Köln bleibt am Boden

Flü­ge sind Kli­ma­kil­ler – den­noch wird so viel geflo­gen wie nie zuvor! Die Köl­ner Ver­wal­tung sieht beim The­ma Dienst­rei­sen und Kli­ma­schutz jedoch kei­nen Hand­lungs­be­darf, viel­leicht ändert sich das jetzt durch unse­ren Antrag im Rat. #flug­scham

flugscham

Zum Kli­ma­wan­del tra­gen ver­schie­de­ne CO2-Emit­ten­ten bei, ein wich­ti­ger Fak­tor sind Flug­rei­sen. Obwohl die­se Pro­ble­ma­tik längst in den Köp­fen sein soll­te, wird in Deutsch­land lei­der so viel geflo­gen wie nie zuvor.
Das Ziel ist eigent­lich jeden Flug zu ver­mei­den, wenn ein Flug jedoch nicht zu ver­hin­dern ist, soll­te er zumin­dest kom­pen­siert wer­den. Kom­pen­sa­ti­on bedeu­tet für den CO2-Aus­stoß Aus­gleichs­zah­lun­gen vor­zu­neh­men, die wie­der­um für Kli­ma­schutz­maß­nah­men ver­wen­det wer­den – etwa für rege­ne­ra­ti­ve Anla­gen in Ent­wick­lungs­län­dern. Kri­ti­ker spre­chen von Ablass­han­del, doch das Enga­ge­ment von Orga­ni­sa­tio­nen wie atmosfair.de wird auch posi­tiv bewer­tet. Zahl­rei­che Unter­neh­men und Pri­vat­per­so­nen kom­pen­sie­ren inzwi­schen, sicher auch um ihr Gewis­sen zu erleich­tern, dar­un­ter auch das Umwelt­bun­des­amt und die Bun­des­re­gie­rung.


Nach­trag: Unser Antrag wur­de  inzwi­schen ohne Ände­run­gen mit gro­ßer Mehr­heit beschlos­sen!


Auf kom­mu­na­ler Ebe­ne sieht es da schon schlech­ter aus. Nach unse­ren Recher­chen gehört die Stadt Düs­sel­dorf zu den weni­gen die Aus­gleichs­zah­lun­gen vor­neh­men. Bereits 2006 hat der Düs­sel­dor­fer Stadt­rat einen ent­spre­chen­den Beschluss gefasst, seit 2008 zahlt Düs­sel­dorf an atmosfair.de – zuletzt wohl rund 10.000 €/Jahr.
Bes­ser ist jedoch, wie ange­spro­chen, Flü­ge ganz zu ver­mei­den. Die Stre­cke Köln — Ber­lin ist ein “schlech­tes” Bei­spiel für unnö­ti­ge Flü­ge: das Flug­zeug emit­tiert auf die­sem Weg 10-mal soviel CO2 wie der ICE! Schnell wird mit der not­wen­di­gen Zeit­er­spar­nis argu­men­tiert. “Net­to” mag das Flug­zeug schnel­ler sein, zählt man jedoch Ein­che­cken, Gepäckaufgabe/Abholung und An/Abfahrt zum Flug­ha­fen ist der Zug auf den meis­ten inner­deut­schen Stre­cken schnel­ler. Kurio­ser­wei­se ist jedoch der Flug manch­mal güns­ti­ger, so wur­de eine Freun­din des Autors von der Geschäfts­stel­le eines Gesundheits[sic!]kongresses tat­säch­lich gebe­ten zu flie­gen, da dies güns­ti­ger sei.
Die Grün­de hier­für sind nicht nur poli­ti­scher Natur (feh­len­de Kero­sin­steu­er!), oft liegt es auch an einem schlech­ten (öko­lo­gi­schen) Mobi­li­täts­ma­nage­ment. Selbst so ein­fa­che Din­ge wie eine Bahn­card Busi­ness liegt oft nicht vor.

Und in Köln?

Unse­re Nach­for­schun­gen erga­ben, dass die Stadt Köln in ihren Leit­li­ni­en zu Dienst­rei­sen Kli­ma­schutz­aspek­te bis­lang gar nicht auf­ge­nom­men hat. Eine CO2-Kom­pen­sie­rung wird eben­falls nicht vor­ge­nom­men.
Im Janu­ar hat­ten wir eine Anfra­ge zum The­ma im Umwelt­aus­schuss gestellt, die Ant­wort kam prompt, aller­dings nicht vom Umwelt­de­zer­nen­ten Dr. Harald Rau, son­dern von Stadt­di­rek­tor Dr. Kel­ler:
Wir flie­gen wenig, daher brau­chen wir auch kei­ne neue Leit­li­ni­en. Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lun­gen wol­len wir auch kei­ne durch­füh­ren, Punkt.
Die etwas detail­lier­te­ren Aus­füh­run­gen sind ein Blick in die kli­ma­schutz­po­li­ti­sche Stein­zeit. Eigent­lich war unse­re Anfra­ge als Steil­vor­la­ge für die Ver­wal­tung gedacht, end­lich in die­se Rich­tung aktiv zu wer­den. Nun haben wir einen Antrag in den Rat ein­ge­bracht, der bei­des the­ma­ti­siert: Flug­ver­mei­dung und Kom­pen­sie­rung. Wenn unser Antrag mehr appel­la­ti­ven Cha­rak­ter hat, liegt das dar­an, dass zum Bei­spiel die Ent­wick­lung von Leit­li­ni­en Auf­ga­be & Recht der Ver­wal­tung ist, der Rat kann nur bit­ten und nicht bestim­men. Anders sieht es mit unse­rem Punkt 2 zu den CO2-Kom­pen­sa­ti­ons­zah­lun­gen aus. Die For­mu­lie­rung haben wir wort­gleich aus einem Düs­sel­dor­fer Rats­an­trag von 2008(!) genom­men, und was in Düs­sel­dorf geht, soll­te doch auch in Köln mög­lich sein!?

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Akti­vis­ten von #chal­king­for­fu­ture –Köln, Brei­te Stra­ße im Janu­ar 2019

Und Du?

Selbst­ver­ständ­lich rich­ten wir unse­ren Appell auf’s Flie­gen zu ver­zich­ten auch an Dich. Auch wenn man sich nicht dog­ma­tisch zur Flug-Aske­se zwin­gen soll­te, ein ein­zi­ger Flug im Jahr kann Dei­ne gan­zen sons­ti­gen CO2-Ein­spa­run­gen zunich­te machen! Und es gibt Alter­na­ti­ven!
So kann man etwa von Beginn an Urlaubs­zie­le aus­wäh­len die kli­ma­freund­lich zu errei­chen sind. Brest in der Bre­ta­gne ist mit dem Zug von Köln aus in 7:38 h zu errei­chen, nach Rom dau­ert es “nur” rund 12 Stun­den. Wem dies zu lang ist, der kann auch einen Zwi­schen­stopp in Mün­chen ein­le­gen und Freun­de besu­chen. Dazu kom­men zahl­rei­che wei­te­re Mög­lich­kei­ten wie Bus­se, Nacht­zü­ge und wei­te­res. Auch im Jahr 2019 braucht man kein Flug­zeug um sein Ziel zu errei­chen.
In Schwe­den scheint Nicht-Flie­gen popu­lär zu wer­den, für die Scham ein Flug­zeug zu benut­zen, und damit das Kli­ma zu rui­nie­ren — gibt es dort ein neu­es Wort: Flygs­kam, zu deutsch Flug­scham.
(Wir haben dazu eine neue Face­book-Grup­pe gegrün­det, Ihr fin­det sie hier.)
Und wenn es gar nicht anders geht – kom­pen­siert bit­te!

Unsere Anfrage UND UNSER ANTRAG

Hier unse­re Anfra­ge zu Kli­ma­schutz und Dienst­rei­sen als pdf.

Die Ant­wort der Ver­wal­tung auf unse­re Anfra­geent­täu­schend!

Unser Antrag künf­tig Flü­ge zu ver­mei­den, wenn nötig zu kom­pen­sie­ren.

Fazit:

Wenn es geht auf Flug­rei­sen ver­zich­ten, nur wenn es nicht anders geht kom­pen­sie­ren. Setzt Euch in Eurem Umfeld für Flug­ver­zicht ein, dort wo Ihr arbei­tet, aber auch im Freun­des­kreis. Jeder Flug weni­ger zählt!
Bei face­book haben wir übri­gens eine Flug­scham-Grup­pe ein­ge­rich­tet, dort fin­det Ihr Gleich­ge­sinn­te und Tipps!


Linktipps:

Das Umwelt­bun­des­amt zu Flug­rei­sen

Die Leit­li­ni­en des Umwelt­bun­des­am­tes für Dienst­rei­sen (zur Nach­ah­mung für Köl­ner Ver­wal­tung & Unter­neh­men emp­foh­len!)

Ver­schie­de­ne CO2-Kom­pen­sa­ti­ons­an­bie­ter im Test


Der Autor die­ses Bei­tra­ges hat sich vor­ge­nom­men in 2019 nicht zu flie­gen. Letz­tes Jahr war er mit dem Nacht­zug in der Tos­ka­na.

Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten. Am 13. September 2020 kandidiert Thor zur Oberbürgermeister*in-Wahl in Köln.

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