PFT-Belastung im Kölner Süden — ein Problem für die Ewigkeit?

Die PFT-Belas­tung des Grund­was­sers im Köl­ner Süden ist links- wie rechts­rhei­nisch auf die Ver­wen­dung PFT-hal­ti­ger Lösch­schäu­me zurück­zu­füh­ren, die bei Brand­schutz­übun­gen in den 1990er und 2000er ein­ge­setzt wur­den.

Rechts­rhei­nisch war es ursäch­lich der Flug­ha­fen Köln-Bonn, links­rhei­nisch nach­weis­lich Lyon­del­l­Ba­sell, deren Werks­feu­er­weh­ren die die was­ser­un­lös­li­chen Per­flu­o­rier­ten Ten­si­de (PFT) mit dem Lösch­was­ser frei­setz­ten. Das per­fi­de an den per­flu­o­rier­ten Koh­len­stoff­ket­ten sind deren hohe ther­mi­sche und che­mi­sche Sta­bi­li­tät. Daher gel­ten sie als in der Natur nicht abbau­bar und wer­den als lang­le­bi­ge orga­ni­sche Schad­stof­fe ein­ge­stuft, die für Mensch und Tier als toxisch gel­ten. Sie ste­hen u.a. im Ver­dacht, Krebs zu ver­ur­sa­chen, schä­di­gen die Leber, ver­min­dern das Anspre­chen auf Impf­stof­fe, ver­zö­gern bei Schwan­ge­ren das Aus­bil­den der Milch­drü­sen usw.. In der EU wur­den PFT 2006 daher end­lich ver­bo­ten.

Gelan­gen PFT in das Grund­was­ser, dann blei­ben sie dort und bewe­gen sich mit dem Grund­was­ser in des­sen Fließ­rich­tung. Die Grund­was­ser bewe­gen sich, abhän­gig von der Geo­lo­gie, aber recht lang­sam, meist in Fluss­rich­tung. Uns lie­gen unab­hän­gi­ge Brun­nen­was­ser­ana­ly­sen aus Immen­dorf vor, die der­zeit noch bewer­tet wer­den. Die Ana­ly­se ver­rät aber schon jetzt, dass der PFT-Gehalt bei 5,1 μg/l liegt und damit den zuläs­si­gen Ziel­wert für das Trink­was­ser bei lebens­lan­ger Expo­si­ti­on um das 51-fache über­schrei­tet. Der Trink­was­ser­leit­wert von 0,3 μg/l wird um das 17-fache über­schrit­ten. Man ging 2010 nach ers­ten Mes­sun­gen davon aus, dass sich der PFT-Gehalt bis 2025 im Grund­was­ser nor­ma­li­siert haben soll­te.

Das PFT fließt also wesent­lich lang­sa­mer ab als damals pro­gnos­ti­ziert. Wie wir aus inter­nen Krei­sen von Lyon­del­l­Ba­sell erfah­ren konn­ten, geht man intern davon aus, dass das PFT-Pro­blem im Köl­ner Süden dau­er­haft, also auf ewig bestehen bleibt. Die Nut­zung von Brun­nen­was­ser und der Bag­ger­se­en wird also weit über das kom­mu­ni­zier­te Jahr 2035 nicht mög­lich sein. Soll­te sich dies so bewahr­hei­ten, wäre das ein kom­mu­ni­ka­ti­ves Desas­ter sei­tens des Umwelt- und Ver­bau­cher­am­tes der Stadt Köln. Lyon­del­l­Ba­sell spielt der­weil auf Zeit und möch­te sich mit der jüngs­ten Initia­ti­ve (Geld gegen Brun­nen­stil­le­gung) das Schwei­gen der Brun­nen­be­sit­zer „erkau­fen“.

Wir von GUT Köln im Stadt­be­zirk Roden­kir­chen wer­den das so nicht hin­neh­men, ver­spre­chen dran zu blei­ben und for­mu­lie­ren kla­re For­de­run­gen:

  1. Ein­rich­tung wei­te­rer Mess­punk­te im Köl­ner Süden und regel­mä­ßi­ge Ver­öf­fent­li­chung der PFT-Wer­te inklu­si­ve Ana­ly­se und kon­kre­ter Pro­gno­sen als Open­Da­ta.
  2. Akti­ve Auf­be­rei­tung des Grund­was­sers mit­hil­fe von Aktiv­koh­le­fil­tern, nicht nur bei der Trink­was­ser­ent­nah­me.
  3. Frei­wil­li­ge Betei­li­gung an Kos­ten für Mess­punk­te und Rei­ni­gung sei­tens Lyon­del­l­Ba­sell.
  4. Ver­pflich­tung der petro­che­mi­schen Indus­trie im Köl­ner Süden Gui­de­li­nes zum Umwelt­schutz umzu­set­zen, auch ohne des­sen gesetz­li­che Ver­an­ke­rung. Im Fal­le der Lösch­schäu­me bestan­den euro­päi­sche Richt­li­ni­en zur Ver­wen­dung von Lösch­schaum Sperr­ein­rich­tun­gen schon seit den 1970er Jah­ren, die das Frei­set­zen von PFT ver­hin­dert hät­ten.

Dies ist ein Bei­trag von Chris­ti­an Schwarz.

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied von GUT Köln.

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