Essen für Kids — mehr Geld für Kitas

Ab 2020 schreibt die Stadt Köln das Cate­ring für ihre Kitas aus. Hin­zu kommt eine Essens­geld­erhö­hung pro Kind und Mahl­zeit auf 2,50 €. Ziel ist, die Qua­li­tät des Kita-Essens ins­ge­samt zu stei­gern. Rei­chen die­se Maß­nah­men aus?

Podiumsgast Dezernent für Soziales, Integration und Umwelt, Prof. Dr. Harald Rau bei der Veranstaltung Essen für Kids.

Das Essen eines Kin­der­gar­ten­kin­des in einer städ­ti­schen Kita darf der­zeit maxi­mal 1,90 € pro Tag kos­ten. Seit 16 Jah­ren ist die­ser Betrag gleich geblie­ben. Zu den Aus­wir­kun­gen die­ses erschre­ckend nied­ri­gen Sat­zes und dazu, wie die aktu­el­le Ernäh­rungs­si­tua­ti­on in Kitas ver­bes­sert wer­den kann, kam die Rats­grup­pe GUT Köln mit inter­es­sier­ten Bür­ge­rIn­nen und fach­kun­di­gen Podi­ums­gäs­ten bei der Ver­an­stal­tung “Essen für Kids” ins Gespräch.
Am Don­ners­tag, den 11. Juli 2019 um 17:00 Uhr lud die Rats­grup­pe dazu ins Bür­ger­zen­trum Nip­pes Alten­ber­ger Hof ein. Auch der Köl­ner Dezer­nent für Sozia­les, Inte­gra­ti­on und Umwelt, Prof. Dr. Harald Rau,  war zu Gast.

Die Ver­an­stal­tung mode­rier­te Ali­ne Damas­ke. Ali­ne ist Refe­ren­tin für Umwelt, Ernäh­rung und Bil­dung der Rats­grup­pe GUT Köln. Sie prä­sen­tier­te den Stand der Din­ge und klär­te ein­gangs die drän­gen­de Fra­ge: Wie­so ist es um das Kita-Essen so schlecht bestellt?

Wäh­rend die Ver­brau­che­rIn­nen von 2002 bis heu­te eine Preis­stei­ge­rung für Nah­rungs­mit­tel um 24% erleb­ten, blieb das Bud­get für ein Mit­tag­essen in Köl­ner Kitas unver­än­dert. Das hat dazu geführt, dass ein­zel­ne Cate­rer ihre Prei­se nicht erhöh­ten und statt­des­sen die Por­tio­nen ver­klei­ner­ten. Es ist mehr als wahr­schein­lich, dass die Essens­qua­li­tät glei­cher­ma­ßen dar­un­ter litt.

Nun schlägt die Ver­wal­tung eine Erhö­hung des Essen­bei­trags auf 2,50 € vor. Doch wie wird die­se Erhö­hung finan­ziert? Tra­gen die Eltern die­sen Satz zu 100%? Oder gibt es eine Mög­lich­keit, dass die Stadt eine gesün­de­re Ernäh­rung für Kin­der sub­ven­tio­niert? Für die Bei­trags­er­hö­hung bedarf es einer Rats­vor­la­ge, die in abseh­ba­rer Zeit ein­ge­bracht wird und für die wir, als Rats­grup­pe GUT Köln aus den genann­ten Punk­ten Hand­lungs­be­darf sehen!

Ver­an­stal­tungs­lo­go Essen für Kids

Gibt es dar­über hin­aus Mög­lich­kei­ten eine gesun­de Ernäh­rung in allen Kitas zukünf­tig zu sichern?

Klar ist, für 1,90 € ist es nicht mög­lich alle Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen, die für die Bereit­stel­lung eines gesun­den Essens nötig sind: fri­sche Zuta­ten, fai­re Löh­ne für Mit­ar­bei­te­rIn­nen, die das Essen kochen, die Kos­ten für die Essens­an­lie­fe­rung sowie Gehäl­ter für die­je­ni­gen, die den Essens­plan erstel­len und das war­me Essen den Kin­dern bereit­stel­len, zu bezah­len.

Ernährung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema

Dabei ist gutes Essen seit eini­gen Jah­ren ein gro­ßes gesell­schaft­li­ches The­ma. “Mei­ner Ansicht nach tra­gen drei Kom­po­nen­ten zum Kli­ma­wan­del bei, die wir ent­schei­dend steu­ern kön­nen: Mobi­li­tät, Ener­gie und Ernäh­rung. Die Ernäh­rungs­wen­de ist Teil des Wan­dels, den wir anstre­ben müs­sen. Gutes Essen ist wich­tig für uns, unse­re Gesund­heit und das Kli­ma”, sag­te Prof. Dr. Harald Rau, Dezer­nent für Sozia­les, Inte­gra­ti­on und Umwelt der Stadt Köln in sei­nem Ein­gangs­state­ment. Und ergänz­te: “Die erar­bei­te­ten Stra­te­gi­en des Ernäh­rungs­ra­tes soll­ten als ers­tes unse­re Kin­der berüh­ren.”

Die­ses Stra­te­gie­pa­pier “Impul­se für eine kom­mu­na­le Ernäh­rungs­wen­de” des Ernäh­rungs­ra­tes zeigt unter ande­rem, wie sich Köln zum The­ma Ernäh­rung in öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen posi­tio­nie­ren kann.  Das Papier wur­de der Stadt Köln als Hand­lungs­leit­pfa­den

über­ge­ben. Es ist erklär­tes Ziel, vor allem fair gehan­del­te, nach­hal­ti­ge und regio­na­le Pro­duk­te in Köln ein­zu­set­zen und die Ernäh­rungs­si­tua­ti­on ins­ge­samt zu ver­bes­sern.

Denn, es besteht Hand­lungs­be­darf: “Eine reprä­sen­ta­ti­ve Unter­su­chung zur Kin­der­ge­sund­heit unter mehr als 23.000 Köl­ner Vor­schulkindern zeigt, in wirt­schaft­lich pre­kä­ren Stadt­tei­len ist der Anteil an über­ge­wich­ti­gen Kin­dern sehr hoch”, erklär­te GUT Köln Rats­herr Tobi­as Scholz. “Das ist ein star­kes Argu­ment für ein über­grei­fen­des Ernäh­rungs­kon­zept für Kitas und Schu­len”, füg­te er hin­zu.

Präsentation von Aline Damaske zum Thema Essen für Kids in Kölner Kitas
GUT Köln Refe­ren­tin Ali­ne Damas­ke erläu­tert die Ernäh­rungs­si­tua­ti­on in Köl­ner Kitas.
Ernährungsbildung für Personal, Eltern und Kinder ist nötig

Es fehlt auch an Auf­klä­rung, was gutes und schlech­tes über­haupt Essen ist. Hier man­gelt es sowohl bei Eltern, Kin­dern und auch beim päd­ago­gi­schen Per­so­nal an Wis­sen. “Es fehlt vie­len aus der Genera­ti­on der heu­te 25–40jährigen der Bezug zum Essen. In deren Kind­heit und Jugend waren Con­ve­ni­en­ce-Pro­duk­te Trend. Kochen galt als alt­ba­cken”, mein­te Sil­ke Schnapp vom Cate­ring­ser­vice Auber­gi­ne & Zuc­chi­ni Voll­wert­frisch­dienst.  Zu die­sem Punkt schil­der­te eine Mit­ar­bei­te­rin einer evan­ge­li­schen Bil­dungs­stät­te ihre Erfah­run­gen: “Ernäh­rungs­bil­dung funk­tio­niert nur, wenn sie gemein­sam mit Erzie­he­rin­nen, Kin­dern und Eltern geschieht”, mel­de­te sich die Besu­che­rin aus dem Publi­kum zu Wort. “Die Erzie­he­rin, die zu Hau­se aus Unwis­sen­heit die­sel­ben Feh­ler beim Essen macht, kann Kin­dern kei­ne gesun­de Ernäh­rung ver­mit­teln. Genau­so wenig wie die Eltern.”

Die Stadt­ver­wal­tung  hat die­se Pro­ble­me erkannt und ist bestrebt, die Emp­feh­lun­gen des Ernäh­rungs­ra­tes den Ein­rich­tungs­mit­ar­bei­te­rIn­nen zu ver­mit­teln und so eine Grund­la­ge für Ernäh­rungs­bil­dung in den Kitas zu schaf­fen.

Bleibt frisch kochen nur Wunschziel für Kölner Kitas?

Im Jahr 2018 star­te­te die Stadt Köln eine Qua­li­täts­of­fen­si­ve für städ­ti­sche Kitas. Der gute Vor­satz war durch­aus vor­han­den: Die Ver­wal­tung prüf­te, unter wel­chen Bedin­gun­gen in den Ein­rich­tun­gen frisch gekocht wer­den kann. Die Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­te­rIn­nen gin­gen davon aus, dass es doch schnell und ein­fach mög­lich sein müss­te, dass Erzie­he­rIn­nen gemein­sam mit den Kin­dern selbst gesun­de Mahl­zei­ten zube­rei­ten könn­ten und so den päd­ago­gi­schen Aspekt mit einer Qua­li­täts­stei­ge­rung des Essens ver­bin­den. Doch weit gefehlt.

Im Ergeb­nis stell­te die Ver­wal­tung fest, dass es kei­ne sofor­ti­ge und kos­ten­güns­ti­ge Umstel­lung auf vor Ort gekoch­tes Essen geben kann. Selbst in neu gebau­ten Kitas müss­ten bau­li­che Maß­nah­men durch­ge­führt wer­den, die sich schnell in einer Grö­ßen­ord­nung von 30.000 Euro bis 50.000 Euro bewe­gen.

Hin­zu kom­men Arbeits­schutz- und Hygie­ne­vor­ga­ben, um Spei­sen von hygie­nisch ein­wand­frei­er Qua­li­tät für Kin­der zuzu­be­rei­ten. Die Lis­te der Bedin­gun­gen und Vor­aus­set­zun­gen für frisch gekoch­tes Kita-Essen ist lang und kom­pli­ziert: recht­li­che Bestim­mun­gen, regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len, Qua­li­täts­ma­nage­ment, Kom­pen­sa­ti­on von Per­so­nal­aus­fall, etc.

Sprechblasen zum Thema gesunde Ernährung
Was muss am Kita-Essen ver­bes­sert wer­den?

Neben den Umbau­kos­ten ent­stün­den zusätz­li­che Per­so­nal­kos­ten. Aus­schließ­lich kom­pe­ten­tes Fach­per­so­nal, gelern­te KöchIn­nen also, dürf­ten ein­ge­stellt wer­den, die sich mit den grund­le­gen­den Geset­zen, Ver­ord­nun­gen und der Kenn­zeich­nung von Lebens­mit­teln aus­ken­nen.

Die Kita-Mit­ar­bei­te­rin­nen kön­nen sich daher aus­schließ­lich im Rah­men des „päd­ago­gi­schen Pro­zes­ses” bewe­gen. Frisch Kochen in Kitas ist wei­ter­hin das Ziel, kann aber in bestehen­den Ein­rich­tun­gen nur mit hohem wirt­schaft­li­chem und per­so­nel­lem Auf­wand umge­setzt wer­den. Die Stadt könn­te es als Stan­dard für alle Neu­bau­ten fest­le­gen. Aller­dings wür­den so unter­schied­li­che Bedin­gun­gen in den städ­ti­schen Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen geschaf­fen.

In der Rea­li­tät bedeu­tet das, kind­ge­rech­te Ver­ar­bei­tung von Obst, Gemü­se, Salat, das Backen von Plätz­chen oder auch das Zube­rei­ten eines Nach­tischs wird unter dem Label Ernäh­rungs­bil­dung in den bestehen­den Ein­rich­tun­gen in den Grup­pen­räu­men statt­fin­den.

“Ein Mini-Kom­pro­miss ist das Ergeb­nis, weil die Stadt sich vor den Kos­ten für Per­so­nal etc. scheut!”, ärger­te sich Jugend­amts­el­tern­bei­rat Atti­la Gümüs. “Aus unse­rer Sicht muss man jetzt den Schal­ter umle­gen für eine gesun­de Ernäh­rung. Das The­ma Geld darf nicht ein­fach unter den Tisch fal­len.”

Catering-Ausschreibung ist eine Chance für den Wandel

Immer­hin hat die Ver­wal­tung die Aus­schrei­bung zur Mit­tags­ver­pfle­gung in den städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen auf den Weg gebracht. Hier sol­len sich auch klei­ne­re regio­na­le Anbie­ter betei­li­gen kön­nen. Jetzt soll­te die Stadt aktiv wer­den und kla­re Vor­ga­ben für zukünf­ti­ge Cate­rer machen. Wir sehen die­se Aus­schrei­bung als eine Chan­ce für Köln, sich als “Stadt, die gut isst”, wie auch Prof. Dr. Rau es sag­te, zu posi­tio­nie­ren.

Im Sin­ne einer kli­ma­freund­li­che­ren Ernäh­rung* könn­te die Aus­schrei­bung bei­spiels­wei­se fol­gen­de Anfor­de­run­gen an die Lie­fer­diens­te stel­len:

  • Kein Rind­fleisch ver­kös­ti­gen
  • Maxi­mal nur 2x pro Woche Fleisch anbie­ten
  • Mög­lichst sai­so­nal und regio­na­le Zuta­ten ver­wen­den
  • Mahl­zei­ten regio­nal zube­rei­ten
  • Kur­ze Lie­fer­we­ge ein­hal­ten

Die Emp­feh­lun­gen des Ernäh­rungs­ra­tes zum The­ma “vom Feld bis zum Tel­ler” soll­ten unbe­dingt in die Aus­schrei­bung ein­flie­ßen.

Ein Teil des Bud­gets soll den Kita-Lei­tun­gen frei zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, z.B. für Ein­käu­fe im benach­bar­ten Lebens­mit­tel­ge­schäft im Sin­ne einer regio­na­len Stär­kung. Aber auch hier muss in unse­ren Augen zuvor die Ernäh­rungs­bil­dung anset­zen: Es darf nicht sein, dass für die­ses Geld Dosen­sup­pen und Wackel­pud­ding gekauft wird, weil es die Kin­der doch so ger­ne mögen.


Hier fin­det Ihr den Maß­nah­men­ka­ta­log der Stadt­ver­wal­tung zur Ernäh­rung in städ­ti­schen Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen.

*Mehr zur Kli­ma­bi­lanz von Lebens­mit­teln fin­det Ihr hier.

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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