Seltene Sgraffiti von Otto Gerster entdeckt

Bei Fas­sa­den­ar­bei­ten am ehe­ma­li­gen Gebäu­de des Rau­ten­strauch-Joest-Muse­ums am Ubier­ring kamen Sgraf­fi­ti von Otto Hel­mut Gers­ter zum Vor­schein. Die monu­men­ta­len Wand­kunst­wer­ke wer­den nun fach­kun­dig frei­ge­legt.

Sgraffitos von Otto Gerster_Quelle_LRP_Thomas_Lehmkuhl

Die Gebäu­de­wirt­schaft der Stadt Köln mach­te eine erfreu­li­che Ent­de­ckung beim Umbau des ehe­ma­li­gen Rau­ten­strauch-Joest-Muse­ums am Ubier­ring: Nach der Demon­ta­ge von Tuff­stein­plat­ten an der Fas­sa­de, stie­ßen die Mitarbeiter*Innen auf sie­ben so genann­te „Sgraf­fi­ti“ des Künst­lers Otto Hel­mut Gers­ter. Bei Sgraf­fi­ti (Ein­zahl: Sgraf­fi­to) han­delt es sich um künst­le­ri­sche Deko­ra­tio­nen von Wand­flä­chen durch eine his­to­ri­sche Putz- und Kratz­tech­nik. Dadurch ent­ste­hen drei­di­men­sio­na­le Wand­ver­zie­run­gen.

Frü­hes­tens Ende März 2020 wer­den die sie­ben Sgraf­fi­ti voll­stän­dig frei­ge­legt sein. Da die Fas­sa­de kom­plett mit Gerüst und Bau­pla­nen ver­klei­det ist, sind die Kunst­wer­ke der­zeit von der Stra­ße aus nicht zu sehen.

Sgraf­fi­ti sind Wand­kunst­wer­ke, bei denen ver­schie­den­far­bi­ge Putz­schich­ten über­ein­an­der­ge­legt wer­den. Durch Abkrat­zen der obe­ren Schich­ten stößt man auf die anders­far­bi­gen unte­ren Schich­ten, wodurch bei­spiels­wei­se archi­tek­to­ni­sche, figür­li­che oder orna­men­ta­le Deko­ra­tio­nen ent­ste­hen. Die Sgraf­fi­ti am Ubier­ring sind drei­far­big (gelb­lich, oliv­grün und weiß). Die bis­her auf­ge­deck­ten Berei­che sind aus­ge­zeich­net erhal­ten, die Ober­flä­chen sind weit­ge­hend unbe­schä­digt.

Für das Amt für Denk­mal­schutz und Denk­mal­pfle­ge han­delt es sich um einen beson­ders erhal­tens­wer­ten Fund, wie die stell­ver­tre­ten­de Amts­lei­te­rin Dr. Mari­on Grams-Thie­me aus­führt: „Das ist ein sehr beein­dru­cken­der Fund. Es ist ein Glücks­fall, dass die Sgraf­fi­ti in die­ser Qua­li­tät und Voll­stän­dig­keit vor­han­den sind. Von Otto H. Gers­ter gibt es nur noch weni­ge erhal­te­ne Kunst­wer­ke. Inso­fern sind die Dar­stel­lun­gen auch aus kunst­his­to­ri­scher Sicht ein sehr wert­vol­les Doku­ment für das Schaf­fen des Künst­lers.“

Sgraffiti des bekannten Künstlers Gerster

Otto Hel­mut Gers­ter (1907–1982) schuf in den Jah­ren 1948 bis 1972 monu­men­ta­le Wand­ar­bei­ten wie Wand­ma­le­rei­en, Sgraf­fi­ti, Mosai­ke und Glas­fens­ter. Es gibt nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand nur weni­ge erhal­te­ne Sgraf­fi­ti von Gers­ter. Die­ser Umstand macht die ent­deck­ten Wer­ke vom Ubier­ring neben ihrer künst­le­ri­schen Qua­li­tät und ihrem guten Zustand beson­ders bedeut­sam. Sehr wich­tig sind die Sgraf­fi­ti am Ubier­ring auch des­halb, weil der Künst­ler bekannt ist und es sich um Dar­stel­lun­gen han­delt, die nie über­stri­chen wur­den, was sonst häu­fig mit sol­chen Wand­ge­stal­tun­gen geschieht.

Das  Rau­ten­strauch-Joest-Muse­um wur­de nach dem Zwei­ten Welt­krieg zeit­wei­se als Spiel­stät­te der Kam­mer­spie­le Köln genutzt. Dazu wur­den 1948 unter ande­rem zur Ver­dun­ke­lung des Saals die sie­ben Fens­ter­öff­nun­gen ver­schlos­sen und an der Fas­sa­de mit Sgraf­fi­ti von Gers­ter gestal­tet. Als die ers­ten ver­bau­ten Fens­ter im 1. Ober­ge­schoss nun geöff­net wur­den, kamen die Wand­kunst­wer­ke Gers­t­ers zum Vor­schein.

Stadt sichert Erhalt der Sgraffiti zu

Sgraffitos von Otto Gerster. Quelle: LRP Thomas Lehmkuhl
Sgraf­fi­to von Otto Gers­ter. Quel­le: LRP Tho­mas Lehm­kuhl

Die künst­le­risch bear­bei­te­ten Wand­flä­chen zei­gen auf die Kam­mer­spie­le bezo­ge­ne Moti­ve: drei figür­li­che Dar­stel­lun­gen mit Sym­bol­ge­stal­ten aus dem klas­si­schen Dra­ma, dem Tanz und der Komö­die direkt über den drei Ein­gangs­por­ta­len sowie die Thea­ter­stil­le­ben in den seit­li­chen Fens­ter­paa­ren dane­ben.

“Die Stadt­ver­wal­tung hat auf Nach­fra­ge glaub­haft ver­si­chert, dass sie alles tut, um die Bil­der zu erhal­ten. An der Stel­le, an der sie sich im Moment befin­den, sind Fens­ter vor­ge­se­hen. Die Sgraf­fi­ti müs­sen also aus­ge­baut und erst ein­mal ein­ge­la­gert wer­den. Ein­zel­ne von die­sen sol­len an ande­rer Stel­le im Gebäu­de prä­sen­tiert wer­den”, erläu­tert GUT Rats­herr Thor Zim­mer­mann.

Die Kunst­wer­ke wer­den nun fach­kun­dig und behut­sam in engs­ter Abstim­mung mit der städ­ti­schen Denk­mal­pfle­ge sowie dem Land­schafts­ver­band Rhein­land wei­ter unter­sucht. Gemein­sam soll bis Ende März 2020 im Zuge der lau­fen­den Fas­sa­den­in­stand­set­zung ein Kon­zept erar­bei­tet wer­den, wie mög­lichst alle sie­ben Kunst­wer­ke erhal­ten, frei­ge­legt und restau­riert wer­den kön­nen.

 


Titel­bild: LRP / Tho­mas Lehm­kuhl

Der Künst­ler Otto Hel­mut Gers­ter bei Wiki­pe­dia

 

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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