Sonderfördermittel für freie Kölner Kulturszene

Die freie Kölner Kulturszene ist auch in den kommenden Monaten auf Sonderfördermittel angewiesen. Der Stadtrat bewilligt am Donnerstag, den 10.12.2020 einen Hilfsfond, der ab Januar 2021 greift. Das Kulturamt hat diesen Fond aufgelegt und bietet allen Kulturschaffenden Beratung dazu an.

Leere Sitzreihen eines Theaters. Die freie Kulturszene braucht Sonderfördermittel.

*Update: Der Dringlichkeitsantrag wurde nicht in der Ratssitzung abgestimmt, da es noch Klärungsbedarf bzgl. der Mittel gab. Der Antrag  soll aber noch vor den Weihnachtsfeiertagen in den Fraktionen abgestimmt werden.* 

**Update 05. Februar 2021: In der Ratssitzung am 04.02.2021 verabschiedete der Kölner Stadtrat die Maßnahmen. Sie gelten rückwirkend ab Januar 2021.**

Der Rat beschließt voraussichtlich in seiner Sitzung am Donnerstag, den 10. Dezember 2020, Corona-Sondermaßnahmen für die Kultur ab 01.01 2021, die zunächst bis Juni 2021 gelten. Mit Hilfe dieser dringend benötigten Sonderfördermittel für die freie Kölner Kulturszene, will das Kulturamt die Kulturschaffenden durchgängig während der Corona-Pandemie unterstützen. Der bisherige Notfallfonds endet mit dem 31. Dezember 2020. Daher ist eine Beschlussfassung durch den Rat noch vor dem Jahreswechsel notwendig. Denn auch in 2021 werden die Spielstätten, Veranstalter und Künstler*innen noch unter erheblichen existenzbedrohenden Einschränkungen leiden.

Maßnahmen sollen Vielfalt erhalten

Der geplante Maßnahmenkatalog des Kulturamtes, berücksichtigt die Vielfalt der Kulturveranstalterszene und bisher dort nicht geförderte Kulturvereine und Kulturbetriebe. Gleichzeitigt ermöglicht der Fond Einzelfall bezogene Förderungen.
Dafür hat die Kulturverwaltung ihre Notfallfonds- und Corona-Maßnahmen 2020  mit Szenevertreter*innen aus allen Sparten und anderen Förderinstitutionen überprüft, Kriterien modifiziert und aus den Erfahrungen in 2020 neue Maßnahmen entwickelt.

Neben der finanziellen Unterstützung, scheint die Bereitstellung von alternativen Spielstätten für das Aufrechterhalten eines diversen Kulturangebots wichtig. Denn manche Publikumsgruppen besuchen Veranstaltungen nur bei größtmöglichen Abständen im Zuschauerbereich. Daher sollten Veranstalter*innen auch in 2021 alternative Spielstätten sowie die Umnutzung von großen geeigneten Räumen für kleinere Formate erschließen. Die Stadt will hier beratend unterstützen und eigene städtische Open Air-Bühnen zur Verfügung zu stellen, wie zum Beispiel die Oper.

Sonderfördermittel für Kulturschaffende

Diese Sondermaßnahmen für die Kultur sollen ab dem 01. Januar 2021 gelten (verkürzt dargestellt, hier detailliert abrufbar) :

  1. Corona-Sonderförderung zur Struktursicherung freier Kulturvereine und Kulturbetriebe im Umfang von bis zu 770.000 Euro
    – Freie Kulturbetriebe (wie Theater-, Tanz-, Literatur-Spielstätten, Filmkunst-Kinos, unabhängige Plattenläden etc.)
    – Eingetragene Kulturvereine, freie Kultureinrichtungen, kulturelle Initiativen. (Clubs sind ebenfalls antragsberechtigt)

2. Corona-Zwischennutzungsfonds für Spielstätten (Huckepack-Fonds) im Umfang von bis zu 400.000 Euro
– Ausschreibung an Spielstätten, die künstlerischen Produktionen, Ensembles oder Veranstaltern für Präsentationen, Konzerten, Aufführungen, Proben oder Workshops eine Zwischennutzung ihrer Spielstätte kostenfrei (und spielfertig) zur Verfügung stellen.
– Beantragt werden können Betriebskosten für die Bereitstellung der „spielfertigen“ Spielstätte wie Personal- und Honorarkosten (Techniker, Kassenpersonal, Sicherungspersonal etc.), Mietkosten, Kosten für Ticketing.


3. Corona-Aufstockungsfonds für Betriebskostenzuschüsse im Umfang von bis zu 450.000 Euro
– Betriebskostenzuschuss-Empfänger*innen können zu Beginn
des Jahres eine Aufstockung ihres Zuschusses 2021 beantragen.
Antragsberechtigt sind die vom Kulturamt in 2021 institutionell geförderten Institutionen und Initiativen sowie Festivals.


4. Weiterführung der corona-bedingten Flexibilisierung der Bewilligungsauflagen in der regulären Projektförderung innerhalb des bisherigen regulären Projektbudgets 2021


Zuschüsse für Lüftungsanlagen

5. Lärmschutzfonds mit besonderer Konzentration auf corona-gerechte Um- und Aufrüstung von Lüftungsanlagen innerhalb des bisherigen dafür vorgesehenen Projektbudgets 2021
– Gefördert werden grundsätzlich Maßnahmen, die dazu beitragen, Lärmemissionen, die durch freie Kulturinstitutionen/Musikclubs hervorgerufen werden, zu reduzieren und somit Konflikte zu
entschärfen oder direkt zu vermeiden. 2021 sollen sich die Zuschüsse besonders auf Maßnahmen zur „Verbesserung der Lüftungstechnik“ konzentrieren.
Fördervoraussetzung ist hierbei ab 2021 eine „Corona-gerechte“ Um- und Aufrüstung von Lüftungsanlagen, die die Virenbelastung reduzieren sollen. Maßnahmen zur Verbesserung von Lüftungsanlagen tragen oftmals auch zu einer Verbesserung der Lärmemissionen bei.


6. Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen im Umfang von 1,0 Stelle Sachbearbeitung Corona-Sonderförderung und 0,5 Stelle Kultur-Info-Stelle Corona beim Kulturamt für die Dauer der Maßnahmen.
Die Stellen werden verwaltungsintern zur Verfügung gestellt.
– Diese Kultur-Info Stelle Corona informiert in Telefon-Sprechstunden und Newslettern die Kulturschaffenden der freien Szene über Notfallfonds, Bundes- und Landesförderung sowie städtische Corona-Regelungen. Sie bildet die interne Schnittstelle zum Gesundheitsamt für Hygienekonzepte.


Budget auch aus Restmitteln 2020

Der Rat soll für die Umsetzung dieser Maßnahmen die Bereitstellung von insgesamt 2,52 Mio. Euro beschließen.
Jedoch überträgt das Kulturamt Restfördermittel aus dem Jahr 2020 in diesen Topf sowie die regulären Budgets der Kulturförderung für 2021. Somit betragen die zusätzlich benötigten Mittel 1,72 Mio. Euro.

Fonds, die sich dezidiert an Soloselbstständige wenden, sind nicht vorgesehen. Hierzu existieren bereits Fördermaßnahmen des Landes NRW. Nach aktuellem Informationsstand des Kulturamtes sollen diese auch 2021 in ihrer Breite weitergeführt werden. Zudem existieren beim Bund derzeit Überlegungen zu Überbrückungshilfen 2021 für diese Zielgruppe. Außerdem bietet das Kulturamt regulär Stipendien, Projektförderungen und Strukturfördermittel für Solokünstler*innen an. Beratung erhalten die Künstler*innen auf Anfrage.

Die Corona-Sondermaßnahmen Kultur 2021 durch das Kulturamt nehmen wesentliche Punkte des politischen Prüfauftrags des Dringlichkeitsantrags „Kultur lebt in Köln: Vielfalt in Zeiten der Pandemie sichern – eine zentrale Aufgabe der Kulturstadt Köln“ des Ausschusses Kunst und Kultur vom 27.10.2020 auf.


Das Beitragsbild zeigt leere Zuschauerplätze – sinnbildlich für alle Kulturspielstätten. Quelle: Unsplash


Hier die Beschlussvorlage zur Sondermaßnahme für die Kultur und der detaillierte Maßnahmenkatalog.

Autor: Karin Preugschat

Karin Preugschat arbeitet als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für unsere Ratsgruppe.

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