Schutzlos in der Corona-Epidemie

Obdach­lo­sen und wei­te­ren Bedürf­ti­gen steht das gan­ze Jahr über unse­re Soli­da­ri­tät zu – wäh­rend der Coro­na-Kri­se ver­schärft sich ihre Situa­ti­on nun jedoch dra­ma­tisch.

stayhome

Das sich in der Coro­na-Epi­de­mie der Blick auf die Risi­ko­grup­pen rich­tet, und alles getan wird um die­se zu schüt­zen, ist sinn­voll und auch ein Zei­chen der Soli­da­ri­tät zwi­schen den Genera­tio­nen. Doch es sind nicht nur Oma und Opa die zu einer Risi­ko­grup­pe gehö­ren, auch Obdach­lo­se und wei­te­re Bedürf­ti­ge gehö­ren dazu. In den letz­ten Tagen sind vie­le Hilfs­an­ge­bo­te wie die Tafeln dras­tisch redu­ziert wor­den, hygie­ni­sche Grün­de wer­den ange­führt und vie­le der ehren­amt­li­chen Helfer*innen gehö­ren (oft alters­be­dingt) selbst zu einer Risi­ko­grup­pe. Auch Ein­rich­tun­gen der Obdach­lo­sen­hil­fe wie die des KALZ e.V. muss­ten zunächst schlie­ßen, ob und wie wei­ter gear­bei­tet wird ist Stand heu­te (20.3.20) unklar.
Dabei gehö­ren Obdach­lo­se und ande­re Bedürf­ti­ge zu den Grup­pen die der Coro­na-Pan­de­mie aktu­ell ohne jeden Schutz aus­ge­lie­fert sind. Wie aber soll #stay­home funk­tio­nie­ren, wenn man kein Zuhau­se hat? Dazu kommt, dass die­se Grup­pe mit­tel­los ist. Sie kön­nen und konn­ten sich in den ver­gan­ge­nen Wochen nicht “mit dem Nötigs­ten” ein­de­cken. Nun müs­sen auch noch die Tafeln und ande­re Ange­bo­te redu­ziert wer­den. Dazu gehen aktu­ell die eige­nen Ein­nah­men auf der Stra­ße zurück. Es fehlt an allem.

Schwes­ter Chris­ti­na Klein (Olper Fran­zis­ka­ne­rin und Obdach­lo­sen­seel­sor­ge­rin im Erz­bis­tum Köln) beschreibt die aktu­el­le Lage in Köln in einem Inter­view mit domradio.de so:
“Es sieht ziem­lich dra­ma­tisch aus. Zuerst spü­re ich die Angst bei den Men­schen, die sehr trau­rig sind und sich ver­las­sen füh­len. Sie wis­sen nicht, wie es wei­ter­geht. Es fehlt ihnen an Treff­punk­ten, an Klei­der­kam­mern, Duschen und Toi­let­ten. Da gene­rell ja nur weni­ge Men­schen auf der Stra­ße sind, gibt es auch kein Geld und kei­ne Fla­schen zum Weg­brin­gen. Eben­so feh­len auch die ehren­amt­li­chen Hel­fer, die sonst immer Aus­ga­ben an den Plät­zen bereit­ge­stellt haben. Die­se Men­schen fal­len größ­ten­teils weg, weil sie zur Risi­ko­grup­pe gehö­ren.”

obdachlos
Don­ners­tag, 17 Uhr auf der Hohe Stra­ße in Köln. Obdach­los in der Coro­na-Kri­se: allein und ohne Ein­nah­men.

Hei­mat­los in Köln e.V. (HiK) möch­te sich in den nächs­ten Wochen ver­stärkt für die­se Men­schen ein­set­zen. HiK wur­de vor eini­gen Jah­ren von der ehe­ma­li­gen Obdach­lo­sen Lin­da Ren­nings gegrün­det, bis heu­te ist sie nah an der Sze­ne dran, und kennt deren Sor­gen und Nöte. Die Idee von HiK ist ein­fach:
Sie möch­ten neben Basis-Infor­ma­tio­nen auf Hand­zet­teln, Ein­kaufs-Gut­schei­ne wei­ter­ge­ben. Die Betrof­fe­nen haben unter­schied­li­che Bedürf­nis­se, man­che brau­chen Essen, ande­re Hygie­ne-Arti­kel und Drit­te viel­leicht Fut­ter für Ihre Hun­de.

Dies soll und kann natür­lich nicht drin­gend not­wen­di­ge Akti­vi­tä­ten der Stadt Köln, und auch ande­rer Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen erset­zen!

An Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen zu spen­den ist eine der Mög­lich­kei­ten Soli­da­ri­tät zu üben, und hat auch einen zwei­ten posi­ti­ven Effekt: Die­se Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wis­sen was zu tun ist.

Da wir die Arbeit von Lin­da und HiK sehr schät­zen, erlau­ben wir uns die­sen Ver­ein hier beson­ders zu erwäh­nen. Selbst­ver­ständ­lich gibt es aber zahl­rei­che wei­te­re, auch grö­ße­re, Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen die eben­falls her­vor­ra­gen­de Arbeit leis­ten.

Wer HiK unter­stüt­zen möch­te fin­det auf die­ser Web­sei­te alle not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen: Hier könnt Ihr spen­den
Wer bei face­book ist, und ein pay­pal-Kon­to hat, kann auch ruck­zuck bei die­ser pri­va­ten Samm­lung des Autors für HiK spen­den.

Dan­ke!


In den nächs­ten Tage wer­den wir auch wei­te­re Hilfs­mög­lich­kei­ten vor­stel­len. Hier der Beginn einer sehr unvoll­stän­di­gen Lis­te:

Selbst ehren­amt­lich hel­fen? Die Stadt Köln ver­sucht Nach­bar­schafts­hil­fen zu koor­di­nie­ren. Hier gibt es Tele­fon­num­mer und Email-Adres­se für Hil­fe­su­chen­de und Frei­wil­li­ge.

Wer der Uni­kli­nik Köln und Erkrank­ten hel­fen möch­te, kann sich auf die­ser Web­sei­te der Kli­nik regis­trie­ren: Hel­fen­de Hän­de

Die Spen­den­sei­te des Köl­ner Arbeits­lo­sen­zen­trums KALZ e.V.


Eine Sei­te aus dem lin­ken Spek­trum bie­tet eben­falls die Orga­ni­sa­ti­on von Nach­bar­schafts­hil­fen an, mit vie­len nütz­li­chen Tele­fon­num­mern. Coro­na Soli­da­ri­tät Köln


Kennt Ihr wei­te­re Hilfs­an­ge­bo­te? Wer braucht Unter­stüt­zung? Bit­te hin­ter­lasst Eure Anre­gun­gen hier als Kom­men­tar. Gute Ide­en wer­den wir ger­ne in neu­en Bei­trä­gen auf­füh­ren.

 

 

Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten. Am 13. September 2020 kandidiert Thor zur Oberbürgermeister*in-Wahl in Köln.

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