Rede zum Corona-Virus

In sei­ner Rede im Rat der Stadt Köln appel­liert Rats­mit­glied Thor Zim­mer­mann an die Soli­da­ri­tät in Zei­ten der Coro­na-Kri­se. Es gibt bei dem Zuwachs der Infek­ti­ons­zah­len auch zar­te Anzei­chen dafür, dass wir in Köln auf einem guten Weg sind.

Sehr geehr­te Frau Ober­bür­ger­meis­te­rin,
sehr geehr­te Damen und Her­ren im Saal – und beim Zuse­hen des Live-Streams,

der Rat der Stadt Köln trifft sich heu­te nicht „trotz der Coro­na-Kri­se“, son­dern wäh­rend der Kri­se. Er nimmt sei­ne Rech­te und Pflich­ten wahr. So ist unser Zusam­men­kom­men ein wich­ti­ges Zei­chen für Sta­bi­li­tät, und damit ein posi­ti­ves Signal an Kölns Bevöl­ke­rung.

Mei­ne Vorredner*innen haben ihren Dank an ver­schie­de­ne Adres­sa­ten schon aus­ge­spro­chen, dem möch­te ich mich ger­ne anschlie­ßen. Mei­nen Dank möch­te ich aber auch an alle „da drau­ßen“ erwei­tern, jede und jeder Ein­zel­ne ist wich­tig. Ob sie sich bis über die Belas­tungs­gren­zen hin­aus für unser Wohl ein­set­zen, oder ob sie nur still, aber soli­da­risch die zahl­rei­chen Ein­schrän­kun­gen unse­res Zusam­men­le­bens ertra­gen: Sie alle hel­fen uns dabei die Kri­se zu bewäl­ti­gen, dafür herz­li­chen Dank!

Soli­da­ri­tät ist wahr und groß wenn sie uni­ver­sell ist! Was bedeu­tet dies? Soli­da­ri­tät, oder Nächs­ten­lie­be darf nie­man­den aus­gren­zen – und sie muss geübt wer­den. Die Hilfs­be­reit­schaft der Kölner*innen ist unge­bro­chen, wir haben dies in den letz­ten Jahr­zehn­ten immer wie­der erfah­ren kön­nen. Neu ist in die­ser Kri­se, dass uns Hil­fe­ru­fe aus der Mit­te der Gesell­schaft errei­chen, mit denen wir nicht gerech­net haben. Dies zeigt, dass berech­tig­te Exis­tenz­sor­gen nun selbst auch die Men­schen errei­chen, die zum Glück mit dem eigent­li­chen Coro­na-Virus gar nicht infi­ziert sind. Doch wie orga­ni­sie­ren wir all die not­wen­di­ge Hil­fe? Wie­viel Brän­de kön­nen wir gleich­zei­tig löschen?

Mein Appell an den Kri­sen­stab, die Ver­wal­tung und Kölns Bevöl­ke­rung ist fol­gen­der:

Las­sen Sie uns die Wir­k­rich­tung unse­rer Hil­fe „bot­tom up“, von unten nach oben orga­ni­sie­ren. Dies bedeu­tet zunächst wei­ter­hin all unse­re Anstren­gun­gen auf die Erkrank­ten und das Ein­däm­men der Epi­de­mie zu kon­zen­trie­ren. In den nächs­ten Schrit­ten küm­mern wir uns um die Schwächs­ten in unse­rer Gesell­schaft, hier­zu zäh­le ich (unter Ande­ren) Obdach­lo­se und Bedürf­ti­ge. Ich höre aus der Ver­wal­tung – und freue mich auch sehr dar­über – dass die Hil­fen auch für die­se Grup­pen bereits inten­si­viert wer­den.
Aber natür­lich betrifft die Kri­se vie­le wei­te­re Krei­se in unse­rer Kom­mu­ne. Etwa: Allein­er­zie­hen­de mit ihren Kin­dern zu Hau­se, die selbst nicht mehr arbei­ten gehen kön­nen. Sei es weil sie kei­ne Betreu­ung für ihre Kin­der fin­den, oder der Betrieb kei­ne Gehäl­ter mehr zah­len kann.
Aber auch die Sor­gen aller Ande­ren wer­den gehört und ernst genom­men. Ers­te Hil­fen rich­tet unse­re Stadt Köln selbst ein, aber es sind auch finan­zi­el­le Mit­tel aus Düs­sel­dorf und Ber­lin in die Kom­mu­ne unter­wegs. Man­ches braucht Zeit, und bei man­chen muss man lei­der auch an die Geduld appel­lie­ren. Es ist für uns alle eine Rie­sen-Her­aus­for­de­rung, ich bin mir sicher, dass Ver­wal­tung und Poli­tik ihr Bes­tes geben wer­den!
Aber las­sen Sie uns bit­te bei den Bedürf­tigs­ten in unse­rer Stadt anfan­gen. Denn: die­se Stadt – unser Köln – ist immer nur so stark, wie die Schwächs­ten die in ihr woh­nen!

Zu mei­nen täg­li­chen Übun­gen im Home-Office gehört, neben dem Blick in die Zei­tun­gen und dem Gucken der Tages­schau, auch der Besuch der Web­sei­te der Stadt Köln mit den aktu­el­len Fall­zah­len. Ich weiß, dass die­se Zah­len aus ver­schie­de­nen Grün­den mit Vor­sicht zu genie­ßen sind. Die Kur­ven und die Inter­pre­ta­tio­nen dar­aus sind nicht wirk­lich belast­bar. Den­noch las­sen sich mit aller Vor­sicht, und nur Stand heu­te, ers­te leich­te posi­ti­ve Signa­le erken­nen. Es könn­te sein, dass es uns in Köln gelingt die Kur­ve tat­säch­lich abzu­fla­chen. Wenn man sich die Zah­len genau­er anguckt, und die ent­spre­chen­de Zeit­räu­me wie Inku­ba­ti­ons­zeit zurück­rech­net, kann man zu dem Ergeb­nis kom­men, dass mit dem Wochen­en­de Mit­te März in Köln ein Umden­ken, eine grö­ße­re Vor­sicht begon­nen hat. Es war das Wochen­en­de, als bekannt wur­de, dass Kitas und Schu­len schlie­ßen wer­den. An die­sem Wochen­en­de begann der über­wie­gen­de Teil der Kölner*innen ihr Ver­hal­ten in der Öffent­lich­keit frei­wil­lig umzu­stel­len. Dies ver­dient Aner­ken­nung und Respekt!

Die­ses zar­te Pflänz­lein Hoff­nung, dass even­tu­ell Ent­span­nung in Sicht ist, darf uns nicht dazu ver­lei­ten mit unse­ren Anstren­gun­gen nach­zu­las­sen. Wir ste­hen zu 100% hin­ter den ange­ord­ne­ten Maß­nah­men. Denn sie schei­nen zu zei­gen, dass sie wirk­sam sind! Daher las­sen Sie uns die­sen Weg zunächst wei­ter gehen, auch wenn die­ser mit vie­len Ein­schrän­kun­gen ver­bun­den ist.

Zum Schluss möch­te ich mich an unse­re Ober­bür­ger­meis­te­rin und unse­ren Kri­sen­stab wen­den. In Anleh­nung an ein berühm­tes Zitat: Sie schaf­fen das nicht nur, son­dern Sie machen das auch! Dafür herz­li­chen Dank!

Nach­dem die­se wich­ti­ge Aktu­el­le Stun­de, nach den fol­gen­den Rede­bei­trä­gen abge­schlos­sen ist, wün­sche ich uns einen mög­lichst kur­zen Sit­zungs­ver­lauf – auf ans Werk!

Vie­len Dank für Ihre Auf­merk­sam­keit!

Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten. Am 13. September 2020 kandidiert Thor zur Oberbürgermeister*in-Wahl in Köln.

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