
    wohl­an! her­bert

    1. Lie­ber Her­bert,
      Dan­ke für Dei­nen Kom­men­tar. Ger­ne wür­den wir Köln schon mor­gen eine auto­freie Stadt zumu­ten. Doch wenn Du Dich mal in den Gän­gen des Rat­hau­ses bewegst, spürst Du auch kör­per­lich wie stark die Auto­lob­by ist. Und es ist (wie­der ein­mal) bit­ter und trau­rig wenn Du die Tage lesen musst, wie sie Fahr­ver­bo­te doch noch ver­mei­den wol­len (“intel­li­gen­te” Ver­kehrs­füh­rung etc.). – Anstatt das Auto ein­fach ste­hen zu las­sen.
      Keep on figh­tin’ …
      Schö­ne Grü­ße, Thor
      P.S.: Es sind auch gute Mäd­chen unter uns 😉

      1. lie­ber thor, aber wo wird über­haupt die for­de­rung nach regu­lie­rung, ver­bot der irr­sin­ni­gen sin­gle­fahr­ten tag für tag ver­nehm­bar gestellt? als trä­ger des weni­ger. schil­des rede ich ja mit so man­chem und es wun­dern sich vie­le, dass das jahr um jahr so wei­ter­lau­fen kann. laut wer­den! es wäre eine mass­nah­me mit einem unglaub­lich guten hebel! na, gruss denn auch an die mädels.…herbert

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