Lebenslagenbericht

Ganz­heit­li­che Daten­ba­sis für eine nach­hal­ti­ge Sozi­al­po­li­tik

Unser gemein­sam mit CDU und GRÜNE ein­ge­brach­ter Antrag zur “Erstel­lung eines Köl­ner Lebens­la­gen­be­rich­tes” wur­de am 14. Febru­ar  gegen die Stim­men von Lin­ke, FDP und Pira­ten beschlos­sen.

Der Begriff Lebens­la­ge bezeich­net die Lebens­si­tua­ti­on von Men­schen in bio­lo­gi­scher, psy­chi­scher und sozia­ler Hin­sicht. In einem Lebens­la­gen­be­richt wer­den die Lebens­um­stän­de umfas­sen­der und ganz­heit­li­cher erfasst als in einem Sozi­al­be­richt.

Der Lebens­la­gen­be­richt soll begin­nend mit dem Jahr 2016 erstellt und alle fünf Jah­re aktua­li­siert wer­den.

Hier die Rede unse­res Rats­mit­glieds Tobi­as Scholz in der Rats­sit­zung vom 14.02.:

“Sehr geehr­te Frau Ober­bür­ger­meis­te­rin, sehr geehr­te Damen und Her­ren,

wie in unse­rem gemein­sa­men Antrag mit der CDU und den Grü­nen aus­ge­führt ist, ist die letz­te rele­van­te Köl­ner Sozi­al­da­ten­er­he­bung 2004 im Rah­men eines Sozi­al­be­rich­tes erfolgt. Ent­spre­chend ist auch unse­re Wäh­ler­grup­pe GUT der Auf­fas­sung, dass es wie­der an der Zeit ist, aktu­el­le sozi­al­po­li­tisch rele­van­te Daten zu erfas­sen.

Dies soll­te fünf­jähr­lich erfol­gen und über eine rein beob­ach­ten­de bis­he­ri­ge Sozi­al­be­richts­er­stat­tung hin­aus­ge­hen, mit der Inten­ti­on ver­knüpft, noch ziel­ge­rich­te­ter und bedarfs­ge­rech­ter auf kom­mu­na­ler Ebe­ne sozi­al­po­li­tisch zu agie­ren. Dies ist mög­lich wenn die bis­he­ri­ge Sozi­al­be­richt­erstat­tung zu einem Lebens­la­ge­kon­zept aus­ge­baut wird.

Was unter einer Lebens­la­ge grund­sätz­lich ver­stan­den wer­den kann hat der Mar­xist und Öko­nom Otto Neurath 1909 wie folgt defi­niert:

‚…als ein Inbe­griff aller Umstän­de, die unmit­tel­bar die Ver­hal­tens­wei­sen eines Men­schen, sei­nen Schmerz aber auch sei­ne Freu­de bedin­gen…’ Dazu gehö­ren nach Neurath zen­tra­le Ele­men­te wie: ‚…Woh­nung, Nah­rung, Klei­dung, Gesund­heits­pfle­ge, Bücher, Thea­ter…’ sowie eine ‚freund­li­che mensch­li­che Umge­bung’! Es wer­den also nicht nur gesell­schaft­lich struk­tu­rel­le Fak­to­ren erfasst son­dern dar­über hin­aus wer­den die­se mit indi­vi­du­el­len Lebens­as­pek­ten bzw. Lebens­la­gen des Ein­zel­nen ver­bun­den.

Im Mit­tel­punkt steht also die gefühl­te Rea­li­tät des Ein­zel­nen. Klas­si­sche Lebens­la­ge­spiel­räu­me des Ein­zel­nen sind bei­spiels­wei­se: Ver­sor­gungs- und Ein­kom­mens­spiel­räu­me, Lern- und Erfah­rungs­spiel­räu­me, sowie Rege­ne­ra­ti­ons- und Par­ti­zi­pa­ti­ons­spiel­räu­me.

Im Ergeb­nis eines zukünf­ti­gen vom Sozi­al­de­zer­nat erstell­ten Köl­ner Lebens­la­ge­be­rich­tes kann sich bei­spiels­wei­se wider­spie­geln wie sich gesetz­li­che Ver­än­de­run­gen, und kom­mu­nal­po­li­ti­sche sozia­le Steue­rungs­ent­schei­dun­gen auf die kon­kre­te Lebens­si­tua­ti­on der Bewoh­ner in den jewei­li­gen Köl­ner Sozi­al­räu­men nie­der­schla­gen.

Im Befra­gungs­fo­kus kön­nen dabei unter­schied­lichs­te Bevöl­ke­rungs­ziel­grup­pen und sozi­al­po­li­tisch rele­van­te The­men­fel­der ste­hen u.a. :

Wird der öffent­lich Raum als inklu­siv erlebt bzw. War­um nicht?,

Gibt es aus­rei­chend sozia­le Bera­tungs­stel­len und Kultur‑, Sport- und Frei­zeit­an­ge­bo­te?

Basie­rend auf die­sen Daten zur sozia­len Stadt­ent­wick­lung kann in Fol­ge ziel­ge­rich­tet und bei Bedarf prä­ven­tiv inter­ve­niert wer­den.

So kann bei­spiels­wei­se räum­li­chen Pola­ri­sie­run­gen basie­rend auf :

sozia­ler Ungleich­heit, Bil­dungs­be­nach­tei­li­gung und Armuts­be­trof­fen­heit sozi­al­po­li­tisch ange­mes­sen begeg­net wer­den. Denn Fakt ist, wie auch der Vor­sit­zen­de der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge in NRW, Andre­as John­sen u.a. betont, dass “die Eigen­ver­ant­wor­tung des Ein­zel­nen nur dann funk­tio­niert wenn gesell­schaft­li­che Teil­ha­be, Chan­cen­ge­rech­tig­keit und die För­de­rung der Hil­fe zur Selbst­hil­fe gewähr­leis­tet ist”.

Genau hier kann und soll­te ein umfäng­li­cher Köl­ner Lebens­la­ge­be­richt anset­zen. Bei­spiel­haft erwähnt sei hier die Stadt Bie­le­feld.

Sie ori­en­tiert sich in ihren Lebens­la­ge­be­rich­ten nicht nur an den unter­schied­li­chen Trans­fer­leis­tungs­ar­ten, son­dern ori­en­tiert sich auch an den eigent­li­chen sozi­al­de­zer­nats­re­le­van­ten Ziel­grup­pen u.a. den arbeit­su­chen­den Men­schen, Kin­dern und Jugend­li­chen, Men­schen im Sozi­al­hil­fe­be­zug, Senio­ren, Eltern, Allein­er­zie­hen­den und Men­schen mit Behin­de­run­gen.

Basie­rend auf die­sen Daten kann kom­mu­nal über­prüft wer­den ob bei­spiels­wei­se arbeits­markt­po­li­ti­sche Maß­nah­men, geschaf­fe­ne Arbeits­ge­le­gen­hei­ten und sozia­le Bera­tungs­an­ge­bo­te in den jewei­li­gen Sozi­al­räu­men ziel­füh­rend sind oder bei Bedarf modi­fi­ziert wer­den müs­sen!

Von daher ist unse­re Wäh­ler­grup­pe GUT der Auf­fas­sung, dass es für Köln nur von Vor­teil sein kann zukünf­tig auf Grund­la­ge von Lebens­la­ge­be­rich­ten sozi­al­po­li­tisch zu pla­nen und ent­spre­chend zu agie­ren.

Vie­len Dank für Ihre Auf­merk­sam­keit!”

Autor: Aline Damaske

Aline Damaske arbeitet als Referentin für unsere Ratsgruppe GUT

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