Es ist zu trocken! Was nun?

Seit 10 Wochen hat es in Köln fast nicht mehr gereg­net. In die­ser Zeit fiel durch­schnitt­lich der Regen, der “nor­ma­ler­wei­se” in einer Woche vom Him­mel hät­te fal­len müs­sen. Und auch für die kom­men­den Tagen sieht es wei­ter tro­cken aus.

Lan­ge Pha­sen mit tro­cke­nem und hei­ßem Wet­ter tre­ten durch den Kli­ma­wan­del gegen­wär­tig und zukünf­tig häu­fi­ger auf. Wir erin­nern uns sicher­lich noch an die bei­den letz­ten Hit­ze- bzw. Tro­cken­som­mer. Für Straßen‑, Wald- und Gar­ten­bäu­me bedeu­tet dies zusätz­li­chen Stress (neben den über­pro­por­tio­na­len Auto­ab­ga­sen). Zwar hal­ten Bäu­me durch ihre tie­fen Wur­zeln tro­cke­ne Pha­sen oft län­ger aus als ande­re Pflan­zen, den­noch ist eine lan­ge Tro­cken­heit für hei­mi­sche Bäu­me pro­ble­ma­tisch. Doch ab wann ist der aus­blei­ben­de Regen für Bäu­me gefähr­lich und Hil­fe durch Gie­ßen not­wen­dig?

WANN BRAUCHEN BÄUME ZUSÄTZLICHES WASSER?

Bei einer lan­gen Tro­cken­pha­se bekommt der Baum in der Stadt, im Wald oder im Gar­ten nicht mehr genug Was­ser. Das ist den Bäu­men anzu­se­hen – an hän­gen­den Blät­tern und schlaf­fen, jun­gen Zwei­gen. Ist der Baum bereits län­ger einer Dür­re aus­ge­setzt, begin­nen sich die Blät­ter zu ver­fär­ben oder zu ver­trock­nen. Spä­tes­tens jetzt ist es Zeit, den Baum regel­mä­ßig zu gie­ßen.

DIE OPTIMALE MENGE

Dau­ert eine Tro­cken­pe­ri­ode län­ger als eine Woche und ist sie von hohen Tem­pe­ra­tu­ren beglei­tet, soll­ten Sie zur Gieß­kan­ne oder zum Was­ser­schlauch grei­fen. Eine, lie­ber zwei vol­le Kan­nen am Tag hel­fen dem Baum wei­ter. Alter­na­tiv wäs­sern Sie Bäu­me im Gar­ten ein­mal pro Woche am spä­ten Abend mit dem Gar­ten­schlauch. Unge­fähr 30 bis 45 Minu­ten soll­ten Sie dabei den Wur­zel­be­reich wäs­sern. Mit die­ser Men­ge – cir­ca 100 bis 150 Liter – kommt der Baum dann eini­ge Tage aus.
Um gro­ße und klei­ne Bäu­me zu bewäs­sern gibt es unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten. Klas­sisch ist das Gie­ßen mit der Gieß­kan­ne oder einem Eimer. Ande­re Bewäs­se­rungs­sys­te­me arbei­ten mit einem Was­ser­re­ser­voi­re. Es gibt Bewäs­se­rungs­sä­cke oder ‑rin­ge, die das Was­ser lang­sam über Löcher in den Boden sickern las­sen. Gieß­rin­ge im Boden ver­tei­len das Gieß­was­ser gleich­mä­ßig über dem Wur­zel­bal­len. Auch der Rasen­spren­ger ist eine Mög­lich­keit, den Boden um Bäu­me her­um zu befeuch­ten.

GIESSEN ERSETZT REGEN

Reg­net es für län­ge­re Zeit, ver­si­ckert das Was­ser im Boden und fließt durch die Boden­po­ren bis ins Grund­was­ser. Wie schnell das pas­siert, hängt vom Boden­typ ab. Jun­ge Bäu­me, die über kei­ne tief­rei­chen­den Wur­zeln ver­fü­gen, sowie Bäu­me, die ein Flach­wur­zel­sys­tem aus­bil­den, sind auf das Regen­was­ser ange­wie­sen. Sie zie­hen das Was­ser aus dem Boden, bevor es unten ankommt.

Reg­net es lan­ge nicht, steigt Was­ser durch Kapil­la­ren aus dem Grund­was­ser oder dem Boden­was­ser auf. Es ist für Bäu­me nur so lan­ge ver­füg­bar, bis der Boden aus­trock­net. Grund für die­sen phy­si­ka­li­schen Vor­gang ist die Boden­ver­duns­tung. Im Gemü­se­beet ver­hin­dern Sie das, indem Sie den Boden auf­lo­ckern. Die Kapil­la­ren wer­den durch­bro­chen und der Boden hält das Was­ser län­ger, da es nicht ver­duns­tet.

Gie­ßen Sie den Baum, pas­siert das glei­che wie bei Regen. Das Was­ser ist für die Wur­zeln ver­füg­bar, bis es ganz ver­si­ckert ist. Daher ist es bes­ser, ein­mal pro Woche viel zu gie­ßen, als täg­lich ein biss­chen. Klei­ne Men­gen ver­duns­ten, ohne dass etwas bei den tie­fe­ren Wur­zeln ange­kom­men ist.

UND DIE STRASSENBÄUME?

Vie­le Kölner*innen haben kei­nen Gar­ten. In den Stra­ßen ste­hen jedoch zahl­rei­che Ein­zel- und Allee­bäu­me oder der nächs­te Park ist gleich um die Ecke. Auch die­se Bäu­me brau­chen Was­ser! Sogar deut­lich mehr als der Baum im hei­mi­schen Gar­ten. Stra­ßen­bäu­me ver­fü­gen meist über wenig Platz unter der Erd­ober­flä­che und das meis­te Regen­was­ser fließt über die ver­sie­gel­ten Flä­chen direkt in die Kana­li­sa­ti­on.

Das Kli­ma in der Stadt ist zudem hei­ßer und die Stadt­bäu­me sind wei­te­ren Fak­to­ren wie Abga­sen und Hun­deu­rin aus­ge­setzt. Gie­ßen Sie also Bäu­me in der Nähe Ihrer Woh­nung, wenn es lan­ge nicht reg­net! Die Bäu­me sind die grü­ne Lun­ge der Stadt und spen­den küh­len­den Schat­ten, wenn das Früh­jahr und der Som­mer hei­ßer wer­den.

UND WAS MACHT DIE STADT?

Vor kur­zem wur­de das Hand­lungs­kon­zept Tro­cken­heit beschlos­sen. Dies ist ein ers­ter zager Vor­schlag der Stadt­ver­wal­tung. Hier­bei geht es um die Mög­lich­keit der Aus­lei­he von Stand­roh­ren bei der Rhein­Ener­gie (inklu­si­ve kos­ten­frei­er Was­ser­nut­zung), dem Ein­satz von Bewäs­se­rungs­fahr­zeu­gen, der Ver­ga­be von Was­ser­sä­cken und ein biss­chen Öffent­lich­keits­ar­beit.

UNSER AUFRUF AN EUCH

Schnappt eure Gieß­kan­nen etc. und ret­tet den Baum vor eurer Haus­tü­re. Moti­viert eure Nach­barn, euch zu hel­fen. Macht mit beim bes­ten #Deal des Jah­res: Sauer­stoff und fri­sche Luft für Euch — Was­ser für euren Baum!

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln.

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