Neue Kölner Stadtordnung

Wir sind geboren um frei zu sein. Unsere Ratsgruppe legt eine neue Übergangs-Stadtordnung vor.

Die geplante Verschärfung unserer Hausordnung wurde bislang im wesentlichen entlang der Frage “Darf das Weg-Bier bleiben, oder nicht?” debattiert. Andere Sorgen hat der Kölner nicht.
Dabei lohnt es sich die Kölner Stadtordnung genauer anzuschauen, ist sie doch ein Beleg dafür, dass die herrschende Klasse uns Bürger als Störenfriede betrachtet. Ein repressives Instrument, dass autoritäre, patriarchale Strukturen festigt – wer zuwider handelt hat mit Bußgeldern zu rechnen. Beschwichtigend wird eingeworfen, dass diese Regeln einen Ermessensspielraum zulassen, doch dieses gönnerhafte Gehabe entlarvt die Stadtordnung erst recht als autoritär: Es ist verboten, es sei denn wir erlauben es Dir! Bis ins kleinste Detail mischt sich die Obrigkeit in unser Leben ein. Der einsame alte Mann darf den Spatz vom Walraff-Platz nicht mehr füttern, die Brotkrumen von Oma und Enkelin bleiben den Enten im Park verwehrt. Und können Dich die Staatsbüttel nicht zu Hause finden – da Dein Haus keine Nummer trägt, oder diese kleiner als 8,5 cm ist – zahlst Du mindestens 35 Euro.
Musst Du Dir Deinen Lebensunterhalt als Kleinkünstler “Lebende Statue” verdingen, wird Dir “aggressives Betteln” unterstellt, selbst Seifenblasen schienen den Stadtfrieden zu stören, da sie den Kapitalisten beim Absetzen seines seelenloses kommerziellen Plunders behindern. – Oh Köln, Mutter Colonia, was ist nur mit Dir geschehen?

Höchste Zeit für eine neue Stadtordnung!

Am 20.12.2016 debattiert der Stadtrat über die geplanten Verschärfungen – wir glauben hingegen an ein Miteinander, getragen von Liebe und Respekt vor dem Nächsten. Daher wollen wir zur Ratssitzung einen eigenen Änderungsantrag stellen, einen Antrag der wieder den Geist der Freiheit atmet, aber auf dem Weg zur herrschaftsfreien Gesellschaft für eine Übergangszeit nicht ganz auf Regularien verzichten kann. Dafür brauchen wir Deine Hilfe! Welche Paragraphen sollen wir noch aufnehmen? Welche aus unserem Entwurf streichen? Bitte hinterlasse Deine Anregungen als Kommentar unter dem Artikel – dies geht auch unter Pseudonym …
Alle Einsendungen werden in unseren Antrag eingearbeitet, und am 20.12. zur Abstimmung gestellt.

Unser Entwurf:


Präambel

Wir sind geboren um frei zu sein.

Grundsätzliches

§ 1 Zum Schlummern ist von 12:30 Uhr bis 14:30 Uhr Mittagspause. Diese kann auch als Siesta oder Schäferstündchen genutzt werden.

§ 2 Öffentliche Gebäude wie das Rathaus, die städtischen Museen, sowie unsere Bürgerämter sind bitte mit Pantoffeln zu betreten.

Öffentliches Grün

§ 3 In öffentlichen Grünanlagen ist Bummeln, Faulenzen und Dösen ausdrücklich erlaubt. Zugelassene Sportarten: Müßiggang (auch über längere Strecken), Schach, Rundlauf (Tischtennis)

§ 4 Grillen ist grundsätzlich gestattet wenn auch Dritte eingeladen, und dazu Rotwein und Zigaretten gereicht werden.

Religion

§ 5 In Dom-Umgebung ist das Rückwärtsspielen, -singen oder -pfeiffen von “Stairway to Heaven” untersagt.

§ 6 In den Tagen vor Beginn der Fastenzeit, ist das Wechseln der Gaststätten nur unter dem gemeinschaftlichen Absingen von “Die Karawane zieht weiter” gestattet.

Kultur

§ 7 Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern auf dem Rhein ist nur mit musikalischer Untermalung von Bernd Alois Zimmermanns Zwölfton-Oper Die Soldaten gestattet.

§ 8 Junggesell*innenabschiede sind in unserer Stadt willkommen, der Erlös durch den Verkauf von Kondomen fließt der AIDS-Hilfe Köln zu.

§ 9 Straßenmusiker müssen mindestens einmal die Stunde das Stück “Sülz, Porz, Melaten” spielen. Röhrenverstärker sind erlaubt.

§ 10 Blasen, bestehend aus einem dünnen (dipolaren) Wasserfilm, an dem sich innen und außen Seifenmoleküle anlagern, mit einer dem Wasser zugewandten polaren, hydrophilen Carboxylat-Gruppe und einem dem Wasser abgewandten unpolaren, hydrophoben Alkylrest sind in unserer Stadt ausdrücklich erwünscht – solange sie bitte Plateaus Regeln beachten.

§ 11 Ehemalige Stadtdirektoren die in Lebenden Statuen nur “einen Deckmantel des aggressiven Bettelns” erkennen können, werden aufgefordert jeweils 5 € Bußspende zu geben. (Bei Charlie Chaplin Figuren nur 1,50 €)

Sonstiges

§ 13 Eltern deren Kinder städtische Schulen besuchen, sind zur Toilettenreinigung und kleineren Renovierungsarbeiten verpflichet. Kinder haben zum Unterricht Eimer für durchtropfendes Regenwasser mitzubringen.

§ 14 Das Befahren des öffentlichen Straßenraumes ist Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nicht gestattet.

§ 15 Die Hausnummer muss in arabischen Ziffern, die eine Mindestgröße von 8,5 cm haben, ausgeführt sein. Dabei ist der Schrifttyp Geometric zu verwenden.


Die bisherige Kölner Stadtordnung findet sich hier, diese soll weiter verschärft werden.

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Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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