Mehr Baum für Köln

– Was’n das für ne seltsame Forderung?

Baum in Köln frißt Zaun

Eben bin ich mit fünf meiner Wahlplakate durch Ehrenfeld gestiefelt. Auf der Rückseite die Forderung „Mehr Baum für Köln“. Allgemeine Zustimmung, signalisiert durch Daumen hoch der Passanten und Kommentare wie: „Genau!“ und „richtig so“. Eigentlich kenne ich niemanden, der Bäume doof findet. Symbol des Lebens und so. Aber auch Schattenspender, Luftreiniger, und CO2-Vertilger. Eigentlich wollen auch alle Parteien Bäume schützen. Und eigentlich sind sie damit auf gemeinsamer Linie mit den Naturschutzverbänden und ja, auch mit dem Grünflächenamt. Eigentlich.

Man muss nicht weit gehen, um zu sehen: Überall wird gefällt, gehackt, gesägt und geschreddert. Aus Gründen der Verkehrssicherheit, weil viele Bäume krank sind und/oder die letzten heißen Sommer nicht überstanden haben, weil sich hinter Bäumen Tunichtgute prima verstecken können und so „Angsträume“ entstehen – aber auch, weil dringend benötigte Wohnungen oder Sportplätze entstehen. Grünflächen verschwinden, Bäume verdursten oder werden unsachgemäß kaputtgepflegt. Sogar die beiden Grüngürtel, die eigentlich den Status eines anerkannten Stadtkulturerbes haben müssten, werden immer weiter angefressen. Parkplätze, Lagerhallen und Kunstrasenplätze, die – wie an der Kölner Uni – erst errichtet und dann kürzeste Zeit später zur Bebauung freigegeben werden. Wer sich für traurige Details interessiert, surfe kurz zur Internetseite von gruensystem.koeln. Puh.

 

Mein Freund, der Busch, ist tot

Treibt uns das Tränen in die Augen? Nö? Sollte es aber. „Mehr Baum für Köln“ heißt nämlich nicht, einzelne traurige Stecken irgendwo in Asphaltlücken zu stopfen. Thor Zimmermann sagte kürzlich, er wolle Köln „bewalden“. Das heißt auch: Bedingungen schaffen, unter denen Bäume überhaupt (über-)leben können. Zum Bespiel dafür sorgen, dass die, die es brauchen, im Sommer genug Wasser bekommen. Die Menschen sind bereit, dabei mitzuhelfen – wie der Erfolg der Initiative Gießt Kölle beweist.

„Bewalden“ heißt aber auch: Hecken, Büsche und intakte Bodensysteme haben, die nicht nur Wasser, sondern auch Schadstoffe und CO2 binden. Blöderweise ist es hier aber nicht mit Erde aufschütten getan. Einmal umgegraben, sind nämlich die unzähligen kleinen Tierchen und Organsimen nicht etwa kurzzeitig verwirrt, die meisten sind tot. Deshalb dauert es 10.000 Jahre, bis sich ein einmal zerstörter Boden regeneriert hat. Nicht nur ein Thema bei der Gleuler Wiese, wo der FC ernsthaft angekündigt hat, zeitnah mit dem Bau der Kunstrasenplätze zu beginnen. Da diese ja – im Fall einer erfolgreichen Klage – ganz einfach zurück gebaut werden könnten. Und die Wiese wäre wieder eine Wiese. Wäre sie eben nicht. Und ich frage mich: Lernt man sowas nicht während einer Gärtner-Ausbildung? Köln braucht nicht nur „mehr Baum“, sondern auch qualifiziertes Personal, das mit Freude daran arbeitet, das in den Brunnen gefallene Kind Stück für Stück wieder ins Trockene zu hieven.

Nicht nur bestehende Grünflächen erhalten, sondern sogar neue schaffen – wie soll das gehen?

Tatsächlich einfacher als gedacht. Meine ganz persönliche Lieblings-Grünfläche in Köln ist z.B. der Rheinboulevard. Tatsächlich als Grünfläche verbucht. Carports mit drei Alibi-Blümchen = Grünfläche. Das kleine Stück Rasen zwischen den parkenden Autos entlang der Merheimer Straße = Grünfläche. Wären alle Flächen, die in Köln als Grünflächen ausgewiesen sind, echte Grünflächen wären, wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Schul- und Innenhöfe: könnten entsiegelt werden. Ach, können könnte man so viel…

Unsere Ideen zum Baustein Natur und Umwelt haben wir hier in unserem Wahlprogramm zusammengestellt.


Unsere Autorin Caroline Michel ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln. Sie kandidiert für den Rat und die Bezirksvertretung Nippes bei der Kommunalwahl am 13.09.

Fotos: Caroline Michel, Thor Zimmermann

 

2 Gedanken zu „Mehr Baum für Köln“

  1. Habe ich sie nicht schon in der Kleingartenanlage Flora ev gesehen? Dort hat man sich doch schon gut auf die Bienen Erhaltung eingeschossen. Das ist meines Erachtens einer der wichtigsten Punkte in der Stadt. Denn so bleibt unsere Artenvielfalt in Köln erhalten. Erst wenn das stabil wieder läuft sollten wir uns auf die Erweiterung unseres Stadtgrüns konzentrieren.
    Gruß; Jürgen Weigelt

    1. Lieber Jürgen Weigelt, ja, so ist es! Und danke für die Blumen 😉 Aber im Ernst: Direkt hinter dem Vereinsheim befindet sich ein Zelt mit einer Insekten-Falle. Hier wird von der Stadt in dieser Sommer-Saison ermittelt, wie viele Insekten es noch gibt – und welche Arten es nicht mehr gibt. Daraus sollen dann Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Wir standen anfangs staunend vor dem Fang-Becher. “Boah, sooo viele Insekten – toll!” Leider aber mussten wir hören “Leider vieeeel zu wenig. Selbst bei euch, wo paradiesische Zustände herrschen, ist nichts mehr in Ordnung.” Puh. Schritt-für-Schritt ist also leider keine Lösung. Alle müssen an allen Stellen gleichzeitig tätig werden. Aber wir kriegen das gewuppt (hoffentlich). Viele Grüße – Caro Michel

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