Let´s talk about BAUM

…ein persönlicher (spontaner) Blogbeitrag von Marcel Hövelmann

Weil es mir es so wichtig ist, möchte, nein muss, ich heute einmal auf eine Pressemitteilung der Stadt Köln eingehen. Den zu meiner eigenen Gesundheit muss mein Puls dringend wieder runter…..und vielleicht helfen dabei ja die kommenden Zeilen.

Unter dem Titel “Grünflächenamt pflanzt fleißig” wird sich abermals fleißig auf die eigene städtische Schulter geklopft und gejubelt, wie toll die Stadt Köln doch immer wieder neue Bäume pflanzt. Dabei fehlen aber einige Infos – die der unschönen Art:

  • Die Stadt Köln vermischt gerne Ersatz- und Neupflanzungen. Im Bild der Pressemitteilung ist eine klassische Ersatzpflanzung zu sehen. Alter Baum wurde aus Grund XY gefällt, ein paar Jahre später kommt dann der neue Baum als Ersatz (irgendwohin).
  • In den letzten Jahren hatte Köln, u.a. wegen der Hitzebelastung, sehr viele Baumverluste zu beklagen. Eine genaue Zahl kennt leider niemand. Baumfreund*innen gehen aber von mindestens 1000 bis 1500 pro Jahr aus – auf städtischen und privaten Flächen. Sei es durch die heißen und trockenen Sommer, diverse Baumkrankheiten oder Baumaßnahmen jeglicher Art. Täglich wurde und wird auch im Sommer – verbotenerweise(!) – in Köln gefällt. Hierfür gibt es dann unterschiedliche Möglichkeiten Ersatz zu pflanzen, manchmal 1:1 vor Ort, manchmal am anderen Ende der Stadt auf einer sogenannten Ausgleichfläche, sprich auf einer Wiese im städtischen Besitz (und da wird langsam der Platz eng, da die Stadt kaum noch selber entsprechende Areale besitzt; denn die wurden in den letzten Jahr(zehnt)en gerne verkauft oder getauscht(!)). Das dann z.B. in der aktuellen Realität ein 80 Jahre alter Baum durch einen ca. 8 Jahre alten Baum ersetzt wird, lasse ich an dieser Stelle einmal unbewertet. Um jedoch in den folgenden 20 Jahren eine halbwegs ähnliche klimatische Wirkung zu erzeugen, sollten für den 80 Jahre alten Baum eher 8 bis 10 neue Bäume angepflanzt werden. Mindestens!
  • Apropos neu, Neupflanzungen sind Bäume an neuen Standorten, also wo vorher was auch immer war. Oftmals gibt es ja den Wunsch, Parkplatz weg und Baum hin. Kannste knicken – gibt es quasi nicht. Unterirdisch haben wir ein derartiges Kabel- und Kanalgeflecht rund um die Straßen in Wohngebieten. Da geht (fast) nix. Daher kommen die Neupflanzungen zu 90% auch irgendwo ins Nirgendwo – gerne parallel an irgendeine Landstraße, nicht selten in unmittelbarer Nähe von Zugschienen oder Autobahnen, wo es in deren Umfeld in den letzten Jahren zu massiven Fällungen im vierstelligen Bereich in Köln gekommen ist. Denn wie heißt es immer an erster Stelle: Der Verkehr muss rollen….was übrigens auch für fast jede Baumaßnahme gilt. Da verliert Baum eigentlich immer.
  • Baumpflanzungen werden oft durch beauftragte Unternehmen durchgeführt. Pflanzstelle vorbereiten, Baum rein und 3 bis 5 Jahre pflegen und vor allem wässern. Exakte Kosten für einen Baum und zuvor geschilderten Auftrag gibt es nur vage. Mal liest man 3000, manchmal auch 8000 oder 10000 Euro. Was man jedoch nie liest, ist die Info, wie viele der gepflanzt Bäume nach 5 Jahren überhaupt noch leben? Auch hier wird von einer Nicht-Überlebensquote von 10 bis 25% von Baumfreund*innen in Köln ausgegangen.
  • Ach ja, es gibt ja auch noch “Bürgerschaftliches Engagement stärken”. Ein Wald für Köln, Gießmaterialien für Bürger*innen, Baumspenden….es gibt unterschiedliche Aktionen für “mehr Baum” oder Baumerhalt in Köln. Aber fast jeder doktort für sich alleine irgendwo rum, eine richtige Klammer bzw. Lobby für das vielfältige Baumengagement in Köln gibt es weiterhin nicht. Dabei wäre dies so enorm wichtig. In meinen Augen könnte man mit je einem/einer rechts- und linksrheinischen Baumbürgermeister*in könnte man so viel Mehrwert schaffen (P.S.: Überlege ich mir gerade einen Antrag).
  • 400 Bäume hat die Stadt also gepflanzt und jubelt. Okay, kann man machen, aber das man dies so eindeutig schön redet und jedes(!) Jahr ein minus in der Baumbilanz hat, auch das sollte man mal fair und transparent kommunizieren. Hmmmmm, aber “fair und transparent” – darauf warten wir ja nicht nur bei diesem Thema schon viel zu lange.

Viele, viele Fakten habe ich sicherlich noch immer vergessen (gerne ergänzen in den Kommentaren), aber die Hoffnung stirbt zuletzt, dass wir vielleicht ja doch noch den richtigen Dreh bekommen werden und es schon in naher Zukunft heißt “Köln kann….Baum!”

Noch eine Anekdote

In meiner Nachbarschaft: Ein Bürger macht sich schon vor ein paar Jahren Gedanken. Findet einen in seinen Augen geeigneten Standort für einen Baum. Auf einem sehr breiten Stück Bürgersteig. Kontaktiert die Stadt. Hakt noch einigen Wochen/Monaten mal nach. Irgendwann kommen „Prüfer“ und gucken, ob da wohl Leitungen verlaufen. Tatsächlich: Nein. Standort für gut befunden! Prima? Nö. Ein Baum steht da bis heute nicht. Nachfrage ergab: Da wär jetzt die Bezirkspolitik zuständig, da die ja Gelder freigegeben muss für Neupflanzungen. Und kennen die diesen Standort? Nö! Warum gab es da keine Info seitens der Stadt? Achselzucken. Telefonische Info: “Dumm gelaufen”. Ich frage mich aber: Wie kann das sein?

Soooooooo, jetzt ist der Puls auch wieder normal…….musste mal raus……

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied von GUT Köln und lebt in Sülz.

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