Das Runde muss ins Eckige – mittlerweile ganz oft auf Kunstrasen

Die Zeit der guten alten Asche­plät­ze ist gezählt, Kunst­ra­sen­plät­ze sind der neue Stan­dard. Spiel­kom­fort: super. Nach­hal­tig­keit: geht so.

Fuß­ball ist eine der belieb­tes­ten Sport­ar­ten über­haupt. In Köln sind neben dem FC zahl­rei­che Ver­ei­ne ver­tre­ten, Jung und Alt trifft sich auf den Plät­zen der Stadt.

Ergän­zung aus dem Jahr 2019: Seit Erschei­nen die­ses Arti­kels im Jahr 2017 gibt es Neu­es zu berich­ten:  Mitt­ler­wei­le wird vor allem bei Neu­an­la­gen häu­fi­ger Kork­gra­nu­lat auf Kunst­ra­sen­plät­zen in Köln als Ein­streu­ma­te­ri­al ver­wen­det (sie­he exem­pla­risch hier). Ein wich­ti­ger ers­ter klei­ner Schritt, der eini­ge Ton­nen Mikro­plas­tik ein­spart, die nicht mehr in die Umwelt gelan­gen.
Außer­dem lie­gen die Stu­di­en­ergeb­nis­se aus Ham­burg zum The­ma vor.

Die klas­si­schen Ten­nen- oder Asche­plät­ze wer­den vie­ler­orts den Anfor­de­run­gen von Ver­ei­nen und Spieler*innen hin­sicht­lich Nut­zungs­dau­er und Spiel­kom­fort daher nicht mehr gerecht, Kunst­ra­sen­plät­ze sind gewünscht. Zur­zeit wird in Köln auf 160 Plät­zen gekickt, davon sind 36 Kunst­ra­sen­plät­ze, 14 wei­te­re befin­den sich in Pla­nung.

Städ­ti­sche För­de­rung
Die Stadt Köln hat 2013 auf die Ent­wick­lung reagiert und ein Kunst­ra­sen­pro­gramm gestar­tet: nach und nach sol­len in Köln alle städ­ti­schen Ten­nen­plät­ze in Kunst­ra­sen­plät­ze umge­wan­delt wer­den. Kein güns­ti­ges Unter­fan­gen für die Stadt­kas­se: rund 1 Mil­li­on Euro ver­schlingt der kom­plet­te Neu­bau eines Plat­zes. Ver­ei­ne erhal­ten bei der Ein­rich­tung von Kunst­ra­sen­plät­zen eine Unter­stüt­zung der Stadt. Die Pfle­ge und Erneue­rung der Anla­gen obliegt den Ver­ei­nen, die hier­zu Rück­la­gen bil­den müs­sen: denn der Kunst­stoff­be­lag muss nach spä­tes­tens 15 Jah­ren aus­ge­tauscht wer­den, was im Schnitt Kos­ten von rund 300.000 Euro pro Platz bedeu­tet. Wir haben bei eini­gen Ver­ei­nen bezüg­lich der Rück­la­gen­bil­dung nach­ge­fragt, aber bis­her noch kei­ne Ant­wort erhal­ten. Über das Online-Ange­bot “Sport­stät­ten­rech­ner” kön­nen sich Ver­ei­ne im Vor­feld einer Bau­maß­nah­me einen Über­blick über die Kos­ten bei Neu­bau und Sanie­rung der Plät­ze ver­schaf­fen.

Öko­bi­lanz schlecht
Kunst­ra­sen­plät­ze sind öko­lo­gisch umstrit­ten. Nach­tei­lig ist neben der Ver­sie­ge­lung von Flä­chen und nega­ti­ver Aus­wir­kun­gen für das Mikro­kli­ma auch das Gum­mi­gra­nu­lat, das als Ein­streu­ma­te­ri­al auf dem Kunst­ra­sen auf­ge­bracht wird und in den Mee­ren lan­det. Nach Berech­nun­gen der nor­we­gi­schen Umwelt­be­hör­de wer­den rund 3.000 Ton­nen Gum­mi­gra­nu­lat in Nor­we­gen jedes Jahr ins Meer gespült. (In Schwe­den rund 4.000 t.) Deutsch­land hat drei­mal so vie­le Kunst­ra­sen­plät­ze wie Nor­we­gen, das heißt die Men­ge an Gra­nu­lat liegt nach ent­spre­chen­der Hoch­rech­nung bei ca. 9.000 bis 12.000 t, die hier jähr­lich ins Meer gelan­gen könn­ten. Laut Deutsch­land­funk Nova ist das Gra­nu­lat der Kunst­ra­sen­plät­ze die zweit­größ­te Quel­le für Mikro­plas­tik im Meer.

Der Auf­bau einer Kunst­ra­sen­flä­che besteht aus meh­re­ren Schich­ten.

Teu­res Recy­cling
Dane­ben sorgt die Ver­wen­dung von Kunst­stoff­gra­nu­lat für erheb­li­che Fol­ge­kos­ten, wenn der Kunst­ra­sen­platz erneu­ert wer­den muss: das Gemisch aus Sand und Gum­mi­gra­nu­lat als Ein­streu­ma­te­ri­al lässt sich nicht sau­ber genug tren­nen, so dass der Sand ver­un­rei­nigt bleibt, nicht anders wei­ter­ge­nutzt wer­den kann und so teu­er ent­sorgt wer­den muss. Kos­ten, die letzt­end­lich die Ver­ei­ne tra­gen. Eine umwelt­ver­träg­li­che Lösung ist somit nicht nur im Sin­ne der Spie­ler, son­dern kommt ganz kon­kret der Ver­eins­kas­se zugu­te.

Gibt es eine nachhaltige(re) Lösung?
Mit einem alter­na­ti­ven Ein­streu­ma­te­ri­al wie zum Bei­spiel Kork­gra­nu­lat wäre der Sand wei­ter ver­wend­bar und hohe Ent­sor­gungs­kos­ten wür­den ent­fal­len. Auf die Anfra­ge bei der Stadt nach dem bis­her ein­ge­setz­ten Ein­streu­ma­te­ri­al und einer öko­lo­gi­schen Alter­na­ti­ve wie zum Bei­spiel Kork, lau­tet die Ant­wort der Ver­wal­tung, dass Kork nicht DIN-zer­ti­fi­ziert ist und somit nicht ein­ge­setzt wer­den darf. Unse­re Nach­fra­ge beim Deut­schen Insti­tut für Nor­mung (DIN) ergab, dass Kork-Gra­nu­lat tat­säch­lich nicht DIN-zer­ti­fi­ziert ist, es aber in die­sem Punkt noch kei­ne ein­heit­li­che Mei­nung des zustän­di­gen Arbeits­aus­schus­ses gebe. Die Fra­ge­stel­lung wer­de daher in der nächs­ten Sit­zung des ent­spre­chen­den DIN-Aus­schus­ses am Ende des Jah­res dis­ku­tiert.

Auch in ande­ren Städ­ten ist die Pro­ble­ma­tik bekannt: Ham­burg hat bei­spiels­wei­se eine Stu­die in Auf­trag gege­ben, die die Ver­wend­bar­keit von Kork als regu­lä­res Ein­streu­ma­te­ri­al auf Kunst­ra­sen­plät­zen über­prü­fen und aus­wer­ten soll.

Bleibt also abzu­war­ten, ob in naher Zukunft eine umwelt­freund­li­che­re Vari­an­te zum Ein­satz kom­men kann.


Anfra­ge Kunst­ra­sen­pro­gramm

Autor: Aline Damaske

Aline Damaske arbeitet als Referentin für unsere Ratsgruppe GUT

2 Gedanken zu „Das Runde muss ins Eckige – mittlerweile ganz oft auf Kunstrasen“

  1. Das Gra­nu­lat wird ver­schleppt, ent­we­der durch Schuhe/Kleidung oder bei star­kem Wind.
    Von dort gelangt das Mate­ri­al bei Regen (es schwimmt ja) in die Gewässer=>Rhein=>Nordsee.
    Von öffent­li­chen Plät­zen und Stra­ßen gelangt es über die Stra­ßen­ent­wäs­se­rung auch in die Gewäs­ser, selbst Klär­an­la­gen kön­nen es nicht abbauen/eliminieren.

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