Erfolg und Aussichten für Lastenradförderung

Die Las­ten­rad­för­de­rung trägt laut Ver­wal­tung zur öko­lo­gi­schen Ver­kehrs­wen­de bei. Des­halb haben wir nach­ge­fragt, wann die Las­ten­rad­för­de­rung für die Peri­ode 2020/21 in Köln end­lich beginnt.

Voll beladenes Lastenrad durch Lastenradförderung gekauft.

Der Andrang auf die Las­ten­rad­för­de­rung 2019 war so groß, dass der Haupt­aus­schuss im August 2019 eine abschlie­ßen­de Erhö­hung des För­der­vo­lu­mens von ursprüng­lich 200.000€ auf 1,9 Mio. € beschloß.  Ende 2019 bekräf­tig­te der Ver­kehrs­aus­schuss sein hohes Inter­es­se an einem frü­hen Start der dies­jäh­ri­gen Las­ten­rad­för­de­rung. Doch bis­lang kön­nen Kölns Einwohner*innen weder einen Antrag stel­len, noch wer­den sie über­haupt über den Start der För­de­rung 2020/21 infor­miert. Durch die Coro­na-Kri­se schei­nen die bereits ein­ge­stell­ten Haus­halts­mit­tel für eine erneu­te För­de­rung in Fra­ge zu ste­hen. Unse­re Rats­grup­pe GUT hält die­ses zöger­li­che Vor­ge­hen für kon­tra­pro­duk­tiv und frag­te im Ver­kehrs­aus­schuss nach.

An einem Las­ten­rad­kauf inter­es­sier­te Kölner*innen stel­len ihr Vor­ha­ben zur Zeit womög­lich zurück, da sie auf den Beginn der För­de­rung war­ten. Dadurch wird der Köl­ner Fahr­rad-Ein­zel­han­del geschwächt. Aber auch all den­je­ni­gen, die von den finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Kri­se betrof­fen sind, wird der Umstieg von einem im Unter­halt teu­re­ren PKW auf ein kos­ten­güns­ti­ge­res Las­ten­rad erschwert. Im Ver­kehrs­aus­schuss am 28.04.2020 stell­ten wir daher fol­gen­de Anfra­ge:
 
 1. Ste­hen die je 500.000 Euro För­de­rung für 2020 und 2021 wei­ter­hin unein­ge­schränkt für die Las­ten­rad­för­de­rung zur Ver­fü­gung, oder ist geplant die­se  Mit­tel für ande­re städ­ti­sche  Auf­ga­ben zu ver­wen­den?

2. Wann star­tet die dies­jäh­ri­ge  Las­ten­rad­för­de­rung?

3. Wann wer­den Kölns Einwohner*innen über Beginn und Moda­li­tä­ten der För­de­rung infor­miert? 

Lei­der konn­te uns die Ver­wal­tung bis dato die­se Fra­gen nicht beant­wor­ten. Unse­re Anfra­ge wird in die nächs­te gemein­sa­me Aus­schuss­sit­zung am 11. Mai 2020 gescho­ben. Die Fach­ab­tei­lun­gen zie­hen aber ein durch­weg posi­ti­ves Fazit aus den Erfah­run­gen der Las­ten­rad­för­de­rung von 2019.

942 Förderanträge aus 2019 bewilligt

Bis Ende Febru­ar 2020 wur­den ins­ge­samt Finanz­mit­tel in Höhe von 1.7 Mio. € an Kölner*innen aus­be­zahlt, die eine Las­ten­rad­för­de­rung bean­tragt hat­ten.

Die Ver­wal­tung erhielt 958 Anträ­ge, mit denen 1.013 Las­ten­rä­der bzw. Gespan­ne (Las­ten­rad + Anhän­ger) bean­tragt wur­den. Davon erfüll­ten 942 Fahr­zeu­ge die För­der­kri­te­ri­en und konn­ten bewil­ligt wer­den. Die Antrags­stel­len­den kamen aus allen Köl­ner Stadt­tei­len und aus unter­schied­li­chen Berei­chen, davon waren: 

  • 444 Fahr­zeu­ge (47 %) von Unter­neh­men, frei­be­ruf­lich Täti­gen und selb­stän­di­gen Per­so­nen,  
  • 29 Fahr­zeu­ge (3 %) von Ver­ei­nen, 
  • 469 Fahr­zeu­ge (50 %) von Gemein­schaf­ten mit min­des­tens 3 Haus­hal­ten. 

Lastenradförderung für bessere Luft

Laut Ver­wal­tungs­mit­tei­lung ist die Fort­set­zung der För­der­maß­nah­me ein wich­ti­ger Bau­stein unter ande­rem im Rah­men des Köl­ner Luft­rein­hal­te­plans und des Green City Mas­ter­plans der Stadt für die Gestal­tung nach­hal­ti­ger und emis­si­ons­frei­er Mobi­li­tät.  Außer­dem redu­zie­ren mehr Las­ten­rä­der bei Gewer­be­trei­ben­den die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen von Lie­fer­vor­gän­gen im inner­städ­ti­schen Wirt­schafts­ver­kehr. 

Die ver­kehr­li­chen Aus­wir­kun­gen der Las­ten­fahr­rad­för­de­rung auf den städ­ti­schen Wirt­schafts­ver­kehr hat die Ver­wal­tung im Rah­men einer stu­den­ti­schen Abschluss­ar­beit unter­su­chen las­sen. Grund­la­ge der Arbeit waren zum über­wie­gen­den Teil die gewerb­li­chen Las­ten­rad­nut­zen­den. Von über 400 Antrag­stel­len­den aus die­sem Bereich füll­ten 109 den mehr­sei­ti­gen Fra­ge­bo­gen voll­stän­dig aus. Die Bran­chen, in denen das Las­ten­rad ein­ge­setzt wird, sind sehr unter­schied­lich (sie­he Anla­ge).

Eini­ge Trends bei der gewerb­li­chen Nut­zung unter­strei­chen dem­nach die Bedeu­tung des Las­ten­rads zur Reduk­ti­on des Lie­fer­ver­kehrs. So ergab die Unter­su­chung bei­spiels­wei­se, dass die Gewer­be­trei­ben­den in ins­ge­samt 35 % der Fäl­le ein ande­res Fahr­zeug abge­schafft haben bzw. das Las­ten­rad sogar das ein­zi­ge Trans­port­mit­tel im Betrieb ist. Im Mit­tel wur­den mit dem Las­ten­fahr­rad knapp 50 km pro Woche zurück­ge­legt. Der Ein­satz des Pkw redu­zier­te sich nach Anga­ben der Befrag­ten von zuvor im Mit­tel 120 km in der Woche, auf durch­schnitt­lich rund 78 km wöchent­lich.

Lastenräder ideal für innerstädtische Fahrten

Ein wei­te­res Ergeb­nis ist, dass mit der Anschaf­fung des Las­ten­ra­des weni­ger Wochen­ki­lo­me­ter bei allen Trans­port­mit­teln gefah­ren wur­den. Dies lässt sich auch dadurch erklä­ren, dass mit dem Las­ten­rad kür­ze­re Ste­cken für den glei­chen Weg zurück­ge­legt wer­den kön­nen: Las­ten­rä­der kön­nen in für Pkw/Sprinter/Lkw gesperr­ten Zonen ein­ge­setzt wer­den und die Park­platz­su­che fällt weg. Der Ein­satz eines Las­ten­fahr­ra­des erfüllt somit die Erwar­tun­gen hin­sicht­lich Zeit- und Wege­er­spar­nis der Nut­zen­den. Ins­ge­samt zeig­te eine Aus­wer­tung der Distan­zen, dass das Las­ten­fahr­rad größ­ten­teils auf Kurz­stre­cken unter 5 km (36 %) und auf Distan­zen zwi­schen 5 und 10 km (42 %) ein­ge­setzt wur­de.

Die Abschluss­ar­beit hat gezeigt, dass hier das größ­te Poten­zi­al des Las­ten­ra­des  bei Kurz- und Mit­tel­stre­cken bis zu 10 km liegt, damit es ein ande­res Trans­port­mit­tel erset­zen kann. 

Dabei gaben 85 % der Befrag­ten an, dass die Anschaf­fung eines Las­ten­fahr­rads ohne För­de­rung nicht finan­zier­bar gewe­sen wäre. Knapp die Hälf­te gibt zu, dass sie sich bis zur För­der­initia­ti­ve nicht mit alter­na­ti­ven Trans­port­mit­teln beschäf­tigt hat­ten. 

Mehr Fahrradkilometer bedeuten weniger Autos

Die Stadt hat die Gesamt­leis­tung der Las­ten­rä­der auf rund 540.000 gefah­re­ne Kilo­me­ter mit Hil­fe des Ver­wen­dungs­nach­weis­ver­fah­rens ermit­telt. So ergibt sich für alle geför­der­ten Per­so­nen eine durchnschnitt­li­che Gesamt­fahr­leis­tung von rund 800 km je Fahr­zeug ab Aus­lie­fe­rungs­da­tum. Vie­le Antrag­stel­len­de bestä­tig­ten, dass sie das Rad wesent­lich mehr nut­zen als sie ursprüng­lich erwar­tet hat­ten. Das Mehr an Fahr­rad­ki­lo­me­tern sorgt so auch für weni­ger gefah­re­ne Auto­ki­lo­me­ter und damit für weni­ger Emis­sio­nen in Köln.

Ähn­li­cher Ansicht ist die Ver­wal­tung. Sie fin­det, dass durch die För­de­rung der Las­ten­rä­der eine Mobi­li­täts­wen­de unter­stützt wer­den kann, an deren Ende auf die Anschaf­fung eines (Zweit)Kraftfahrzeuges zuguns­ten eines Las­ten­fahr­ra­des ver­zich­tet wer­den kann.


Das Titel­bild zeigt ein Las­ten­rad, dass durch die För­de­rung ange­schafft wer­den konn­te. Es ist stän­dig im Ein­satz. Foto: von Pri­vat


Hier erfahrt ihr mehr zu unse­rem Ein­satz für mehr Las­ten­rä­der in Köln.

Hier geht’s zur voll­stän­di­gen Ver­wal­tungs­mit­tei­lung und unse­rer Anfra­ge im Ver­kehrs­aus­schuss.

 

 

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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