GUT Köln findet GWÖ gut

Die Wäh­ler­grup­pe GUT Köln posi­tio­niert sich durch Beschluss auf sei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung am 18.01.2020 wie folgt zur Gemein­wohl­Öko­no­mie:

Die Gemein­wohl-Öko­no­mie möch­te ein ethi­sches Wirt­schafts­mo­dell zum Woh­le von Mensch und Umwelt eta­blie­ren. Mit der Gemein­wohl-Bilanz bie­tet sie als ers­ten Schritt eine Bewer­tungs­me­tho­de, die sich nicht allein auf mone­tä­re Kri­te­ri­en, son­dern auch auf Wer­te wie Men­schen­wür­de, Soli­da­ri­tät und Nach­hal­tig­keit stützt. Vie­le Men­schen wün­schen sich ein ande­res Wirt­schafts­sys­tem und leh­nen das der­zei­ti­ge Wirt­schaf­ten mit der Pro­duk­ti­on sozia­ler Ungleich­heit ab. Der wach­sen­den sozia­len Ungleich­heit kann jede Kom­mu­ne aktiv ent­ge­gen­wir­ken — nicht nur bei den kom­mu­na­len Ein­rich­tun­gen und Eigen­be­trie­ben!

Leitgedanke der Gemeinwohl-Ökonomie

Leit­ge­dan­ke der Gemein­wohl-Öko­no­mie ist, dass die Wirt­schaft den Men­schen die­nen und auf das Gemein­wohl aus­ge­rich­tet sein muss. Bezug genom­men wird dabei auf Ver­fas­sungs­wer­te wie Art. 14 Abs. 2 des Grund­ge­set­zes: „Eigen­tum ver­pflich­tet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Woh­le der All­ge­mein­heit die­nen.“ Neben der Finanz­bi­lanz soll des­halb zuneh­mend auch die Gemein­wohl­bi­lanz zur wirt­schaft­li­chen Erfolgs­be­wer­tung her­an­ge­zo­gen wer­den. Mit die­ser Anre­gung soll dafür ins­be­son­de­re die Erstel­lung von Gemein­wohl­bi­lan­zen geför­dert wer­den. Die­se ermög­li­chen es Unter­neh­men, auf euro­pa­weit ein­heit­li­cher Erar­bei­tungs­grund­la­ge Rechen­schaft über ihre Stra­te­gi­en, Risi­ken und Ergeb­nis­se nach Kri­te­ri­en wie der Wah­rung von Men­schen­wür­de, Soli­da­ri­tät und Gerech­tig­keit, öko­lo­gi­scher Nach­hal­tig­keit, Trans­pa­renz und Mit­be­stim­mung in Bezug auf alle ihre Berüh­rungs­grup­pen (von den Lie­fe­ran­tIn­nen über die Mit­ar­bei­ten­den, Finan­zie­ren­den bis zum gesell­schaft­li­chen Umfeld) abzu­le­gen. Anders als bei der Berich­t­er­stel­lung nach ande­ren Stan­dards, erhal­ten die vom Unter­neh­men mit Unter­stüt­zung von Bera­te­rIn­nen erstell­ten Berich­te vor ihrer Ver­öf­fent­li­chung auch eine unab­hän­gi­ge Bewer­tung im Rah­men eines qua­li­ta­ti­ven Audits.
Rund 300 Unter­neh­men, dar­un­ter auch Ban­ken, Zei­tungs­ver­la­ge und Fach­hoch­schu­len, haben bis­lang eine Gemein­wohl­bi­lanz erstellt. Bei­spie­le für erstell­te Bilan­zen fin­den sich unter https://www.ecogood.org/de/die-bewegung/pionier-unternehmen/

GWÖ (inter)national

2015 sprach sich der Euro­päi­sche Wirt­schafts- und Sozi­al­aus­schuss für die Inte­gra­ti­on der Gemein­wohl-Öko­no­mie in den euro­päi­schen und ein­zel­staat­li­chen Rechts­rah­men aus. Die Gemein­wohl-Öko­no­mie erfüllt zudem voll­um­fäng­lich die Vor­ga­ben des CSR-Richt­li­nie Umset­zungs­ge­set­zes vom 11.04.2017, das Unter­neh­men mit mehr als 500 Mit­ar­bei­ten­den ver­pflich­tet, Infor­ma­tio­nen über Umwelt‑, Sozi­al- und Arbeit­neh­mer­be­lan­ge, Ach­tung der Men­schen­rech­te, Bekämp­fung von Kor­rup­ti­on und Bestechung sowie Diver­si­tät in den Lei­tungs­or­ga­nen im Rah­men einer nicht-finan­zi­el­len Bericht­erstat­tung offen zu legen. Aber auch für klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men ist die Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung eine gute Grund­la­ge für die Ent­wick­lung eines eige­nen Nach­hal­tig­keits­mo­ni­to­rings. In der Regel sind mit dem Ein­stieg in ein sol­ches Moni­to­ring neben den posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen in der sozia­len und öko­lo­gi­schen Per­for­mance von Unter­neh­men z.B. eine höhe­re Moti­va­ti­on der Mit­ar­bei­ten­den, eine höhe­re Kun­den­bin­dung, neue Poten­zia­le für die eige­ne Öffent­lich­keits­ar­beit und wei­te­re posi­ti­ve Effek­te ver­bun­den.

Gemeinwohl-Ökonomie kommunal fördern

Um die Gemein­wohl-Öko­no­mie zu för­dern, haben Vor­rei­ter­re­gio­nen und ‑kom­mu­nen in Deutsch­land, Öster­reich, Ita­li­en und Spa­ni­en begon­nen, Unter­neh­men bei der Erstel­lung von Gemein­wohl­bi­lan­zen zu unter­stüt­zen und in einem nächs­ten Schritt bereits bilan­zier­ten Unter­neh­men mit guter Bewer­tung Vor­tei­le ein­zu­räu­men (etwa Zugang zu För­der­töp­fen, Bevor­zu­gung bei öffent­li­chen Aus­schrei­bun­gen, etc.). Als ers­te deut­sche Groß­stadt hat die Lan­des­haupt­stadt Stutt­gart aus­ge­wähl­te städ­ti­sche Eigen­be­trie­be und Betei­li­gun­gen einer Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung unter­zo­gen und ein in der Wirt­schafts­för­de­rung ange­sie­del­tes För­der­pro­gramm „Nach­hal­tig fit für mor­gen mit dem Gemein­wohl Kom­pakt-Bericht“ auf­ge­legt.

Wir fordern

GUT Köln for­dert, dass Köln in die­sem Sin­ne folgt und in ver­gleich­ba­rer Wei­se auch in hier die Ver­brei­tung der Gemein­wohl-Öko­no­mie unter­stützt wird. Lang­fris­tig bil­den die Gemein­wohl­bi­lan­zen die Grund­la­ge für eine neue anreiz­ba­sier­te, poli­ti­sche Steue­rungs­mög­lich­keit hin zu einer sozia­le­ren und öko­lo­gi­schen Wirt­schafts­wei­se.

Unsere konkreten Anregungen

Es ist zu prü­fen, wie die Stadt Köln die Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung Köl­ner Unter­neh­men wirk­sam unter­stüt­zen kann, um deren Enga­ge­ment für Men­schen­wür­de, Soli­da­ri­tät und Gerech­tig­keit, öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keit sowie Trans­pa­renz und Mit­be­stim­mung trans­pa­rent zu machen und wei­ter zu stär­ken. Fol­gen­de Maß­nah­men sind hier­für ziel­füh­rend:

  • die Durch­füh­rung meh­re­rer Pilot­pro­jek­te zur Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung von Eigen­be­trie­ben der Stadt Köln und städ­ti­schen Betei­li­gun­gen (Unter­neh­men des Stadt­wer­ke-Kon­zerns) nach dem Stan­dard der Gemein­wohl-Öko­no­mie,
  • die Ver­an­stal­tung eines regel­mä­ßi­gen jähr­li­chen Fach­ta­ges zur Gemein­wohl­Öko­no­mie für inter­es­sier­te Unter­neh­men mit Ver­tre­te­rIn­nen gemein­wohl­bi­lan­zier­ter Unter­neh­men, Gemein­wohl­be­ra­te­rIn­nen und ‑audi­to­rIn­nen sowie
  • die Auf­la­ge eines kom­mu­na­len För­der­pro­gramms zur Unter­stüt­zung der Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung von in Köln ansäs­si­gen Unter­neh­men nach dem Stan­dard der Gemein­wohl­Öko­no­mie

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln.

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