Raum13 ohne Raum in Köln

Am Donnerstag, den 29. April 2021 wird Raum13 endgültig geräumt. Das “Zentralwerk der schönen Künste” in der ehemaligen Hauptverwaltung der Klöckner-Humboldt-Deutz verlässt damit Köln. Ein trauriger Tag für Kunst und Kultur, findet nicht nur GUT Köln Ratsfrau Karina Syndicus.

Raum13 Blumentheke

Karina Syndicus ist Künstlerin und seit September 2020 Mitglied im Stadtrat für GUT Köln. Sie sitzt in unterschiedlichen Ausschüssen, selbstredend auch im Ausschuss für Kunst und Kultur, der sich immer wieder um den Erhalt des Kulturorts Raum13 im KHD-Gebäude bemühte.

Was verliert Köln, wenn am Donnerstag Raum13 in Köln-Mülheim geräumt wird?

“Köln verliert wieder eine wichtige Kulturstätte. Einen Ort, der eine Großstadt attraktiv macht, für Begegnung sorgt und ein Teil der städtischen Identität ist.

Zum Menschen gehört Kultur. Wir bestehen nicht nur aus Arbeit und Schlaf. Wir brauchen Einflüsse und wollen uns mit dem Ort, an dem wir leben, identifizieren.

Wenn wir möchten, dass die Menschen ihre Stadt achten, dann gehört unbedingt dazu, dass sie gerne davon erzählen und anderen Leuten zeigen wollen, was sie ausmacht.

Auch für die Künstler*innen ist Raum13 ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt.
Aus urbaner Sicht hätten wir hier die Chance gehabt, ein neues Viertel mit bereits bestehendem Kulturmittelpunkt zu schaffen. Etwas, was in neuen Vierteln erst langsam wachsen und sich etablieren muss, hätte hier auf dem Präsentierteller gelegen.

Leider wurde diese einmalige Chance nicht genutzt. Was Köln dadurch verliert? Sie verliert das Vertrauen der Künstler*innen und Kulturschaffenden. Diese fühlen sich wieder einmal übergangen und zurückgesetzt – und sie haben damit recht.”

Raum13 als Mahnmal

Wenn schon nichts mehr zu retten ist, kann die Stadt wenigstens etwas aus dem Verlust des Kulturraums hier lernen?

“Ich kann nur immer wieder appellieren: Es ist unsere Stadt! Und aus der müssen wir mehr machen.

Charakterlose Schlafstädte mit glatten Fassaden brauchen wir nicht. Wir müssen daraus lernen, den Menschen mehr Gehör zu verschaffen, wie sie sich ihre Stadt wünschen. Und dies eng geknüpft an Klimaziele und mit echter Zukunftsperspektive.

Bei allen zukünftigen Entscheidungen der Stadtentwicklung sollte Raum13 der Stadt als Mahnmal dafür dienen, dass vorhandene Strukturen nicht einfach abgerissen, sondern integriert werden. Köln muss sich bewusst werden, dass sie die viertgrößte Stadt Deutschlands ist und deshalb nicht handeln sollte wie eine unmotivierte, rein wirtschaftlich orientierte Neubausiedlung auf dem platten Land.”

Raum13 zieht nach Wuppertal

Einen Teil der Kunstobjekte und Utensilien kann Raum13 auf einem alten, 600qm großen Industriegelände in Wuppertal unterbringen. Es ist zwar nur ein Interim für die nächsten Jahre, aber immer noch mehr als Köln anbieten konnte. Der Wuppertaler Oberbürgermeister Uwe Scheidewind unterstützte die Künstler*innen schnell und unbürokratisch bei ihrer Suche nach einer Lagerhalle. Aus Köln fehlt bislang ein ähnliches Hilfsangebote.

Scheidewind war bis zu seiner Wahl zum Oberbürgermeister 2020 Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und Mitglied im Kunst und Wissenschaftsbeirat von Raum13. Als Mitglied der “Zukunftswerkstätten” diskutierte er mit Akteur*innen aus Kunst, Architektur oder Zivilgesellschaft gemeinsam mit Bürger*innen stadtgesellschaftliche Themen wie Wohnen, Arbeit, Umwelt, Mobilität, Inklusion oder Demokratie.

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Passend zum Abschied zeigt unser Titelbild Blumen für Raum13.

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GUT Köln setzt sich für Hoch- und Subkultur ein.

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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