Pressemitteilung “Rheinpendel Express”

Im Febru­ar die­sen Jah­res hat die Rats­grup­pe GUT ihre Idee des Rhein­pen­dels ver­öf­fent­licht — eine urba­ne Seil­bahn für Köln, die Stadt­tei­le bei­der Rhein­sei­ten von Porz bis nach Chor­wei­ler ver­bin­den soll.

Hier­von inspi­riert haben zwei Pro­gram­mie­rer und ein Köl­ner Desi­gner — Harm Staack (30), Mika Stamm (21) und Fabi­an Weber (28) — die Idee im letz­ten hal­ben Jahr wesent­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Das Ergeb­nis ist spek­ta­ku­lär.

 

Ani­ma­ti­on Sta­ti­on Tanz­brun­nen (© Fabi­an Weber)


Beim soge­nann­ten „Rhein­pen­del Express“ han­delt es sich um ein ver­netz­tes Seil­bahn­sys­tem, das über schnel­le Wei­chen und Kreu­zun­gen indi­vi­du­el­le Fahr­ten ermög­licht. In einem Netz meh­re­rer Sta­tio­nen kön­nen Per­so­nen mit ihrer Gon­del immer die direk­te Weg­ver­bin­dung zum Ziel fah­ren — ohne Stopps und Umstei­gen. Ein eigens dafür pro­gram­mier­ter Algo­rith­mus steu­ert dabei die Rou­ten und opti­ma­le Aus­las­tung der Gon­del­ka­pa­zi­tä­ten. Dadurch kön­nen nach bis­he­ri­gen Simu­la­tio­nen die Fahr­zei­ten im Ver­gleich zum linea­ren Seil­bahn­sys­tem (Rhein­pen­del) bis zu 50 % redu­ziert wer­den. Das Netz benö­tigt daher eine deut­lich gerin­ge­re Anzahl an Seil­stre­cken und Gon­deln.

optio­na­le Stre­cken­füh­rung dank neu­er Tech­no­lo­gie (copy­right Fabi­an Weber)

Nach bis­he­ri­gen Recher­chen und Gesprä­chen mit Ver­tre­tern der Ver­kehrs­wis­sen­schaft (Prof. Vol­ker Stöl­ting, Prof. Hei­ner Mon­heim) sind für ein solch inno­va­ti­ves Kon­zept alle tech­ni­schen Grund­la­gen vor­han­den. Die Kom­bi­na­ti­on aus Gon­deln, Wei­chen und inno­va­ti­ver Steue­rungs­tech­nik ist aller­dings ein bis­lang welt­weit ein­ma­li­ges Kon­zept mit enor­mem Poten­zi­al für Köln — wie auch für ande­ren Städ­te, in denen Seil­bahn­pro­jek­te dis­ku­tiert wer­den. 

Die Rats­grup­pe GUT freut sich über die­ses ehren­amt­li­che Enga­ge­ment des Pro­jekt­teams und for­dert die Stadt Köln auf, die Aus­ar­bei­tun­gen des „Rhein­pen­del Express“ in der Aus­schrei­bung für die Mach­bar­keits­stu­die zum Rhein­pen­del zu berück­sich­ti­gen.

Kreu­zun­gen und Schnell­wei­chen ermög­li­chen eine War­te­flä­che für unter­schied­li­che Fahrt­zie­le und Rich­tun­gen (copy­right Fabi­an Weber)

Thor Zim­mer­mann (Mit­glied des Rates, GUT Köln): „Wir freu­en uns, dass die Idee des Rhein­pen­dels wei­ter Krei­se zieht, und die dan­kens­wer­te Leis­tung eines ehren­amt­li­chen Teams auch Aner­ken­nung durch Pro­fis erfährt. Nun bleibt die Ver­wal­tung am Zug ein neu­es Seil­bahn­sys­tem für Köln, gemäß Beschluss im Ver­kehrs­aus­schuss, wis­sen­schaft­lich unter­su­chen zu las­sen.“

Tho­mas Schmeck­pe­per (Ver­kehrs­re­fe­rent, GUT Köln): „Hier haben drei jun­ge Men­schen eine Idee aus der Kom­mu­nal­po­li­tik auf­ge­grif­fen und in ihrer Frei­zeit auf hoch­pro­fes­sio­nel­lem Niveau wei­ter­ent­wi­ckelt. Das Kon­zept des „Rhein­pen­del Express“ scheint bahn­bre­chend und könn­te einen Quan­ten­sprung für urba­ne Seil­bah­nen welt­weit bedeu­ten. Und Köln hat die Chan­ce, genau dabei eine muti­ge Vor­rei­ter­rol­le ein­zu­neh­men.“

Prof. Dr. Hei­ner Mon­heim (Ver­kehrs­wis­sen­schaft­ler): “Urba­ne Seil­bah­nen haben zur schnel­len Netz­kom­plet­tie­rung des Köl­ner Schie­nen­net­zes ein gro­ßes Poten­zi­al, weil sie viel schnel­ler als die kon­ven­tio­nel­len Stra­ßen- und Stadt­bah­nen oder S‑Bahnen rea­li­sier­bar sind. Und weil sie die Chan­ce für mehr Rhein­que­run­gen ohne teu­re Brü­cken­bau­ten biel­ten. Die neu­en Über­le­gun­gen eine digi­ta­le Steue­rung der Kabi­nen mit der Opti­on für Über­hol­ma­nö­ver lang­lau­fen­der Kabi­nen an hal­ten­den kurz­lau­fen­den Kabi­nen wirkt wie ein “Ran­ge Exten­der” und macht urba­ne Seil­bah­nen auch für Distan­zen jen­seits der 7 km inter­es­sant. Inso­fern soll­te Köln bald einen Mas­ter­plan für urba­ne Seil­bah­nen erstel­len las­sen. Auf der Nord-Süd-Ach­se könn­ten Ron­dorf und Mesche­nich schon längst an das Schie­nen­netz ange­bun­den sein, ein­mal als Seil­bahn bis zur Markt­stra­ße (spä­ter demon­tier­bar, wenn dann irgend­wann mal die Stadt­bahn kommt) und ein­mal als Quer­span­ge zur west­lich gele­ge­nen DB-Stre­cke und öst­lich gele­ge­nen Stadt­bahn­stre­cke. Ohne schnel­le Netz­er­gän­zun­gen kommt Köln nicht aus dem Stau. Und die gehen am bes­ten mit urba­nen Seil­bah­nen.“

Fabi­an Weber (Pro­jekt­team „Rhein­pen­del Express”): “Seil­bah­nen bie­ten bes­te Vor­aus­set­zun­gen für einen ver­netz­ten Nah­ver­kehr mit indi­vi­du­el­len Rou­ten. Sie sind laut­los, ener­gie­ef­fi­zi­ent und kön­nen den Köl­ner Ver­kehr auf direk­tem Weg in die Zukunft heben.”

Autor: Thomas Schmeckpeper

Thomas Schmeckpeper arbeitet als Verkehrsreferent für unsere Ratsgruppe, zudem freiberuflich im Bildungssektor.

7 Gedanken zu „Pressemitteilung “Rheinpendel Express”“

  1. Hal­lo,
    hier lese ich schnel­ler, schö­ner, bes­ser.
    Aber ist die­ses Kon­zept wirk­lich bes­ser?
    Kön­nen z. B. bewe­gungs­ein­ge­schränk­te Per­so­nen die Seil­bah­nen nut­zen?
    Lie­be Grü­ße
    Jut­ta

    1. Hal­lo Jut­ta, Seil­bah­nen las­sen sich kom­plett bar­rie­re­frei kon­zi­pie­ren — deut­lich ein­fa­cher als z.B. U‑Bahnen. Für den Ein- und Aus­stieg von Roll­stuhl­fah­rern z.B. kann man die Gon­deln zum Still­stand brin­gen (anstatt Sta­ti­ons­durch­fahrt im Schritt­tem­po). LG TS

      1. bar­rie­re­frei ist die eine Sache…
        Al Ergän­zung ne genia­le Sache… aber als Haupt­ver­kehrs­mit­tel wäre es unge­eig­net — Weil Men­schen Mas­sen bekommt man damit nicht schnell wei­ter trans­por­tiert

        1. Hal­lo Georg,

          ja, da waren wir anfangs auch skep­tisch. Haben aber fest­ge­stellt, je nach Seil­bahn­art (2 oder 3Seil) und Tak­tung ent­spre­chen die mög­li­chen Kapa­zi­tä­ten denen von Dop­pel­bus­sen im 2‑Minutentakt. Also ver­gleich­bar mit Stra­ßen­bah­nen im 10-Minu­ten­takt. Das ist immer­hin nicht wenig. LG

  2. Stel­le mir auch eine Stre­cke als Alter­na­ti­ve zur Aache­ner Str vor.
    Eine Rou­te vom Neu­markt zum Aache­ner Wei­her, und ab da durch den Stadt­wald und via Uni­ver­si­tät ist denk­bar, die süd­lich des Sta­di­ons bzw. an der Sport­hoch­schu­le endet.

    Dies wür­de die Stadt­bahn ent­las­ten, und die An- und Abrei­se der Fuß­ball­fans und Stu­den­ten ver­bes­sern.
    Die Ein­grif­fe in die Parks und Park­ge­bie­te wäre durch Seil­bahn­stüt­zen ver­gleich­wei­se gering.

    Auch/oder eine sepa­ra­te kur­ze “Span­ge” zwi­schen Linie 7 , Stütt­gen­hof, zum Stadion/Sporthochschule, dann Linie 1, und wei­ter bis zur SBahn wäre inter­es­sant, und wür­de die bis­lang par­al­le­len ÖPNV Lini­en ide­al ver­net­zen, und den Umweg der FC Fans vom Haupt­bahn­hof mit der S‑Bahn bis Wei­den West, und dann zurück mit der Linie 1 unnö­tig machen

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