Köln. Eine Eventstadt in Coronazeiten. Und dieser NRW-Tag.

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Zwi­schen dem 20. und 23. August soll der NRW-Tag 2020 statt­fin­den. Köln hat­te sich viel vor­ge­nom­men als Gast­ge­be­rin. Büh­nen, The­men­mei­len, auto­freie Innen­stadt­area­le, ein gesamt­heit­li­ches Müll­ver­mei­dungs­kon­zept, fahr­schein­lo­ser ÖPNV für alle Besucher*innen, Akteu­re und Mitmacher*innen aus den unter­schied­lichs­ten Win­keln des Lan­des. Eigent­lich.

Das Pla­nungs­bü­ro NRW-Tag in der Stabs­stel­le Events der Stadt Köln steht vor außer­ge­wöhn­li­chen Her­aus­for­de­run­gen. Wie unter den jet­zi­gen Bedin­gun­gen eine Groß­ver­an­stal­tung pla­nen? Selbst wenn Ver­samm­lun­gen im August erlaubt sein soll­ten, aber jetzt, in die­ser wich­ti­gen Pla­nungs­pha­se Spon­so­ren Ihre Part­ner­schaft zurück­zie­hen oder Dienst­leis­ter in Insol­venz gehen? Und neben den tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen auch das Ermes­sen der inhalt­li­chen Aus­ge­stal­tung, der Bot­schaft: wie Fei­ern nach oder mit Coro­na? So wie die Fes­te fal­len?

Im Rat­haus koor­di­niert die Stabs­stel­le Events die Pla­nun­gen zusam­men mit der Staats­kanz­lei Düs­sel­dorf und wei­te­ren Part­ne­rin­nen wie der Ago­ra Köln und den Orga­ni­sa­to­ren der Ver­an­stal­tung “Stras­sen­land”. Aus der Stabs­stel­le ver­nimmt man die akut schwie­ri­gen Pla­nungs­vor­aus­set­zun­gen. Eini­ge Ver­trags­part­ner und Dienst­leis­ter bre­chen wohl bereits weg. Sie sind ent­we­der akut oder abseh­bar von Insol­venz bedroht. Um neue zu fin­den, muss ent­spre­chend aus­ge­schrie­ben wer­den. Städ­ti­sche Aus­schrei­bun­gen wer­den jedoch gera­de, aber natür­lich prio­ri­tär zum The­ma medi­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung der Ein­woh­ner­schaft abge­ar­bei­tet. Ob der Tag in 2020 statt­fin­det, kann aktu­ell nie­mand mit Sicher­heit sagen. Klar ist aber, soll­te er die­ses Jahr statt­fin­den, wird das For­mat ein ande­res sein als ursprüng­lich geplant.

Die Stabs­stel­le ist auf jenes funk­tio­nie­ren­de Netz­werk ange­wie­sen, das sonst für Besu­cher und Gäs­te von Fes­ten und Events eher unbe­merkt bleibt. Die zahl­rei­chen Gewer­ke und Dienst­leis­ter wie etwa Verkehrssicherungs‑, Boo­king- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tu­ren, Büh­nen­tech­ni­ker oder Cate­rer. Sie alle kämp­fen unter den aktu­el­len Vor­aus­set­zun­gen ums wirt­schaft­li­che Über­le­ben. Kaum abseh­bar, wer von Ihnen neben der gesund­heit­li­chen auch die­se wirt­schaft­li­che Kri­se über­le­ben und wie eben das künf­tig die noch von OB Schram­ma aus­ge­ru­fe­ne “Event­stadt Köln” prä­gen wird. Gerald Böse, Geschäfts­füh­rer der Koeln­mes­se GmbH, berich­tet aktu­ell von Umsatz­ein­bu­ßen in Höhe von 7 Mil­lio­nen Euro — pro Woche. Das lässt die Aus­ma­ße erah­nen.

Denn auch wenn es dem ein oder ande­ren außer­halb von Kri­sen­zei­ten schon eh genug ist mit der Fül­le an Events und Fes­ten in der Stadt, ob in den Clubs, auf den Stras­sen, in Fest­zel­ten oder Parks. Die gesam­te Gastro‑, Event- und Kul­tur­sze­ne der Stadt ist nicht nur ein wirt­schaft­li­ches Rück­grat, sie ist auch der Garant für das Nar­ra­tiv, des­sen Köln sich ger­ne selbst rühmt als gesel­ligs­te Stadt der Bun­des­re­pu­blik.

Der NRW-Tag mag hier eine emo­tio­nal unter­ge­ord­ne­te Rol­le spie­len. Schließ­lich fin­det er sonst, wenn über­haupt, jähr­lich wech­selnd in unter­schied­li­chen Städ­ten NRWs statt. Die köl­sche See­le hängt am FC, den Kar­ne­vals­sit­zun­gen, an Sum­mer­jam, dem Tag des guten Lebens, der Lit­Co­lo­gne, dem CSD, den Clubs, Bars und Eck­knei­pen. Aber, Hand auf’s Herz, nicht an einer Ver­an­stal­tung, bei der sich Stadt und Land die Gast­ge­ber­schaft tei­len für eine Mischung aus FairTra­de-Info­stand und Olpe­ner Schüt­zen­ver­ein.

Trotz­dem, für Köln als größ­te Stadt des Lan­des, bleibt die Aus­rich­tung ein wich­ti­ges Ziel und die Umset­zung eine schwie­ri­ge, wenn auch bedeu­ten­de Her­aus­for­de­rung. Wie prä­sen­tiert sich die größ­te Stadt des Lan­des nach Coro­na? Wie zei­gen gera­de wir als oft gerühm­te, manch­mal geschol­te­ne und stets selbst­er­nann­te Event­stadt, dass sich Fei­ern und Gesel­lig­keit auch mit Res­sour­cen- und Umwelt­scho­nung ver­ei­nen lässt?

Der NRW-Tag mit einer Gast­ge­be­rin Köln kann nur ein Spa­gat wer­den. Ein Spa­gat zwi­schen Lebens­freu­de und Vor­sicht, ein Spa­gat zwi­schen Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Kos­ten und des Auf­wan­des zu den poli­tisch beschlos­se­nen Leit­plan­ken der Nach­hal­tig­keit (Zero­Was­te & FairTra­de-Kon­zept, fahr­schein­lo­ser ÖPNV, auto­freie Stra­ßen­zü­ge etc.). Dass aller­dings im August hun­dert­tau­sen­de Besu­cher durch die Stra­ßen Kölns pil­gern, von Büh­ne zu Büh­ne oder über dicht­ge­dräng­te The­men­mei­len, das scheint momen­tan nur sehr schwer vor­stell­bar.

 

 

 

 

Autor: Thomas Schmeckpeper

Thomas Schmeckpeper arbeitet als Referent für unsere Ratsgruppe, zudem freiberuflich im Bildungssektor.

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