Wahlprüfsteine zur OB-Stichwahl: Henriette Reker vs Andreas Kossiski

Am Sonn­tag, 27. Sep­tem­ber, fin­det die Stich­wahl zwi­schen den bei­den OB-Kandidat*innen Hen­ri­et­te Reker und Andre­as Kos­siski statt. Wir haben bei­den im Vor­feld Wahl­prüf­stei­ne gesen­det, die die Schwer­punk­te unse­res Wahl­pro­gramms in die­sen The­men­fel­dern abbil­den:

Lest hier ihre Ant­wor­ten:

Klima- und Umweltschutz

Kli­ma­schutz hat für unse­re Wäh­ler­grup­pe höchs­te Prio­ri­tät.

1. Bis wann wol­len Sie für Köln Kli­ma­neu­tra­li­tät errei­chen? Sind Sie bereit ande­re Zie­le der Stadt­stra­te­gie dafür hin­ten­an zu stel­len? 

Reker: Nach Ent­schei­dung des Rates sol­len die gesamt­städ­ti­schen Emis­sio­nen von Treib­haus­ga­sen gegen­über 1990 im Jahr im Jahr 2030 min­des­tens hal­biert sein, das hie­ße eine Reduk­ti­on auf maxi­mal 6 Mil­lio­nen Ton­nen CO2. Ich möch­te bereits bis 2035 Kli­ma­neu­tra­li­tät errei­chen. Das ist ein ehr­gei­zi­ges Ziel und die Zah­len ver­deut­li­chen, wie wich­tig ver­bind­li­che Mei­len­stei­ne und wirk­sa­me Maß­nah­men sind. Ziel­kon­flik­te las­sen sich hier­bei nicht ver­mei­den und müs­sen im Lich­te des Kli­ma­not­stan­des bewer­tet wer­den.

Kos­siski: Ziel ist es, schnellst­mög­lich Kli­ma­neu­tra­li­tät in Köln zu errei­chen. Mit einem enga­gier­ten Fahr­plan, der von den unter­schied­li­chen Akteu­ren breit getra­gen wird und nie­man­den „auf der Stre­cke lässt“, kann das durch­aus deut­lich vor 2050 gelin­gen. Für die Umset­zung von kon­kre­ten Maß­nah­men bedarf es neben einer Fest­le­gung von Umset­zungs­zeit­räu­men auch der Bereit­stel­lung der benö­tig­ten Finanz­mit­tel. Bei Ziel­kon­flik­ten ste­he ich für eine ver­ant­wor­tungs­vol­le Abwä­gung. 

2. Wie wol­len Sie „Grü­nen Was­ser­stoff“ in Köln för­dern? Was sagen Sie zu einer Quo­ten­vor­ga­be für die Rhein­Ener­gie dem Gas­netz Grü­nen Was­ser­stoff bei­zu­mi­schen? 

Reker: Das ist eine gegen­wär­tig noch offe­ne For­schungs­fra­ge, etwa beim pan­eu­ro­päi­schen For­schungs­pro­jekt ENSURE, an dem sich unter ande­rem das Köl­ner Insti­tut für Ener­gie­wirt­schaft betei­ligt. Mit­tel­fris­tig stellt sich die Fra­ge, ob Grü­ner Was­ser­stoff nicht prio­ri­tär im Trans­port­sek­tor ein­ge­setzt wer­den soll­te, und nicht in der Wär­me­ver­sor­gung.

Kos­siski: Grü­ner Was­ser­stoff wird ein wich­ti­ger Bau­stein für die Ener­gie­wen­de sein. Ich befür­wor­te daher sehr die Ent­wick­lung einer Stra­te­gie, wie grü­ner Was­ser­stoff künf­tig in Köln im Bereich der Ener­gie­ver­sor­gung, aber auch im Bereich der Mobi­li­tät zur Errei­chung der Kli­ma­zie­le bei­tra­gen kann. Damit eröff­nen sich nicht nur neue Per­spek­ti­ven für den Kli­ma­schutz, son­dern auch erheb­li­ches Poten­zi­al für neue Wert­schöp­fungs­ket­ten mit Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­zen in allen Sek­to­ren.

Mit der natio­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung gibt es jetzt einen zuver­läs­si­gen Pfad für den Auf­bau einer ech­ten Was­ser­stoff­wirt­schaft. Für kon­kre­te Maß­nah­men zur Umset­zung sind im Kon­junk­tur­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung bereits finan­zi­el­le Mit­tel im Umfang von neun Mil­li­ar­den Euro hin­ter­legt. Ich wer­de dafür sor­gen, dass sich Köln hier erfolg­reich und zukunfts­fä­hig posi­tio­niert und wer­de das The­ma enga­giert in Koope­ra­ti­on mit der Regi­on und mit Part­nern aus Wirt­schaft und Wis­sen­schaft vor­an­trei­ben. Bei einer Quo­ten­vor­ga­be für die Rhein­Ener­gie wer­de ich die Aus­wir­kun­gen für die Kölner*innen prü­fen und beach­ten, denn mir ist wich­tig, dass Ener­gie bezahl­bar bleibt. 

3. Wie ste­hen Sie zu der Ent­schei­dung Gleue­ler Wie­se? Kön­nen Sie sich vor­stel­len per­sön­lich mit dem FC zu spre­chen, um ihn zu einem Umden­ken in der Stand­ort­fra­ge zu bewe­gen? 

Reker: Ich bin strikt gegen den Aus­bau im Grün­gür­tel. Die Grün­gür­tel sind unse­re grü­ne Lun­ge – ein ein­zig­ar­ti­ges Land­schafts­schutz­ge­biet, eine wich­ti­ge Kalt­luft­ent­ste­hungs­zo­ne und eine bedeu­ten­de Frisch­luft­schnei­se. Ich bin über­zeugt: Wir kön­nen nicht den Kli­ma­not­stand aus­ru­fen und wenig spä­ter öffent­lich zugäng­li­che Grün­flä­chen ein­zäu­nen und mit zusätz­li­chen Fuß­ball­plät­zen, Gebäu­den, Kunst­ra­sen und Flut­lich­tern bebau­en. Mei­ne Stim­me im Rat der Stadt Köln galt dem Schutz der Grün­gür­tel, als Ober­bür­ger­meis­te­rin setz­te ich aller­dings die Mehr­heits­ent­schei­dun­gen des Rates um.

Noch immer hege ich die Hoff­nung, dass sich der FC im Ange­sicht eines lang­jäh­ri­gen Kla­ge­ver­fah­rens auf alter­na­ti­ve Pla­nun­gen ein­lässt. Die Ver­wal­tung stün­de dem FC als Part­ne­rin zur Sei­te. Ich spre­che selbst­ver­ständ­lich per­sön­lich mit dem FC, wenn ich als OB wie­der­ge­wählt bin.

Kos­siski: Im Äuße­ren Grün­gür­tel ent­steht ein Trai­nings- und Leis­tungs­zen­trum für den 1.FC Köln, das den moder­nen Ansprü­chen des Pro­fi­sports gerecht wird. Die­ses bil­det letzt­lich die Grund­la­ge für erfolg­rei­chen Ama­teur- und Brei­ten­sport und kommt allen Sport­trei­ben­den in Köln zu Gute. Die SPD ist dafür bereit, ver­träg­li­che Ein­grif­fe ins Grün zu akzep­tie­ren, um den Ver­bleib des 1. FC Köln an sei­nem aktu­el­len Trai­nings­stand­ort zu unter­stüt­zen. Vor­aus­set­zung für die­se Ent­schei­dung der SPD war, dass der 1. FC Köln eine Viel­zahl an Aus­gleichs­maß­nah­men durch­füh­ren wird, u.a. der Rück­bau von zwei bis­her genutz­ten Flä­chen und deren Rück­ga­be an die Natur sowie Drai­na­ge- und Fil­ter­an­la­gen zum Schutz des Grund­was­sers. Und dass aus­weis­lich des Kli­ma­gut­ach­tens die kli­ma­ti­schen Aus­wir­kun­gen die­ser Ver­sie­ge­lun­gen, die nur 0,4% des Grün­gür­tels betref­fen, mar­gi­nal sind.

Die SPD steht zu ihrem Beschluss und ihrem Bekennt­nis zum „Grün­gür­tel: Impuls 2012 (Mas­ter­plan Äuße­rer Grün­gür­tel)“ und sei­ner Voll­endung – und auch die Stadt­ver­wal­tung soll­te sich nach mei­ner Auf­fas­sung ver­läss­lich an die schon getrof­fe­nen Rats­ent­schei­dun­gen hal­ten. 

4. Wie ste­hen Sie zu einem Dezer­nat Kli­ma­schutz? Kön­nen Sie sich vor­stel­len, Umwelt- und Grün­flä­chen­amt zusam­men­zu­le­gen? 

Reker: Mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern aus Wis­sen­schaft, Wirt­schaft, Woh­nungs­bau, Zivil­ge­sell­schaft und Ver­wal­tung ent­wi­ckeln wir im Kli­ma­rat einen Fahr­plan für alle Sek­to­ren: Ener­gie, Gebäu­de, Mobi­li­tät und Logis­tik, Indus­trie, Ernäh­rung und Kon­sum. Die not­wen­di­gen Maß­nah­men wer­den alle Berei­che der Stadt­ver­wal­tung betref­fen. Des­halb wird es wich­tig sein, Kli­ma­schutz und auch Kli­ma­an­pas­sun­gen als Quer­schnitts­auf­ga­ben zu bear­bei­ten. Ich hal­te ein Dezer­nat für die­se Quer­schnitts­auf­ga­ben für ange­mes­sen. Die Ent­schei­dung dar­über trifft der Rat. Aber eines ist klar: wir brau­chen die effi­zi­en­tes­te Struk­tur, um die ehr­gei­zi­gen Zie­le ver­wirk­li­chen zu kön­nen.

Kos­siski: Ich tre­te an, damit die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen Kölns im Sin­ne der Bürger*innen mit einer effi­zi­en­ten, moti­vier­ten und leis­tungs­star­ken Ver­wal­tung opti­mal gemeis­tert wer­den. Dabei muss sich die Auf­ga­ben­wahr­neh­mung in der Ver­wal­tung künf­tig an den gesamt­städ­ti­schen Ziel­set­zun­gen aus­rich­ten. In die­sem Sin­ne sehe ich auch den Pro­zess zur Ent­wick­lung einer Stadt­stra­te­gie „Köl­ner Per­spek­ti­ven 2030+“, mit der die künf­ti­gen Leit­li­ni­en auch für das Ver­wal­tungs­han­deln in Köln beschrie­ben wer­den.

Im Ziel­ge­rüst ist auch der Leit­satz „Köln wächst kli­ma­ge­recht und umwelt­freund­lich und sorgt für gesun­de Lebens­ver­hält­nis­se„ ver­an­kert. Ent­schei­dend wird sein, alle Ver­wal­tungs­be­rei­che dar­auf aus­zu­rich­ten, ihren Bei­trag zur Errei­chung der Stadt­zie­le zu brin­gen. Die­ser Auf­ga­be wer­de ich mich mit vol­lem Enga­ge­ment wid­men. Soll­ten dazu auch neue Zuord­nun­gen von Auf­ga­ben sinn­voll sein, ist dies — auch mit dem Ziel einer Beschleu­ni­gung von Pro­zes­sen — zu dis­ku­tie­ren. Auf jeden Fall soll­te das The­ma Kli­ma­schutz klar erkenn­bar im Stadt­vor­stand ver­tre­ten sein. 

5. Wie möch­ten Sie kon­kret die Koor­di­na­ti­ons­stel­le Kli­ma­schutz in den nächs­ten zwei Jah­ren stär­ken? 

Reker: Durch eine Auf­nah­me der Kli­ma­fol­gen in Ent­schei­dungs­vor­la­gen der Ver­wal­tung hat die Koor­di­na­ti­ons­stel­le Kli­ma­schutz inner­städ­tisch bereits an Gewicht gewon­nen: sie ist unse­re Fach­stel­le, dort arbei­ten die Exper­tin­nen und Exper­ten. Eine brei­te­re Mit­wir­kung, mehr Ein­fluss­nah­me und eine flä­chen­de­cken­de Bera­tung aller Dienst­stel­len erhöht die Schlag­kraft der Koor­di­na­ti­ons­stel­le. Dafür wer­den wir per­spek­ti­visch mehr per­so­nel­le und finan­zi­el­le Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stel­len müs­sen. Prof. Dr. Tobi­as Göß­ling, der neue Lei­ter unse­rer Koor­di­na­ti­ons­stel­le und Umwelt­de­zer­nent Dr. Harald Rau haben hier­bei mei­ne vol­le Unter­stüt­zung!

Kos­siski: Prio­ri­tät hat die inhalt­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Beglei­tung bei der anste­hen­den Ent­wick­lung des Fahr­plans „Kli­ma­neu­tra­les Köln“ durch die Koor­di­na­ti­ons­stel­le Kli­ma­schutz. Die­se muss per­so­nell so auf­ge­stellt sein, dass die Mei­len­stei­ne „Ent­wick­lung von sek­tor­spe­zi­fi­schen Ein­spar­zie­len“ und im Wei­te­ren die „Ent­wick­lung eines Maß­nah­men­pro­gramms“ mit Zeit­schie­ne zur Umset­zung best­mög­lich in den benann­ten Zeit­räu­men bear­bei­tet wer­den kön­nen. 

6. Was wer­den Sie zum The­ma Grund­was­ser­be­las­tung durch PFC in Godorf unter­neh­men? 

Reker: Das Grund­was­ser in Rondorf/Immendorf ist in Tei­len PFC-belas­tet. Die zustän­di­ge Bezirks­re­gie­rung nimmt bereits eine soge­nann­te Aus­kie­sung vor. Lei­der lässt sich ein Ende der Grund­was­ser­be­las­tung noch nicht bestim­men. Seit dem 5. Mai ver­bie­ten wir daher eine Ver­wen­dung von Grund­was­ser aus pri­va­ten Brun­nen und aus Ober­flä­chen­ge­wäs­sern.

Kos­siski: Die Sanie­rung der betrof­fe­nen Berei­che durch Ent­fer­nung der Schad­stof­fe aus Boden und Grund­was­ser wer­de ich wei­ter zusam­men mit den Ver­ant­wort­li­chen vor­an­trei­ben und mög­lichst beschleu­ni­gen. Für die Anwohner*innen wer­de ich größt­mög­li­che Trans­pa­renz her­stel­len und sie z.B. durch die Mög­lich­keit der Abset­zung von Abwas­ser­ge­büh­ren für die Gar­ten­be­wäs­se­rung oder die kos­ten­freie Abga­be von Trink­was­ser­uh­ren wei­ter unter­stüt­zen, da auf­grund der All­ge­mein­ver­fü­gung Brun­nen nicht zur Bewäs­se­rung genutzt wer­den dür­fen. Dabei unter­stüt­ze ich auch Über­le­gun­gen, die Anwohner*innen durch eine Redu­zie­rung der Trink­was­ser­ge­büh­ren zu unter­stüt­zen, wobei ich die Ver­wen­dung von auf­ge­fan­ge­nem Regen­was­ser für die bes­te Alter­na­ti­ve zur Gar­ten­be­wäs­se­rung erach­te. 

7. Wie ste­hen Sie der Rea­li­sie­rung eines kli­ma­neu­tra­len* Stadt­teil Kreuz­feld gegen­über (*Errich­tung und Ener­gie­ver­sor­gung)?

Reker: Kli­ma­neu­tra­li­tät in der Bau­pha­se ist deut­li­cher schwie­ri­ger zu errei­chen als im Betrieb, wo Plus-Ener­gie-Häu­ser ja seit Jah­ren mög­lich sind und hof­fent­lich bald Stan­dard wer­den. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn die beträcht­li­chen Emis­sio­nen bei der Her­stel­lung, beim Trans­port und beim Ein­satz von Bau­stof­fen berück­sich­tigt wer­den. Grund­sätz­lich ist Kli­ma­neu­tra­li­tät sowohl im Bau als auch der Ener­gie­ver­sor­gung erstre­bens­wert, daher wer­de ich mich im Rat für die pla­nungs­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ein­set­zen.

Kos­siski: Selbst­ver­ständ­lich muss der Beschluss zum Kli­ma­not­stand bei der Ent­wick­lung von Kreuz­feld beach­tet wer­den. Dies muss auch in Form einer mög­lichst kli­ma­neu­tra­len Ent­wick­lung und Ver­sor­gung von Gebäu­den erfol­gen. Gleich­wohl müs­sen wir für die Schaf­fung von bezahl­ba­rem Wohn­raum sor­gen. Ich set­ze mich dafür ein, dass vie­le Gebäu­de in Holz­bau­wei­se gebaut wer­den – das geht zudem schnel­ler und sieht auch noch gut aus. Kreuz­feld soll­te als Modell­pro­jekt für ande­re Bau­ge­bie­te die­nen. Wir müs­sen die Zie­le der Woh­nungs­po­li­tik mit den Anfor­de­run­gen der Kli­ma­po­li­tik best­mög­lich ver­ei­ni­gen.
Dazu sol­len alle Mög­lich­kei­ten einer kli­ma­scho­nen­den Bebau­ung aus­ge­nutzt wer­den: ange­fan­gen von Flä­chen­aus­nut­zung über öko­lo­gi­sche und nach­hal­ti­ge Bau­stof­fe, Dach- und Fas­sa­den­be­grü­nung bis zu Solar­ener­gie, Solar­ther­mie und Fern­wär­me aus alter­na­ti­ven Ener­gie­quel­len. Dazu zählt eben­falls eine zukunfts­fä­hi­ge Mobi­li­täts­in­fra­struk­tur mit attrak­ti­ven Ange­bo­ten, ins­be­son­de­re für zu Fuß Gehen­de, Radfahrer*innen und ÖPNV-Nutzer*innen. 


Mobilität 

1. Wie möch­ten Sie Bar­rie­re­frei­heit im öffent­li­chen Raum gewähr­leis­ten (Stich­wor­te: Geh­weg­par­ken, feh­len­de Auf­zü­ge an Hal­te­stel­len …)? Wie möch­ten Sie kon­kret die unbe­setz­ten Stel­len im Ord­nungs­amt beset­zen? 

Reker: Wir wer­den den gesetz­li­chen Hand­lungs­rah­men voll­stän­dig aus­schöp­fen. Zu oft wer­den noch Fahr­zeu­ge, die an Kreu­zun­gen falsch par­ken, den Geh­weg zu stark ein­schrän­ken oder Lade­zo­nen bele­gen nicht abge­schleppt. Das ist nicht nur – aber auch – eine Res­sour­cen-Fra­ge. Wich­tig ist mir dabei, dass der Ver­kehrs­dienst für die Belan­ge von zu Fuß gehen­den und Rad­fah­ren­den sen­si­bi­li­siert ist und hin­ter restrik­ti­ve­ren Maß­nah­men steht. Dazu set­ze ich das „Zukunfts­Rad“, ein Pro­jekt bei dem ver­wal­tungs­in­tern Rad­ver­kehrsthe­men ämter­über­grei­fend abge­stimmt wer­den, mit erhöh­ter Inten­si­tät fort. Gleich­zei­tig wer­de ich natür­lich mei­ne ent­spre­chen­de Erwar­tungs­hal­tung wei­ter for­mu­lie­ren.

Natür­lich bleibt das Akqui­rie­ren von zusätz­li­chem Per­so­nals eine Her­aus­for­de­rung. Für Ord­nungs­kräf­te gilt aus mei­ner Sicht das Glei­che wie für neue Ver­kehrs­pla­nen­de und alle städ­ti­schen Bediens­te­ten: Sie müs­sen davon über­zeugt wer­den, dass sie bei einer pro­gres­si­ven Stadt­ver­wal­tung arbei­ten. Bei einer Ver­wal­tung, die gro­ße Zie­le hat für die Stadt. Dafür ste­he ich als Ober­bür­ger­meis­te­rin und ich hof­fe sehr, dass es uns gelingt dies auch zu ver­mit­teln. Wir haben ein Pro­jekt „Die Stadt als attrak­ti­ve Arbeit­ge­be­rin“ initi­iert. Ein Schlüs­sel ist eine gute Per­so­nal­aus­wahl, aber auch Kom­mu­ni­ka­ti­on. Auch die Stadt­ver­wal­tung Köln kann für inno­va­ti­ve Pro­jek­te ste­hen. Dafür habe ich mich immer stark gemacht und das wer­de ich bei­be­hal­ten.

Das The­ma Bar­rie­re­frei­heit im ÖPNV ist tat­säch­lich eine rie­sen­gro­ße Her­aus­for­de­rung. Zum Bei­spiel habe ich mich immer wie­der für den bar­rie­re­frei­en Aus­bau der Bahn­hö­fe Messe/Deutz und Köln-Süd enga­giert. In Deutz wur­de im Sep­tem­ber bereits mit dem Bau neu­er Roll­trep­pen für die Fern­ver­kehrs­glei­se begon­nen. Auf­zü­ge wer­den im ers­ten Halb­jahr 2021 ein­ge­baut. Auch in Köln-Süd beginnt der Bau zeit­nah. Der weit­aus über­wie­gen­de Teil der Stadt­bahn­hal­te­stel­len (fast 90 %) ist bereits stu­fen­frei zugäng­lich und ermög­licht einen annä­hernd niveau­glei­chen Ein­stieg in die Fahr­zeu­ge. Wich­ti­ge Hal­te­stel­len wur­den in den letz­ten Jah­ren und Mona­ten mit Hoch­druck abge­ar­bei­tet. Die Hal­te­stel­len „Vingst“ wird bis Ende 2020 fer­tig­ge­stellt, Bau­be­ginn am Frie­sen­platz ist 2023. Der Pla­nungs­be­schluss für den Bar­ba­ros­sa­platz ist ein­ge­holt. Trotz­dem ist der Fort­schritt im bar­rie­re­frei­en Aus­bau noch nicht zufrie­den­stel­lend – ich blei­be dran!

Kos­siski: Das The­ma „Bar­rie­re­frei­heit“ hat für mich hohe Bedeu­tung. Kon­kret ver­fol­ge ich dazu die Ansät­ze: kon­se­quen­te Ahn­dung von Geh­weg­par­ken — das gilt im Übri­gen auch für Par­ken auf Rad­we­gen, für Leih­rä­der, E‑Scooter etc. set­ze ich mich für die Zuwei­sung ver­bind­li­cher Abstell­flä­chen ein, um die Geh­we­ge hier­von frei­zu­hal­ten. Die Umset­zung der Prio­ri­tä­ten­lis­te für den bar­rie­re­frei­en Umbau von Hal­te­stel­len will ich durch Zuset­zung der erfor­der­li­chen per­so­nel­len Res­sour­cen im Amt 69 beschleu­ni­gen. Tat­säch­lich ist es mir nicht erklär­lich, war­um es die Stadt seit Jah­ren nicht schafft, die unbe­setz­ten Stel­len im Ord­nungs­dienst zu beset­zen. Und dass trotz der vie­len Mil­lio­nen Euro und sons­ti­gen Res­sour­cen, die im Rah­men der Ver­wal­tungs­re­form der Ober­bür­ger­meis­te­rin auf­ge­wandt wor­den sind. Ich bin mir sicher, dass es mir zügig gelin­gen wird, die­se Stel­len mit guten Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern zu beset­zen. 

2. Wie ste­hen Sie zur aktu­el­len Beschluss­la­ge zum Nieh­ler Gür­tel (Rad­weg & Park statt Auto­spur)? Und wie wol­len Sie die Umset­zung des Beschlus­ses beschleu­ni­gen? 

Reker: Der Nieh­ler Gür­tel soll Teil des städ­ti­schen Rad­schnell­we­ge­net­zes wer­den. Die­ses Teil­stück ist für das Gelin­gen der Ver­kehrs­wen­de aus mei­ner Sicht ein essen­ti­el­les Pro­jekt! In den letz­ten 12 Mona­ten haben wir den Nieh­ler Gür­tel bereits mit einer hohen Prio­ri­tät geplant. Bis 2023 soll die Ver­bin­dung voll­stän­dig und in Rad­schnell­we­ge­qua­li­tät her­ge­stellt sein. Vor­ge­zo­ge­ne Maß­nah­men (Absen­kung Board­stei­ne etc.) lau­fen bereits.

Kos­siski: Der Beschluss im Rat zum Nieh­ler Gür­tel wur­de mehr­heit­lich gefasst und ist Grund­la­ge für die lau­fen­de Kon­kre­ti­sie­rung der Vor­ent­wurfs­pla­nung für eine Fuß- und Rad­weg­ver­bin­dung. Als Ober­bür­ger­meis­ter sind für mich gel­ten­de Rats­be­schlüs­se selbst­ver­ständ­lich bin­dend und Grund­la­ge für das Ver­wal­tungs­han­deln. 

3. Wie ste­hen Sie zum Aus­bau der A4 an der Roden­kir­che­ner Brü­cke (A4Plus)? 

Reker: Die Auf­nah­me der Erwei­te­rung der Süd­brü­cke in den Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan zeigt erst ein­mal, dass eine hohe ver­kehr­li­che Bedeu­tung sowohl zur Redu­zie­rung des Ver­kehrs auf Alter­na­tiv­stre­cken besteht, als auch der effi­zi­en­te­ren Abwick­lung von Logis­tik­ket­ten. Mehr Mobi­li­tät und mehr Wirt­schafts­ver­keh­re sind das aus­schlag­ge­ben­de Argu­ment für die­se Ver­bin­dung. Trotz­dem müs­sen wir uns bei jedem Stra­ßen­neu­bau und Stra­ßen­aus­bau­pro­jekt mehr denn je dem kli­ma- und umwelt­po­li­ti­schen Abwä­gungs­pro­zess stel­len.

Jede neue Ver­bin­dung indu­ziert neue Ver­keh­re und damit neue Emis­sio­nen. Des­we­gen ver­spre­che ich: Ich höre mir alle Argu­men­te von Befür­wor­tern und Geg­nern, Anlie­gern und Pend­lern an und ent­schei­de im Hin­blick auf den tat­säch­li­chen Ver­kehrs­nut­zen, die Kli­ma- und Umwelt­ver­träg­lich­keit und den Schutz der Anwoh­nen­den. Dazu wer­de ich einen ernst­haf­ten und kon­ti­nu­ier­li­chen Dia­log mit dem Ver­fah­rens­trä­ger (Straßen.NRW) füh­ren und trans­pa­rent machen.

Kos­siski: Zum jet­zi­gen Zeit­punkt lie­gen noch kei­ne kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt vor. Pla­nun­gen und ins­be­son­de­re Vor­schlä­ge zu Tras­sen­va­ri­an­ten sind, sobald die­se vor­lie­gen, auf­grund der hohen ver­kehr­li­chen Bedeu­tung der A 4 für Köln und auch für die Regi­on nach ihrem ver­kehr­li­chen Nut­zen und ihren jewei­li­gen Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Umwelt sorg­fäl­tig zu prü­fen und zu bewer­ten. 

4. Wie stel­len Sie sicher, dass der Beschluss zum Rhein­pen­del (Mach­bar­keits­stu­die) durch die Ver­wal­tung unver­züg­lich umge­setzt wird? Wie ste­hen Sie zu einer Pilot­stre­cke, etwa Porz – Roden­kir­chen oder vom Bres­lau­er Platz zur Mes­se? 

Reker: Das Ergeb­nis der Mach­bar­keits­stu­die soll­ten wir abwar­ten, bevor wir über die Umset­zung spre­chen. Denn wir brau­chen für die­se Pro­jekt ganz neu­es Know-How und selbst­ver­ständ­lich auch Finanz­mit­tel. Die Mach­bar­keits­stu­die muss daher erst ein­mal Aus­sa­gen zur För­der­wür­dig­keit für Lan­des- und Bun­des­mit­tel und zum ver­kehr­li­chen Nut­zen tref­fen. Der Rhein­pen­del ist eine inno­va­ti­ve Idee, die aber auch einen gesell­schaft­li­chen Kon­sens braucht, da sie das Bild der Stadt nach­hal­tig ver­än­dern wür­de.

Sobald die Mach­bar­keits­stu­die vor­liegt und sie posi­ti­ve Ten­den­zen skiz­ziert, wer­de ich daher einen Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­zess initi­ie­ren. Auch eine Pilot­stre­cke soll­te von den Ergeb­nis­sen der Mach­bar­keits­stu­die abhän­gen. Wir müs­sen hier­bei beden­ken: Auf der einen Sei­te kann eine Pilot­stre­cke hel­fen Akzep­tanz zu schaf­fen und Know-how auf­zu­bau­en, auf der ande­ren Sei­te besteht das Risi­ko, dass eine gerin­ge Nut­zung (da nicht voll­stän­dig aus­ge­baut oder inte­griert in das gesam­te ÖPNV Sys­tem) die Akzep­tanz in der Bevöl­ke­rung min­dert.

Kos­siski: Das ist ein wei­te­res trau­ri­ges Bei­spiel dafür, dass es aktu­ell mit Pro­jek­ten in Köln nicht vor­wärts geht. Eine ver­gleich­ba­re Situa­ti­on- auch wenn hier Ergeb­nis­se schon viel län­ger auf sich war­ten las­sen — haben wir bei der Mach­bar­keits­stu­die für ein Was­ser­bus­sys­tem auf dem Rhein oder aber auch bei dem Auf­trag zum Express­bus-Netz, bei­des Rats­auf­trä­ge aus Mai 2016! Ich tre­te an, um die­sen Still­stand zu been­den. Das ist letzt­lich auch eine Fra­ge der Prio­ri­tä­ten.

Für mich hat der Aus­bau des ÖPNV — auch durch inno­va­ti­ve Lösun­gen wie Was­ser­bus­se oder Seil­bah­nen — hohe Prio­ri­tät. Seil­bahn­lö­sun­gen ste­he ich auf­ge­schlos­sen gegen­über und wer­de sinn­vol­le Vor­schlä­ge unter­stüt­zen und vor­an­trei­ben. Zügi­ge Ergeb­nis­se der Mach­bar­keits­stu­di­en ermög­li­chen auch eine Ent­schei­dung, wie sich zeit­nah best­mög­lich eine direk­te Ver­bin­dung über den Rhein zwi­schen Porz und Roden­kir­chen rea­li­sie­ren lässt: mit einem Was­ser­bus oder einer Seil­bahn. Ein Ver­fech­ter einer sol­chen Ver­bin­dung bin ich alle­mal und wer­de die sinn­volls­te Lösung hier­für vor­an­trei­ben. Dabei muss sicher­ge­stellt sein, dass die Ver­wal­tung für die Bear­bei­tung der Pro­jek­te zum Aus­bau des ÖPNV mit aus­rei­chen­dem Per­so­nal aus­ge­stat­tet ist. 

5. Wie ste­hen Sie zu einer ober­ir­di­schen Lösung beim Aus­bau der Ost-West-Ach­se?

Reker: Es ist grund­sätz­lich rich­tig und nach­voll­zieh­bar, dass auch eine ober­ir­di­sche Lösung geprüft wird, auch da die­se eine kür­ze­ren Umset­zungs­ho­ri­zont hat.

Bekannt­lich habe ich mich für einen Tun­nel aus­ge­spro­chen, davon haben mich drei wesent­li­che Argu­men­te über­zeugt:

  • Ers­tens ermög­licht uns die Tun­nel­lö­sung, mehr Raum für Men­schen zu schaf­fen, Raum zur Begeg­nung, Raum zum Ver­wei­len. Und nicht mehr Raum für Autos.
  • Zwei­tens trennt eine Schie­nen­ver­bin­dung sozia­le, städ­te­räum­li­che und ver­kehr­li­che Räu­me. Die Auf­ent­halts­qua­li­tät und die Schie­nen­über­que­run­gen sind stark ein­ge­schränkt, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund der hohen Takt­dich­te von 90 Meter Lang­zü­gen.
  • Und drit­tens ist die betrieb­li­che Qua­li­tät von Stra­ßen­bah­nen ober­ir­disch deut­lich gerin­ger und stör­an­fäl­li­ger, einem hoch­ver­dich­te­ten und hof­fent­lich viel genutz­ten urba­nem Raum sowie­so.

Beim wei­te­ren Vor­ge­hen – ganz gleich ob ober- oder unter­ir­disch – sind aber zwei Umset­zungs­be­din­gun­gen zu berück­sich­ti­gen: die För­der­fä­hig­keit (Lan­des- und Bun­des­mit­tel) sowie die poli­ti­schen Mehr­hei­ten. Soll­te sich die bevor­zug­te Tun­nel­lö­sung auf­grund man­geln­der För­der­fä­hig­keit oder unüber­schau­ba­rer Finanz- und Zeit­plan­ri­si­ken gegen­über der ober­ir­di­schen Vari­an­te als deut­lich unat­trak­ti­ver dar­stel­len oder bzw. und sich eine Mehr­heit der poli­ti­schen Gre­mi­en für eine ober­ir­di­sche Pla­nung ein­set­zen, las­se ich die­se von der Ver­wal­tung natür­lich mit vol­ler Ener­gie umset­zen. Dabei bleibt mein Ziel: ein hoch­at­trak­ti­ver öffent­li­cher Raum mit mehr Platz für zu Fuß gehen­de und Fahr­rad­fah­ren­de.

Kos­siski: Der ober­ir­di­sche Aus­bau ist Teil der von der SPD vor­ge­schla­ge­nen Lösung zur Schaf­fung zukunfts­fä­hi­ger Kapa­zi­tä­ten auf der Ost-West-Ach­se. Für mich ist die Fra­ge der Kapa­zi­tä­ten in der lau­fen­den Dis­kus­si­on eine zen­tra­le. Ich ste­he für eine Lösung, die wirk­lich zukunfts­fä­hi­ge Kapa­zi­tä­ten auf die­ser für das gesamt­städ­ti­sche Stadt­bahn­netz zen­tra­len Ach­se schafft. Dazu soll ein zügi­ger ober­ir­di­scher Umbau erfol­gen, damit schnellst­mög­lich Lang­zü­ge ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Durch den Weg­fall von Links­ab­bie­gern für den MIV zwi­schen Heu­markt und Uni­ver­si­täts­stra­ße wird die Betriebs­qua­li­tät für den Stadt­bahn­ver­kehr erhöht. Mit der so erreich­ten Stei­ge­rung des Platz­an­ge­bo­tes um 50 % ist es aber aus mei­ner Sicht nicht getan. Bei der gewoll­ten wei­te­ren Erhö­hung des ÖPNV-Anteils am Modal Split und ange­sichts der Dis­kus­sio­nen um deut­lich preis­güns­ti­ge­ren ÖPNV wären die Bah­nen schon bald wie­der über­füllt.

Ich möch­te daher jetzt auf den Weg brin­gen, dass im zwei­ten Schritt der ober­ir­di­sche Bahn­be­trieb durch unter­ir­di­sche Metro­li­ni­en ergänzt wird. Mit einem Tun­nel unter dem Rhein wird es mög­lich, dass die Lini­en 1 und 9 durch­ge­hend vom Kal­ker Tun­nel bis zum Aache­ner Wei­her stö­rungs­frei unter­ir­disch fah­ren. Die Linie 7 fährt dann wei­ter­hin über die Deut­zer Brü­cke und soll nach dem Neu­markt künf­tig Rich­tung Sülz fah­ren. Hier ist zudem eine Ver­dich­tung des Tak­tes mög­lich und sinn­voll. Das wäre eine Tun­nel­lö­sung auf der Ost-West-Ach­se, die im Gegen­satz zu allen ande­ren Tun­nel­mo­del­len für eine ech­te Kapa­zi­täts­stei­ge­rung sorgt.

Mit der Umset­zung des 2‑E­be­nen-Modells wür­de eine attrak­ti­ve Ost-West-Ach­se mit trag­fä­hi­gen Kapa­zi­tä­ten für eine Ver­kehrs­wen­de in Köln geschaf­fen. Der ober­ir­di­sche Aus­bau soll nach die­sen Vor­stel­lun­gen durch die Bün­de­lung des MIV auf der Süd­sei­te des Neu­markt und auf Richard-Wag­ner-Stra­ße voll­endet wer­den. Der Rück­bau der Schie­nen zwi­schen Neu­markt und Eisen­bahn­ring ermög­licht die Umge­stal­tung der Aache­ner Stra­ße zuguns­ten des Rad- und Fuß­ver­kehrs. Für bei­de Vari­an­ten hat der Rat eine Mach­bar­keits­stu­die beauf­tragt. Sobald die­se vor­liegt wer­de ich die Vari­an­ten kri­tisch auch auf ihre Fol­gen für die Gesamt­stadt und den städ­ti­schen Haus­halt prü­fen. Eine Tun­nel­lö­sung darf z.B. nicht zum Weg­fall ande­rer Schie­nen­aus­bau­plä­ne füh­ren. 

6. Wie ste­hen Sie zu einer sozi­al ver­träg­li­chen City-Maut um Pro­jek­te der Ver­kehrs­wen­de zu finan­zie­ren? 

Reker: Eine City Maut wird momen­tan ins­be­son­de­re in Mün­chen als Reak­ti­on auf Vor­schlä­ge des IfO Insti­tuts dis­ku­tiert. Auch Ber­lin erstellt der­zeit eine Mach­bar­keits­stu­die. Die öko­no­mi­sche Grün­de für eine City Maut kann ich nach­voll­zie­hen. Der Auto­ver­kehr ver­ur­sacht Kos­ten für uns alle. Aller­dings sind die Rah­men­be­din­gun­gen in Ber­lin und Mün­chen ande­re als in Köln. Hier müss­te min­des­tens ein regio­na­ler wenn nicht sogar lan­des­wei­ter Ansatz gewählt wer­den. Sonst kommt es zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen und Aus­weich­ver­keh­ren (wie z.B. in Stock­holm). Eine Beprei­sung muss immer sozi­al und wett­be­werbs­neu­tral aus­ge­stal­tet sein.

Park­ge­büh­ren erzie­len ohne einen gro­ßen Ver­wal­tungs­auf­wand übri­gens ähn­li­che Effek­te. Auch auf­grund der kli­ma­po­li­ti­schen Zie­le sowie die anste­hen­de Ände­rung der gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für die Beprei­sun­gen des Anwoh­ner­par­kens könn­ten hier wei­te­re Stell­schrau­ben mit einem gerin­ge­ren Ver­wal­tungs­auf­wand als bei einer City­Maut lie­gen. Pro­ble­ma­tisch ist bei den Park­ge­büh­ren jedoch, dass wir nicht so frei in der Ver­wen­dung sind. Hier wer­de ich mich beim Land dafür ein­set­zen, dass wir Park­ge­büh­ren direkt zur Finan­zie­rung des ÖPNV ein­set­zen kön­nen. Sowohl öko­no­misch als auch kli­ma­po­li­tisch macht es Sinn, dass der Auto­ver­kehr den ÖPNV sub­ven­tio­niert. Das per­fek­te Instru­ment haben wir der­zeit zumin­dest kom­mu­nal noch nicht. Daher beob­ach­te ich die Ent­wick­lun­gen in Mün­chen und Ber­lin mit gro­ßem Inter­es­se.

Kos­siski: Zur Finan­zie­rung von Pro­jek­ten der Ver­kehrs­wen­de stel­le ich mir ins­be­son­de­re die Ein­rich­tung eines Mobi­li­täts­fonds und die ziel­ge­rich­te­te Ver­wen­dung von Ein­nah­men aus Park­ge­büh­ren vor. Eine City-Maut, die es nur noch Wohl­ha­ben­den erlaubt, in die Innen­stadt zu fah­ren, leh­ne ich ab. 

7. Pla­nen Sie den städ­ti­schen Fuhr­park (und den der KVB) auf Fahr­zeu­ge mit Brenn­stoff­zel­len-Tech­nik (FCEV) umzu­stel­len? 

Reker: Nein. Aus Kli­ma­schutz­sicht und einer Bewer­tung der Tech­no­lo­gien nach heu­ti­gem Stand der Tech­nik gilt es die Flot­ten da wo mög­lich mit bat­te­rie­elek­tri­schen Fahr­zeu­gen zu elek­trif­zie­ren. Der Wir­kungs­grad von Elek­tro­au­tos ist deut­lich bes­ser (ca. 70%) als der Wir­kungs­grad von Brenn­stoff­zel­len­fahr­zeu­gen. Mit ande­ren Wor­ten: um die glei­che Stre­cke zu fah­ren brau­chen FCEV Fahr­zeu­ge deut­lich mehr Strom. Auch mit erneu­er­ba­ren Ener­gien müs­sen wir spar­sam umge­hen. Aus die­sem Grund set­zen wir auch bei der KVB in ers­ter Linie auf bat­te­rie­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge. Trotz­dem hal­te ich viel von der Brenn­stoff­zel­len­tech­no­lo­gie.

Die Fahr­zeu­ge, die wir nicht mit Bat­te­rien aus­stat­ten kön­nen (z.B. Regio­nal­bus­se, schwe­re Las­ter, Räum­fahr­zeu­ge, Müll­fahr­zeu­ge, Schif­fe) sol­len mit Was­ser­stoff betrie­ben wer­den. Das mag im Ein­zel­fall auch für KVB-Rou­ten der Fall sein. In mei­nem Auf­trag hat die Stadt­ver­wal­tung in den letz­ten 12 Mona­ten gemein­sam mit unse­ren Nach­bar­kom­mu­nen mit hohem Auf­wand am Wett­be­werb des Lan­des teil­ge­nom­men, um Modell­re­gi­on für Was­ser­stoff zu wer­den. Die ers­te Run­de haben wir erfolg­reich bestrit­ten. Pro­jek­te für Köln sind u.a. die wei­te­re Aus­stat­tung der RVK mit Was­ser­stoff­bus­sen, der Auf­bau von regio­na­len Kom­pe­tenz­zen­tren für Was­ser­stoff, Pilot­an­wen­dun­gen in der Schiff­fahrt und für Shut­tle­bus­se mit hoher Fahr­leis­tung.

Kos­siski: Das ist für mich eine sehr gute und nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de län­ger­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve. Der­zeit steht beim städ­ti­schen Fuhr­park wie auch bei der KVB die Elek­tri­fi­zie­rung im Vor­der­grund, die es ermög­licht, recht zügig und effi­zi­ent von Ver­bren­nungs­mo­to­ren auf umwelt­scho­nen­de­re Antriebs­tech­nik umzu­stei­gen. In Zukunft ver­stärkt auf Brenn­stoff­zel­len­tech­no­lo­gie zu set­zen, ist für mich — auch mit Blick auf die hie­si­ge Auto­mo­bil­in­dus­trie — eine wich­ti­ge Zukunfts­stra­te­gie. 


Kultur 

1. Wie wol­len Sie die Club‑, Ver­an­stal­tungs- und Gas­tro­no­mie­sze­ne durch die Coro­na­kri­se (und auch dar­über hin­aus) unter­stüt­zen? 

Reker: Wir haben bereits ein umfas­sen­des Maß­nah­men­pro­gramm auf den Weg gebracht: So von März bis Dezem­ber 2021 wer­den kei­ne Son­der­nut­zungs­ge­büh­ren für bestehen­de und auch neue Außen­gas­tro­no­mie­flä­chen erho­ben. Zudem kön­nen bestehen­de Außen­gas­tro­no­mie­flä­chen in einem ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren erwei­tert wer­den. Anträ­ge aus der Gas­tro­no­mie, die bis­lang noch kei­ne Außen­gas­tro­no­mie haben, wer­den mit hoher Prio­ri­tät bear­bei­tet, bedür­fen aber einer län­ge­ren Bear­bei­tungs­zeit.

Wir voll­zie­hen eine groß­zü­gi­ge Ein­zel­fall­prü­fung bei der Ver­län­ge­rung der Öff­nungs­zei­ten, die mehr Ein­nah­men ermög­li­chen. Im Ord­nungs­amt habe ich eine zen­tra­le Anlauf­stel­le für die Gas­tro­no­mie geschaf­fen. Gewer­be­steu­er­pflich­ti­ge Unter­neh­men und Gewer­be­trei­ben­de – ob Clubs, Ver­an­stal­ter oder Gas­tro­no­mie – kön­nen eine Absen­kung der Gewer­be­steu­er­vor­aus­zah­lun­gen bean­tra­gen. Städ­ti­sche Abga­ben und kom­mu­na­le Steu­ern kön­nen gestun­det wer­den, etwa Grund­steu­ern, Abfall‑, Stra­ßen­rei­ni­gungs- und Abwas­ser­ge­büh­ren, Ver­gnü­gungs­steu­ern, Zweit­woh­nungs­steu­ern und Kul­tur­för­der­ab­ga­ben. Zur Ver­mei­dung von Liqui­di­täts­eng­päs­sen kön­nen sogar Stun­dungs­zin­sen erlas­sen wer­den.

Die Ver­wal­tung, die Köln­Busi­ness Wirt­schafts­för­de­rungs-GmbH, der Han­dels­ver­band, die IHK, die Deho­ga und die Klub­komm ste­hen in einem per­ma­nen­ten Aus­tausch. Mit ist eine Sta­bi­li­sie­rung auch für die Zeit nach Coro­na wich­tig.

Kos­siski: Die Club‑, Ver­an­stal­tungs- und Gas­tro­no­mie­sze­ne ist durch die Coro­na­kri­se so schwer getrof­fen, wie kaum ein ande­rer Bereich. Hier ist es drin­gend nötig, sub­stan­ti­el­le Unter­stüt­zung zu leis­ten. Grund­sätz­lich ist es mein Ziel, krea­ti­ve Kon­zep­te zum Umgang mit der Pan­de­mie zu unter­stüt­zen. Hier wer­de ich in die Ver­wal­tung ein star­kes Signal des Ermög­li­chens statt des Tot­prü­fens sen­den. Das bedeu­tet in der Gas­tro­no­mie bei­spiels­wei­se die pro­ak­ti­ve Unter­stüt­zung von Außen­gas­tro­no­mie­kon­zep­ten und Pop-Up-Bier­gär­ten oder coro­na­kon­for­men Ver­an­stal­tungs­kon­zep­ten (bspw. im Frei­en). Für alle Berei­che wer­de ich mich mit dem gan­zen Gewicht des Amtes des Köl­ner Ober­bür­ger­meis­ters bei der Lan­des­re­gie­rung für unbü­ro­kra­ti­sche finan­zi­el­le Hil­fen ein­set­zen. Die­se müs­sen fair und trans­pa­rent ver­teilt wer­den.

Für die Club­sze­ne habe ich über Coro­na hin­aus einen ganz eige­nen Plan: eine Köl­ner Stif­tung für Club­kul­tur. Hier­zu stellt die Stadt Köln ein Stif­tungs­ka­pi­tal von 10 Mil­lio­nen Euro bereit. Die­se Mit­tel sind im städ­ti­schen Haus­halt inves­tiv, müs­sen also nicht an ande­rer Stel­le ein­ge­spart wer­den. Das Kapi­tal kann die Stif­tung bei­spiels­wei­se in Immo­bi­li­en inves­tie­ren, in denen sich Clubs befin­den oder zukünf­tig befin­den könn­ten. Dadurch erhal­ten die Clubs einen Ver­mie­ter, der ein Inter­es­se an der Stär­kung der Club­kul­tur hat und nicht bei der nächs­ten Aus­sicht auf eine hoch­prei­si­ge Grund­stücks­ent­wick­lung die Kün­di­gung aus­spricht.

Aus den Miet­ein­nah­men kann die Stif­tung dann güns­ti­ge Dar­le­hen und Zuschüs­se für Köl­ner Clubs bereit­stel­len, bei­spiels­wei­se für Schall­schutz­maß­nah­men oder – gera­de in Pan­de­mie­zei­ten viel­leicht bald wich­tig – neue Lüf­tungs­an­la­gen. Ins­ge­samt bleibt damit ein grö­ße­rer Teil der in der Club­sze­ne erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne auch in der Sze­ne selbst. Ein Erfolg für alle, wie es in Ham­burg schon seit Jah­ren prak­ti­ziert wird. 

2. Was wol­len Sie in Zukunft für die freie Kul­tur­sze­ne tun? 

Reker: In mei­ner Amts­zeit wur­de die Finan­zie­rung der frei­en Sze­ne auf ganz neue Bei­ne gestellt und das Bud­get mit der Unter­stüt­zung von GUT deut­lich erhöht. Ich wer­de die freie Sze­ne ins­be­son­de­re durch die stär­ke­re Bereit­stel­lung von Raum für freie Kunst und Kul­tur stär­ken. Ins­ge­samt ist das Bud­get in mei­ner Amts­zeit um 50 Mil­lio­nen Euro erhöht wor­den. Ein gro­ßer Anteil davon kommt der frei­en Sze­ne zugu­te.

Kos­siski: Ein gro­ßes Anlie­gen der frei­en Kul­tur­sze­ne ist die Bereit­stel­lung von Flä­chen. Ich will, dass Kul­tur­or­te erhal­ten blei­ben und dort, wo neue Veedel ent­ste­hen, auch neue Kul­tur­or­te von Anfang an nicht nur mit­ge­dacht, son­dern auch ver­bind­lich mit­ge­plant und fest­ge­schrie­ben wer­den. Dort, wo leer­ste­hen­de Gewer­be­flä­chen unse­re Innen­stadt ver­öden möch­te ich Kul­tur­schaf­fen­de die Mög­lich­keit zur Zwi­schen­nut­zung geben und hier­für eine Agen­tur nach Vor­bild der Ham­bur­ger Krea­tiv­ge­sell­schaft grün­den, wel­che pas­sen­de Leer­stän­de iden­ti­fi­ziert und ver­mit­telt.

Bei der För­de­rung der Frei­en Sze­ne will ich büro­kra­ti­sche Hür­den abbau­en. Dies soll bei­spiels­wei­se durch eine Aus­wei­tung der Fest­be­trags­fi­nan­zie­rung von Pro­jek­ten gesche­hen. Wei­ter­hin for­de­re ich, dass Künst­le­rin­nen und Künst­ler bei städ­tisch geför­der­ten Ver­an­stal­tun­gen ein Min­dest­ho­no­rar erhal­ten- denn künst­le­ri­sche Arbeit ist kein Hob­by! Um die Freie Sze­ne zeit­ge­mäß För­dern zu kön­nen, möch­te ich das Kul­tur­amt aus­bau­en zu einem Dienst­leis­ter, der nicht nur die städ­ti­schen Mit­tel ver­gibt und ver­wal­tet, son­dern auch über die För­der­land­schaft von Bund, Land oder Drit­ten infor­miert und berät. Ein beson­de­res Anlie­gen sind mir die The­men Inklu­si­on und Viel­falt. Eine För­de­rung die­ser Pro­jek­te wer­de ich beson­ders nach vor­ne brin­gen. 

3. Nach Abschluss der Sanie­rung von Oper- und Schau­spiel. Was geschieht mit dem Inte­rims­stand­ort Mül­heim? 

Reker: Der Stand­ort Mül­heim wird extrem gut ange­nom­men und auch vom Schau­spiel sel­ber seit län­ge­rem nicht mehr als Inte­rim bezeich­net. Ich spre­che mich für eine zwei­te Spiel­stät­te des Schau­spiels im Depot aus.

Kos­siski: Ich will die Kul­tur­or­te in den Veede­ln stär­ken. Denn Kul­tur ist ein wich­ti­ger gesell­schaft­li­cher Trei­ber, nicht nur im Zen­trum der Innen­stadt. Wenn man dem Desas­ter bei der Büh­nen­sa­nie­rung etwas Posi­ti­ves abge­win­nen möch­te, dann ja das über­aus erfolg­rei­che Inte­rim des Schau­spiels in Mül­heim, das dort in vor­bild­li­cher Art und Wei­se eine sich gegen­sei­tig befruch­ten­de Sym­bio­se mit dem Veedel gebil­det hat. Bei­spiel­haft sind hier nur das Fes­ti­val Bir­lik­te oder das Stück Die Lücke zu nen­nen. Mir ist wich­tig, dass der Stand­ort auch nach Ende des Inte­rims als Kul­tur­stand­ort erhal­ten bleibt. Ich könn­te mir bei­spiels­wei­se gut vor­stel­len, dass wir hier für die drit­te Spar­te unse­rer Büh­nen, den Tanz, der zu Unrecht oft ein Nischen­da­sein fris­tet, eine dau­er­haf­te Spiel­stät­te ein­rich­ten. 

4. Wären Sie bereit auch städ­ti­sche Mit­tel in die Wie­der­eröff­nung des Colo­ni­us zu inves­tie­ren? 

Reker: Lang­fris­tig ist ein trag­fä­hi­ges Betrei­ber­kon­zept unum­gäng­lich.

Kos­siski: Beim Colo­ni­us han­delt es sich, ähn­lich wie bei der Bas­tei, um ein (archi­tek­to­ni­sches) Köl­ner Wahr­zei­chen. Ich hal­te es für rich­tig und wich­tig, wenn die­se Orte wie­der für alle Köl­ne­rin­nen und Köl­ner zugäng­lich gemacht wer­den — und nicht nur für eini­ge weni­ge. Ein Nut­zungs­kon­zept, was dies in einem finan­zi­ell ver­nünf­ti­gen Rah­men ermög­licht, wer­de ich unter­stüt­zen und vor­an­trei­ben. 


Wohnen 

1. Wie dämp­fen Sie die Miet­preis­ent­wick­lung? Wie ste­hen Sie zur Aus­wei­tung der Milieu­schutz­sat­zun­gen? Wie wol­len Sie alter­na­ti­ve Wohn­for­men unter­stüt­zen (von Bau­wa­gen­plät­zen bis hin zu Bau­grup­pen)? 

Reker: Die Gestal­tung einer lebens­wer­ten, bezahl­ba­ren und smar­ten Stadt kön­nen wir nicht allei­ne den Inves­to­ren und den Kräf­ten des Mark­tes über­las­sen. „In was für einer Stadt wol­len wir leben“ müs­sen die Köl­ne­rin­nen und Köl­ner beant­wor­ten, dar­an haben sich Stadt­pla­nung und letzt­end­lich Inves­to­ren aus­zu­rich­ten. Mit brei­ter Betei­li­gung habe ich des­halb die Stadt­stra­te­gie „Köl­ner Per­spek­ti­ven 2030+“ ent­wi­ckelt – ein Kom­pass für unser künf­ti­ges Han­deln.

Wich­ti­ge Umset­zungs­in­stru­men­te sind die Erb­bau­pacht, mit der ich bei­spiels­wei­se genos­sen­schaft­li­ches Bau­en för­dern möch­te, die Kon­zept­ver­ga­be, mit der die bes­ten Ideen etwa für alter­na­ti­ve Wohn­for­men, Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser und Kul­tur­räu­me auf städ­ti­schen Grund­stü­cken ver­wirk­licht wer­den sol­len und nicht zuletzt das Koope­ra­ti­ve Bau­land­mo­dell als wirk­sa­men Hebel für lang­fris­tig bezahl­ba­ren Wohn­raum. Die von mir ein­ge­rich­te­te Wohn­bau­leit­stel­le berät bereits Bau­grup­pen, Genos­sen­schaf­ten und Inves­to­ren und trägt zur Lösung von Kon­flik­ten bei.

Die bestehen­de Milieu­schutz­sat­zung im Seve­r­ins­vier­tel soll­ten wir eva­lu­ie­ren und dann ent­schei­den, ob neue Milieu­schutz­sat­zun­gen ziel­füh­rend sind.

Kos­siski: Zur Dämp­fung der Miet­preis­ent­wick­lung schla­gen wir vor: Kon­se­quen­te Anwen­dung und Ver­schär­fung des Koope­ra­ti­ven Bau­land­mo­dells, groß­flä­chi­ge Aus­wei­sung von Milieu­schutz­sat­zungs­ge­bie­ten und die bedin­gungs­lo­se Durch­set­zung der Wohn­raum­schutz­sat­zung. 

Bau­wa­gen­plät­ze sind ein Teil der urba­nen Lebens­kul­tur. Flä­chen für Bau­wa­gen­plät­ze sind daher zu sichern.2019 hat der Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss beschlos­sen, in der Ver­wal­tung eine Ziel­grup­pen­be­ra­tung in Form einer Bera­tungs­stel­le für gemein­schaft­li­che Wohn­for­men, wie z.B. Bau­grup­pen, Bau­ge­mein­schaf­ten, Genos­sen­schaf­ten, Mehr­ge­nera­tio­nen­woh­nen und inte­gra­ti­ves Woh­nen ein­zu­rich­ten. Auf Antrag der SPD wird dafür eine aus­rei­chen­de Stel­len­aus­stat­tung vor­ge­se­hen. In Zukunft müs­sen genü­gend Flä­chen für sol­che Pro­jek­te bereit­ge­stellt wer­den.

2. Sol­len städ­ti­sche Grund­stü­cke in Zukunft nur nach Erb­bau­recht zur Ver­fü­gung gestellt erden? 

Reker: Städ­ti­sche Grund­stü­cke möch­te ich in Zukunft grund­sätz­lich in Erb­bau­pacht ver­ge­ben, d.h. es wird Aus­nah­men geben, aber die müs­sen begrün­det sein.

Kos­siski: Für die Ein­füh­rung des Erb­bau­rechts als Regel­ver­ga­be städ­ti­scher Grund­stü­cke setzt sich die SPD seit Jah­ren ein. Die Ver­ga­be von städ­ti­schen Grund­stü­cken in Erb­bau­rech­ten ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Bau­stein, um bezahl­ba­ren Wohn­raum zu schaf­fen. Die Kon­zept­ver­ga­be im Erb­bau­recht muss an öko­lo­gi­schen, vor allem aber an woh­nungs­po­li­ti­schen Kri­te­ri­en aus­ge­rich­tet wer­den. Das Umstel­len der Lie­gen­schafts­po­li­tik auf Erb­bau­rech­te sichert zudem künf­ti­gen Genera­tio­nen die Ver­füg­bar­keit von Grund­stü­cken und ist daher ein Bei­trag zur Nach­hal­tig­keit. Wir wol­len das Erb­bau­recht daher auch bei der Ver­ga­be von Gewer­be­grund­stü­cken ein­füh­ren. 

3. Wie bekämp­fen Sie Woh­nungs-/Ob­dach­lo­sig­keit? 

Reker: In einer zwei­ten Amts­zeit wer­de ich bestehen­de Ansät­ze wei­ter­ent­wi­ckeln und neue inno­va­ti­ve Kon­zep­te für die Unter­brin­gung und Betreu­ung von Obdach­lo­sen ent­wi­ckeln las­sen – mit dem Ziel, dass in Köln kein Mensch mehr auf der Stra­ße leben muss. „Housing first“ wird zum ergän­zen­den Bau­stein der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe, um ins­be­son­de­re ein Ange­bot für obdach­lo­se Frau­en zu schaf­fen. Zur Wahr­heit gehört dazu, dass es auch Men­schen gibt, die sich für ein Leben auf der Plat­te ent­schie­den haben. Ange­bo­te für die Kör­per­hy­gie­ne, Gesund­heits­ver­sor­gung und Win­ter­hil­fe sol­len sie so weit mög­lich unter­stüt­zen.

Kos­siski: Woh­nungs- und Obdach­lo­sig­keit ist das sicht­bars­te Zei­chen von Armut in unse­rer Stadt. Laut „Inte­grier­ter Woh­nungs­not­fall-Bericht­erstat­tung in NRW“ ist 2019 die Zahl der woh­nungs­lo­sen Men­schen in Köln im Ver­gleich zum Vor­jahr sogar gestie­gen. 6 198 Men­schen haben in Köln kei­ne fes­te Blei­be. In der Bericht­erstat­tung wer­den woh­nungs­lo­se Men­schen, die weder ord­nungs­recht­lich noch bei den frei­en Trä­gern der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe unter­ge­bracht sind, nicht berück­sich­tigt. Wir müs­sen also lei­der von einem wei­te­ren Anstieg der Woh­nungs­lo­sig­keit und einer sehr viel höhe­ren Dun­kel­zif­fer aus­ge­hen.

Schät­zun­gen zufol­ge leben rund 250 Men­schen in Köln kom­plett auf der Stra­ße. Sie neh­men die Not­un­ter­künf­te bzw. die Unter­brin­gungs­an­ge­bo­te der Stadt aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht in Anspruch. Ich will, dass die von der Stadt Köln in Zusam­men­ar­beit mit Trä­gern der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe ent­wi­ckel­ten Pro­gram­me gegen Woh­nungs- und Obdach­lo­sig­keit wei­ter aus­baut und ver­ste­tigt wer­den. Seit 2017 gibt es z. B. ein Ange­bot für Street­work im Rah­men der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe. Zudem wur­den huma­ni­tä­re Hil­fen für Men­schen aus den Staa­ten der EU-Ost­erwei­te­rung beschlos­sen und damit aku­te Not gelin­dert.

Die Köln SPD hat das neue Kon­zept „Housing First“ unter­stützt und es wird mitt­ler­wei­le durch die Ver­wal­tung geför­dert. Für mich spielt neben die­sen aku­ten Woh­nungs­lo­sen­hil­fen ins­be­son­de­re die Prä­ven­ti­on eine sehr wich­ti­ge Rol­le. In Köln brau­chen wir mehr Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men der Stadt, die bei dro­hen­dem Woh­nungs­ver­lust in Anspruch genom­men wer­den kön­nen. Die SPD-Frak­ti­on hat im letz­ten Sozi­al­aus­schuss das The­ma „Woh­nungs­lo­sig­keit” noch ein­mal ange­spro­chen.

Ich möch­te, dass Woh­nungs­lo­sig­keit ziel­grup­pen­ori­en­tiert und bedarfs­ge­recht ent­ge­gen­wirkt wird. Auf Dau­er kann der Woh­nungs­lo­sig­keit nur mit einem gro­ßen sozia­len Woh­nungs­bau­pro­gramm ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Wir haben in Köln seit Jah­ren mit einem Woh­nungs­not­stand zu kämp­fen. Für uns ist klar, in wel­che Rich­tung die Wohn­raum­fra­ge in Köln gehen muss, und zwar: Wohn­raum nicht nur für die, die es sich leis­ten kön­nen, son­dern für alle. 


Bildung 

1. Schul­plät­ze wer­den schnell benö­tigt. Doch wie stel­len Sie moder­ne, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Schu­len sicher? Schu­len zum Wohl­füh­len statt Lehr­an­stal­ten? Wie schaf­fen Sie es, die alten Schul­ge­bäu­de und maro­de Sani­tär­an­la­gen in den kom­men­den fünf Jah­ren zu sanie­ren und moder­ni­sie­ren?

Reker: Der aktu­el­le Inves­ti­ti­ons­stau gibt uns den Auf­trag zum Neu­bau von 54 Schu­len bis 2040. Dazu kommt eine Viel­zahl von Sanie­run­gen. Dies wird sich nicht in fünf Jah­ren ver­wirk­li­chen las­sen, son­dern wir müs­sen die jetzt vor­lie­gend Prio­ri­tä­ten­lis­te abar­bei­ten.
Wir wer­den bis Ende 2027 die Rekord­sum­me von 1,7 Mil­li­ar­den Euro in den Schul­bau inves­tie­ren, mehr als 13.000 Schul­plät­ze wer­den gesi­chert oder zusätz­lich geschaf­fen. Allein in die­sem Jahr sind 76 Schul­bau­pro­jek­te in Pla­nung und Bau. Ich wer­de zudem die Schaf­fung einer Schul­bau­ge­sell­schaft prü­fen.

Kos­siski: Ich will, dass Qua­li­tät und Aus­stat­tung einer Schu­le nicht von ihrem Stand­ort abhän­gen, son­dern in ganz Köln gerech­te Ver­hält­nis­se ent­ste­hen. Dafür wer­de ich als Ober­bür­ger­meis­ter bei der Aus­stat­tung der Schu­len mit Schul­so­zi­al­ar­beit, mit Unter­stüt­zungs- und Bera­tungs­an­ge­bo­ten, aber auch mit tech­ni­schem Equip­ment kon­se­quent unse­ren schul­schar­fen Sozi­al­in­dex anwen­den. Ich wer­de mich dar­um küm­mern, dass Schu­len in Stadt­tei­len mit beson­de­ren sozia­len Her­aus­for­de­run­gen mehr Unter­stüt­zung erhal­ten.

In Bezug auf die Qua­li­tät der Schul­bau­ten unter­stüt­ze ich die kon­se­quen­te Anwen­dung der päd­ago­gi­schen Schul­bau­leit­li­ni­en, die schon in Zei­ten der letz­ten sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Ver­wal­tungs­spit­ze ent­stan­den sind, und für die Köln bun­des­weit als Vor­bild betrach­tet und gelobt wird. Auch für inklu­si­ves Bau­en wird damit gesorgt. Ich will die Bau­vor­ha­ben durch inno­va­ti­ve Ver­ga­be­for­men beschleu­ni­gen und die kom­mu­na­le Bau­auf­sicht dazu brin­gen, die Ermes­sens­spiel­räu­me der Lan­des­bau­ord­nung bei Schul­bau­ten künf­tig aus­zu­schöp­fen: Schul­bau­ten kön­nen dann bei­spiels­wei­se höher gebaut wer­den oder Schul­hö­fe so gestal­tet wer­den, dass mit­ten in der Stadt auch der engs­te Raum effek­tiv und nach­hal­tig genutzt wird. Beson­ders für die Begrü­nung und Ent­ker­nung von Schul­hö­fen wer­de ich mich ein­set­zen, damit sie als Bewe­gungs- und Frei­zeit­räu­me für alle Men­schen im Veedel nutz­bar wer­den und nicht an Wochen­en­den und in Feri­en­zei­ten brach­lie­gen. 

Die bau­li­chen Zustän­de an den Köl­ner Schu­len zei­gen einen jah­re­lan­gen sträf­li­chen Reno­vie­rungs­stau. Prio­ri­tät bei Schul- und Bau­ver­wal­tung haben der­zeit Neu- und Erwei­te­rungs-bau­ten, um zusätz­li­che Schul­plät­ze zu schaf­fen. Inzwi­schen müs­sen auch immer mehr Gene­ral­in­stand­set­zun­gen auf die Prio­ri­tä­ten­lis­te, damit die Gebäu­de für die vie­len Schü­le­rin­nen und Schü­ler erhal­ten blei­ben. Ich will, dass die städ­ti­schen Bau­äm­ter kon­kur­renz­fä­hig am Fach­kräf­te­markt wer­den, damit sich erst­klas­si­ge Fach­leu­te län­ge­re Zeit an Köln bin­den und wir damit den Per­so­nal­man­gel im tech­ni­schen Bereich behe­ben. Die Gebäu­de­wirt­schaft kann damit wie­der funk­ti­ons­fä­hig gemacht wer­den. So wer­den Pla­nen und Bau­en wie­der beschleu­nigt und es kann wie­der ver­stärkt in die Sanie­rung maro­der alter Schu­len inves­tiert wer­den, ohne dass man damit gleich­zei­tig einen Zuge­winn an Schul­plät­zen haben muss.

Die SPD in Köln hat zuletzt mit einer Initia­ti­ve im Novem­ber 2017 im Rat dafür gesorgt, dass die Rei­ni­gung der Schul­toi­let­ten nun zwei­mal täg­lich erfolgt, und nicht – wie vor­her – nur ein­mal. Wei­ter­hin haben wir uns für eine Erhö­hung der Rei­ni­gungs­in­ter­val­le bei den Fens­tern von 15 auf 12 Mona­te und auch für die Rei­ni­gung der Innen­sei­te – nicht nur der Außen­fron­ten – ein­ge­setzt, eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die Umset­zung die­ses Rats­auf­trags an die Ver­wal­tung erfolgt aber nur schlep­pend. Ich wer­de an dem The­ma dran­blei­ben und dafür sor­gen, dass die Rei­ni­gung an den Schu­len wei­ter auf­ge­stockt wird. Die Schu­len wer­den immer vol­ler und die Klas­sen­grö­ßen stei­gen, weil die Ver­wal­tung beim Bau der benö­tig­ten neu­en Schu­len nicht schnell genug nach­kommt. Dem­entspre­chend muss mehr in die Siche­rung der Hygie­ne und Sau­ber­keit inves­tiert wer­den. 

3. Wie kann Digi­ta­li­sie­rung an Schu­len vor­an­ge­trie­ben wer­den, und gleich­zei­tig sicher­ge­stellt wer­den, dass alle Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen mit­ge­nom­men wer­den? 

Reker: Ich tre­te ein für bes­se­re Bil­dungs­chan­cen von Kin­dern und Jugend­li­chen in allen Stadtei­len, denn eine gute Bil­dung ist die Grund­la­ge für ein selbst­be­stimm­tes Leben. In einer zwei­ten Amts­zeit wer­de ich dem Rat daher die wei­te­re Inves­ti­ti­on von einer Mil­li­ar­de Euro in unse­re Schu­len sowie in die Qua­li­tät der früh­kind­li­chen Bil­dung in den KiTas vor­schla­gen und somit einen wei­te­ren Digi­ta­li­sie­rungs­schub ermög­li­chen. Dar­über hin­aus stel­le ich gera­de Pro­jek­te zur Eltern­bil­dung auf. Das Land hat die Auf­ga­be, für eine ver­pflich­ten­de Wei­ter­bil­dung der Leh­re­rin­nen und Leh­rer zu sor­gen und die Kita-Bei­trä­ge zu über­neh­men.

Kos­siski: Für das The­ma Digi­ta­li­sie­rung wer­de ich eine Task For­ce ein­rich­ten, die umge­hend nicht nur die Aus­stat­tung der Schu­len und Schüler*innen, son­dern auch die Qua­li­fi­zie­rung der Lehrer*innen in Angriff nimmt. Digi­ta­les Ler­nen soll in Köln schu­li­scher All­tag wer­den kön­nen. Dabei wer­den wir durch den Auf­bau eines zen­tra­len Schul–IT-Betriebes dafür sor­gen, dass eine funk­tio­nie­ren­de tech­ni­sche Infra­struk­tur das digi­ta­le Ler­nen für alle ermög­licht.

Ein zen­tra­ler kom­mu­na­ler Schul-IT-Betrieb ent­las­tet die Schu­len von IT-Admi­nis­tra­ti­ons­auf­ga­ben, schafft Syn­er­gien bei Betriebs-auf­ga­ben, die ein­mal für alle Schu­len geleis­tet wer­den kön­nen, und pro­fes­sio­na­li­siert den IT-Betrieb und IT-Sup­port. Neben der flä­chen­de­cken­den Aus­stat­tung der Schu­len mit moder­ner Tech­nik und neben den ent­spre­chen­den Gerä­ten für jeden Schü­ler wer­de ich auch viel mehr digi­ta­le Ange­bo­te in den Über­mit­tags­be­treu­un­gen, den Jugend­ein­rich­tun­gen, in den Filia­len der Stadt­bü­che­rei und bei der VHS vor­an­brin­gen. Für die Ver­tei­lung der mobi­len End­ge­rä­te wer­de ich den Schul­so­zi­al­in­dex beach­ten und anwen­den. 


Eine Stadt für alle 

1. Wie ste­hen Sie zum kom­mu­na­len Wahl­recht für alle Einwohner*innen ab 16 Jah­ren? 

Reker: Ich befür­wor­te ein kom­mu­na­les Wahl­recht für alle Ein­woh­nen­den ab 16 Jah­ren.
Außer­dem möch­te ich – auch jen­seits von Wah­len – eine mög­lichst nied­rig­schwel­li­ge Form der Jugend­be­tei­li­gung schaf­fen, die es einer gro­ßen Zahl von Jugend­li­chen unter­schied­li­cher Bil­dungs­hin­ter­grün­de ermög­licht, ihre The­men gegen­über Poli­tik und Ver­wal­tung zu arti­ku­lie­ren. Dabei erfolgt eine Ori­en­tie­rung an bestehen­den Köl­ner Ansät­zen und Bei­spie­len wie dem “Bezirks­ju­gend­fo­rum” aus Mülheim/Ruhr – als ein Jugend­par­la­ment, das kei­ne Wahl zur Vor­aus­set­zung hat, son­dern basis­de­mo­kra­tisch allen Jugend­li­chen einer bestimm­ten Alters­grup­pe ein Enga­ge­ment ermög­licht.

Kos­siski: Ich hal­te das für rich­tig. Das Grund­satz­pro­gramm der SPD for­dert seit 1989, Aus­län­de­rin­nen und Aus­län­dern das kom­mu­na­le Wahl­recht zu geben. Zuletzt hat die von der SPD getra­ge­ne Lan­des­re­gie­rung NRW 2017 einen Geset­zes­ent­wurf für ein Ausländer*innen-Wahlrecht ein­ge­bracht, wel­ches lei­der am Wider­stand der CDU geschei­tert ist. 

2. Wie wol­len Sie Kölns Einwohner*innen vor Dis­kri­mi­nie­rung und Ras­sis­mus schüt­zen? 

Reker: Dem von mir gegrün­de­ten Amt für Inte­gra­ti­on und Viel­falt kommt hier­bei eine beson­de­re Bedeu­tung zu, so etwa bei der Inte­gra­ti­on der hier schon ange­kom­me­nen Geflüch­te­ten. Die Struk­tu­ren inkl. Unter­künf­te für die schnel­le Auf­nah­me von wei­te­ren Geflüch­te­ten, müs­sen ange­sichts mög­li­cher wei­te­rer Flucht­be­we­gun­gen erhal­ten wer­den. Die „Leit­li­ni­en zur Unter­brin­gung und Betreu­ung von Flücht­lin­gen in Köln“ von 2004 gel­ten wei­ter­hin als Leit­bild. Frau­en­för­de­rung und die För­de­rung von Diver­si­ty, ins­be­son­de­re in Füh­rungs- und Spit­zen­po­si­tio­nen sowie Berei­chen mit Unter­re­prä­sen­tanz, sind und blei­ben hand­lungs­lei­ten­de Prä­mis­sen in der Stadt­ver­wal­tung und den städ­ti­schen Unter­neh­men.

Im Stadt­le­ben, ins­be­son­de­re bei Wer­bung, Groß­ver­an­stal­tun­gen und Kar­ne­val wer­de ich mich für ein kon­se­quen­tes Agen­da Set­ting und Sen­si­bi­li­sie­rungs­an­ge­bo­te auch für pri­va­te Anbie­ten­de ein­set­zen, um die Sen­si­bi­li­tät für sexis­ti­sche, queer­feind­li­che und ras­sis­ti­sche Ten­den­zen zu erhö­hen. Die kon­ti­nu­ier­li­che Unter­stüt­zung für die Ein­rich­tun­gen und Initia­ti­ven der LGBTTIQ*-Community sowie eine geziel­te För­de­rung neu­er Pro­jek­te stärkt die Viel­falt der Stadt­ge­sell­schaft und erhält Ange­bo­te für Men­schen in beson­de­ren Lebens­la­gen (z.B. mit HIV und Aids).

Kos­siski: Zunächst müs­sen wir drin­gend den Anteil von Men­schen mit Flucht- oder Migra­ti­ons­er­fah­rung in der Ver­wal­tung erhö­hen. Die­ser ist zur­zeit viel zu gering und spie­gelt unse­re Stadt­ge­sell­schaft bei Wei­tem nicht wider. Die Köln SPD setzt sich für eine inklu­si­ve Gesell­schaft mit Teil­ha­be­mög­lich­kei­ten für alle ein. Die Per­so­nal­struk­tur der Ver­wal­tung muss hier als Vor­bild vor­an­ge­hen. Zwar leben wir lei­der in einer Zeit, in der Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung wei­ter zuneh­men, aber zum Glück gibt es auch vie­le Men­schen, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men und dage­gen kämp­fen. Die­se Men­schen und ihre Pro­jek­te gegen Ras­sis­mus möch­te ich för­dern.

Außer­dem möch­te ich eine städ­ti­sche Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le ein­rich­ten. Bereits bestehen­de Struk­tu­ren der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ar­beit möch­te ich per­so­nell und finan­zi­ell stär­ken. Ohne Prä­ven­ti­ons­pro­jek­te, wie sie das NS-Dok oder das Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­bü­ro in Köln anbie­ten, hät­ten wir noch mehr Pro­ble­me mit Dis­kri­mi­nie­rung. Ich setz­te mich für den Aus­bau von För­der­mit­teln in den Arbeits­be­rei­chen Anti­ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und Anti­a­b­leis­mus ein. Ich dul­de kei­ne Dis­kri­mi­nie­run­gen auf­grund des Geschlechts, der Her­kunft oder der sexu­el­len Ori­en­tie­rung. 

3. Was tun Sie, um Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­de in Köln zu unter­stüt­zen? 

Reker: Köln als leben­di­ge, viel­fäl­ti­ge Stadt muss mit einem gestärk­ten sozia­len Pro­fil für alle Köl­ne­rin­nen und Köl­ner da sein – für Fami­li­en und Kin­der, für Men­schen in Armut, für Obdach­lo­se, für Frau­en mit beson­de­rem Schutz­be­darf und Geflüch­te­te. Zur Unter­stüt­zung von Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­den stre­be ich eine Stei­ge­rung der Betreu­ungs­quo­te bei der U3-Betreu­ung von mehr als 50% an, eine Ver­län­ge­rung der Betreu­ungs­zei­ten in den Kitas und den wei­te­ren Aus­bau der OGTS. Schu­len wer­den so fle­xi­bel geschaf­fen, so dass Kin­der in der gewünsch­ten Schul­form woh­nungs­nah einen Platz erhal­ten. Der Fokus wird hier­bei auf Gesamt­schu­len gelegt, der Schul­ent­wick­lungs­plan sieht drei­zehn neue Gesamt­schu­len vor.

Der Schutz für von Gewalt betrof­fe­nen Frau­en und ihren Kin­dern wird in Zusam­men­ar­beit mit den in die­sem Bereich täti­gen frei­en Trä­gern deut­lich aus­ge­wei­tet. Dabei liegt der Fokus auf der Aus­wei­tung von Schutz­plät­zen, auch unter Ein­be­zug von Woh­nungs­kon­tin­gen­ten.

Kos­siski: Ich hal­te aus­kömm­li­che und fle­xi­ble Kin­der­be­treu­ungs­mo­del­le für wich­ti­ge Bau­stei­ne zur Unter­stüt­zung von Fami­li­en und Allein­er­zie­hen­den in Köln, und für gute Instru­men­te zur bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf. Ich set­ze dabei auf ein stär­ke­res Enga­ge­ment von Unter­neh­men. Ich möch­te die Betrie­be ermu­ti­gen, mehr Betriebs-Kitas ein­zu­rich­ten. Dafür müs­sen aber die ver­wal­tungs­in­ter­nen Geneh­mi­gungs­pro­zes­se unbe­dingt erleich­tert wer­den. Für die neu­en Betreu­ungs­be­dar­fe, zum Bei­spiel durch ver­än­der­te Arbeits­zei­ten, müs­sen im Sys­tem der Kin­der­be­treu­ung neue und fle­xi­ble Lösun­gen gefun­den wer­den. Wir brau­chen Eltern-Kind-Büros, eine Aus­wei­tung der Home­of­fice-Rege­lun­gen und der Teil­zeit­ar­beit. Es müs­sen neue Mög­lich­kei­ten der Rand­zei­ten-Betreu­ung in den Kitas geschaf­fen wer­den, die zu fle­xi­ble­ren und bedarfs­ge­rech­ten Öff­nungs­zei­ten füh­ren.

Hier­für möch­te ich das Köl­ner Hand­werk und die Wirt­schafts­be­trie­be eben­so wie den DGB an mei­ner Sei­te haben. Dies kann im Köl­ner Bünd­nis für Fami­li­en gesche­hen, dem ich wie­der Leben ein­hau­chen wer­de, nach­dem es Anfang 2016 auf Betrei­ben der amtie­ren­den Ober­bür­ger­meis­te­rin gegen den Wil­len der Betei­lig­ten been­det wur­de. Als ehe­ma­li­ger DGB-Chef in Köln set­ze ich mich auch sehr für das Kon­zept der Kin­der­grund­si­che­rung ein, das ins­be­son­de­re auf Gering­ver­die­nen­de und Erwerbs­tä­ti­ge abzielt, bei denen das Erwerbs­ein­kom­men nicht für den Lebens-unter­halt reicht. Ein Vier­tel der Köl­ner ist von Armut bedroht. Bei den Haus­hal­ten allein­er­zie­hen­der Väter und Müt­ter steigt die­ser Wert sogar auf 40 Pro­zent, und knapp 50.000 Kin­der sind betrof­fen. Die SPD Köln eben­so wie die Lan­des-SPD hält einen Sys­tem­wech­sel in der Fami­li­en­för­de­rung für drin­gend erfor­der­lich, damit lang­fris­tig jedes Kind unab­hän­gig vom Ein­kom­men sei­ner Eltern dem Staat gleich viel wert ist. Mit der Ein­füh­rung einer Kin­der­grund­si­che­rung kann die­ser Sys­tem­wech­sel voll­zo­gen wer­den. 


Finanzen/Wirtschaft 

1. Wie kön­nen Sie sich eine Unter­stüt­zung der Gemein­wohl­öko­no­mie vor­stel­len? 

Reker: Ich möch­te Köln zu einem Hub für öko­so­zia­le Wirt­schafts- und Indus­trie­pro­jek­te ent­wi­ckeln und unse­re Wirt­schafts­för­de­rung damit beauf­tra­gen, Pilo­tie­run­gen zu alter­na­ti­ven Wirt­schafts­sys­te­men zu initi­ie­ren und zu beglei­ten. Mit mir als Ober­bür­ger­meis­te­rin wird über die Wirt­schafts­för­de­rung ein Bera­tungs­an­ge­bot zu nach­hal­ti­gem Wirt­schaf­ten rea­li­siert und För­der­mög­lich­kei­ten für inno­va­ti­ve nach­hal­ti­ge Ansät­ze geschaf­fen; inklu­si­ve für den Bereich der Erstel­lung von Gemein­wohl­bi­lan­zen sowie zur Ein­füh­rung wei­te­rer ESG-bezo­ge­nen (Envi­ron­ment Social Gover­nan­ce) Repor­ting-Stan­dards und Ver­bes­se­rung der eige­nen Lie­fer­ket­ten, Trans­pa­renz und Umwelt­au­dits für die Pri­vat­wirt­schaft zur Ver­fü­gung gestellt. Zur För­de­rung einer ver­ant­wor­tungs­vol­le­ren Wirt­schafts­wei­se möch­te ich außer­dem zeit­nah min­des­tens eine Gemein­wohl­bi­lan­zie­rung im Bereich der kom­mu­na­len Betei­li­gungs­un­ter­neh­men pilo­tie­ren las­sen.

Kos­siski: Das The­ma ist mir wich­tig. Ich wer­de mich sowohl bei den städ­ti­schen Unter­neh­men für eine Stär­kung des Gemein­wohl­an­sat­zes ein­set­zen als auch im gesamt­städ­ti­schen Bereich, z.B. durch eine Berück­sich­ti­gung bei städ­ti­schen Aus­schrei­bun­gen oder ganz unmit­tel­bar durch För­de­rung des Sozi­al­un­ter­neh­mer­tum (Social Entre­pre­neurs) bei der Grün­dung und Wei­ter­ent­wick­lung. Dabei ist für mich neben der öko­lo­gi­schen Nach­hal­tig­keit auch die Schaf­fung von siche­ren, tarif­ge­recht bezahl­ten und ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeits­plät­zen ein wich­ti­ger Aspekt. 

2. Kön­nen Sie sich eine Abkehr vom Ziel der „Schwar­zen Null“ vor­stel­len, um beson­de­re Anstren­gun­gen etwa beim Kli­ma­schutz oder dem Schul­neu­bau zu finan­zie­ren? 

Reker: Die städ­ti­sche Finanz- und Inves­ti­ti­ons­po­li­tik soll dem Leit­bild einer nach­hal­ti­gen und genera­ti­ons­ge­rech­ten Finan­zie­rung fol­gen. Hier­zu wer­den neue Lösungs- und Gestal­tungs­an­sät­ze wie das „Köl­ner Trag­fä­hig­keits­kon­zept“ ent­wi­ckelt und erprobt. Zudem soll ein grö­ße­rer Schwer­punkt auf eine fair-öko­lo­gi­sche Beschaf­fun­gen gelegt wer­den. Wir müs­sen Inves­ti­tio­nen in Zukunft mehr unter volks­wirt­schaft­li­chen Aspek­ten betrach­ten. Was nützt eine „schwar­ze Null“ wenn unser Pla­net unter­geht?

Kos­siski: Ein kla­res ja. Ich hal­te ein Fest­hal­ten an der schwar­zen Null in der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on sogar für falsch. Die Stadt lei­det in vie­len Berei­chen an Inves­ti­ti­ons­staus. Der Schul­bau ist hier nur eins von vie­len trau­ri­gen Bei­spie­len einer ver­fehl­ten Inves­ti­ti­ons­po­li­tik. Glei­ches gilt für den Kli­ma­schutz als eben­falls wich­ti­ge Inves­ti­ti­on in die Zukunft. Beim Beschluss des Dop­pel­haus­hal­tes 2020/21 konn­te man der „schwar­zen Null“ übri­gens nur ein Stück näher­kom­men, indem frei­wil­li­ge Auf­ga­ben­be­rei­che wie z.B. Jugend­hil­fe und Sport beschnit­ten wur­den. Die­ses Vor­ge­hen hal­te ich für kurz­sich­tig und fahr­läs­sig, da die gesell­schaft­li­chen Fol­gen beim Ver­zicht auf Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men erst in der Zukunft zu Kos­ten­fak­to­ren wer­den. Land und Bund müs­sen ihren Bei­trag leis­ten, damit die Kom­mu­nen die­se schwe­re Auf­ga­be finan­zi­ell schul­tern kön­nen. 

Mehr Baum für Köln

– Was’n das für ne selt­sa­me For­de­rung?

Eben bin ich mit fünf mei­ner Wahl­pla­ka­te durch Ehren­feld gestie­felt. Auf der Rück­sei­te die For­de­rung „Mehr Baum für Köln“. All­ge­mei­ne Zustim­mung, signa­li­siert durch Dau­men hoch der Pas­san­ten und Kom­men­ta­re wie: „Genau!“ und „rich­tig so“. Eigent­lich ken­ne ich nie­man­den, der Bäu­me doof fin­det. Sym­bol des Lebens und so. Aber auch Schat­ten­spen­der, Luft­rei­ni­ger, und CO2-Ver­til­ger. Eigent­lich wol­len auch alle Par­tei­en Bäu­me schüt­zen. Und eigent­lich sind sie damit auf gemein­sa­mer Linie mit den Natur­schutz­ver­bän­den und ja, auch mit dem Grün­flä­chen­amt. Eigent­lich. „Mehr Baum für Köln“ wei­ter­le­sen

Fotowettbewerb Tiere im Garten

Mit dem Foto­wett­be­werb “Tie­re im Gar­ten” will die Stadt Köln für die Natur vor Ort begeis­tern und Kölner*innen auf Spu­ren­su­che nach hei­mi­schen Arten schi­cken. Ob beim Spar­zier­gang im Park, in der Klein­gar­ten­an­la­ge oder beim Blick ins wil­de Grün vor der Haus­tür — auch hier las­sen sich vie­le Foto­mo­ti­ve ent­de­cken.

Auch wenn vie­le zur Zeit ande­re gro­ße Sor­gen haben, ruft die Stadt Köln zu einem Foto­wett­be­werb auf, bei dem sich Bürger*innen auf die Suche nach Tie­ren in Köln machen kön­nen. Die zuneh­men­de Ver­sie­ge­lung der Gär­ten und eine inten­si­ve Pfle­ge macht den Tie­ren in unse­rer Stadt das Leben schwer. Das Köl­ner Umwelt­amt möch­te für das The­ma sen­si­bi­li­sie­ren und ruft zu einem Foto­wett­be­werb über die tie­ri­sche Viel­falt vor unse­rer Haus­tür auf. Noch bis zum 31. Mai 2020 kön­nen Bürger*innen ihre Fotos von hei­mi­schen Tie­ren im Köl­ner Sied­lungs­be­reich ein­sen­den.
„Foto­wett­be­werb Tie­re im Gar­ten“ wei­ter­le­sen

Verzichtet Köln auf Schadenersatz zur Luftreinhaltung?

Die Stadt Bonn ver­klagt den Auto­mo­bil­her­stel­ler VW auf Scha­den­er­satz für ihre städ­ti­schen Fahr­zeu­ge, die mit mani­pu­lier­ter Soft­ware aus­ge­stat­tet sind. Die Rats­grup­pe GUT hat nach­ge­fragt, ob die Stadt Köln eben­falls kla­gen wird.

Die Stadt Köln muss jetzt und zukünf­tig immense Kos­ten auf­wen­den, um ihren Luft­rein­hal­te­plan umset­zen zu kön­nen. Im Stadt­ge­biet ist die Luft zu dre­ckig. Zur Luft­ver­schmut­zung tru­gen in Köln auch die stadt­ei­ge­nen Fahr­zeu­ge bei, die mit mani­pu­lier­ter Soft­ware des Auto­mo­bil­her­stel­lers VW aus­ge­stat­tet waren. Ande­re Städ­te befin­den sich in einer ähn­li­chen Situa­ti­on und haben des­halb Scha­den­er­satz­kla­ge gegen den Auto­mo­bil­kon­zern ein­ge­reicht. Die Stadt Bonn klagt aktu­ell gegen VW. Vor die­sem Hin­ter­grund frag­te die Rats­grup­pe GUT in der Rats­sit­zung vom 06. Febru­ar 2020 bei der Ver­wal­tung unter ande­rem nach, wel­che Mög­lich­kei­ten für Scha­den­er­satz­an­sprü­che zur Luft­rein­hal­tung die Stadt Köln aus­schöpft.  Die Ver­wal­tungs­ant­wort lau­tet lapi­dar: eine Kla­ge lohnt sich nicht. Das sehen wir anders.

„Ver­zich­tet Köln auf Scha­den­er­satz zur Luft­rein­hal­tung?“ wei­ter­le­sen

Park des Monats: Posthume Würdigung der Grünfläche* am Hermeskeiler Platz

Im Rah­men unse­rer Ver­an­stal­tungs­rei­he “Park des Monats” stel­len wir Euch Natur- und Grün­flä­chen vor, die von Bebau­ung bedroht sind.

Wie ein Virus hat der Grün­fraß das Köl­ner Stadt­ge­biet fest im Griff: über­all wird gefällt, gehackt, gesägt und geschred­dert. Aus Grün­den der Ver­kehrs­si­cher­heit, weil vie­le Bäu­me krank sind und/oder die bei­den letz­ten Som­mer nicht über­stan­den haben, weil sich hin­ter Bäu­men Tunicht­gu­te pri­ma ver­ste­cken kön­nen und so „Angst­räu­me“ ent­ste­hen – aber auch, weil drin­gend benö­tig­te Woh­nun­gen ent­ste­hen.  „Park des Monats: Post­hu­me Wür­di­gung der Grün­flä­che* am Her­mes­kei­ler Platz“ wei­ter­le­sen

Climate.Cologne — Workshop-Essenz

Wir alle müs­sen CO2 ein­spa­ren, doch wie funk­tio­niert das im All­tag? Kön­nen wir hier in Köln etwas für unser Kli­ma tun? Wie geht kli­ma­neu­tra­les Leben?
In die­sem boten wir zum ers­ten Mal unter­schied­li­che Kli­ma-Work­shops zum aktiv wer­den und mit­ma­chen an. An den ins­ge­samt acht unter­schied­li­chen Work­shops in der eco­sign nah­men mehr als 60 Besucher*innen teil. Für alle, die nicht teil­neh­men konn­ten, hier die Zusam­men­fas­sung der Ergeb­nis­se:

„Climate.Cologne — Work­shop-Essenz“ wei­ter­le­sen

Das Kölner Klima braucht mehr Politik

Im Juli 2019 hat Köln den Kli­ma­not­stand aus­ge­ru­fen. Aber was bedeu­tet das über­haupt? Wel­che Maß­nah­men sind jetzt not­wen­dig? Wel­che Wege zur Kli­ma­neu­tra­li­tät beschrei­tet die Stadt? Hel­fen dabei CO2-Kom­pen­sa­tio­nen? Wie kön­nen bewuss­te Ernäh­rung und Kreis­lauf­wirt­schaft hel­fen unse­re Kli­ma­zie­le zu errei­chen? Eine Podi­ums­dis­kus­si­on am 8. Dezem­ber befass­te sich mit die­sen Fra­gen.

Etwa 100 Leu­te haben an die­sem Sonn­tag­abend den Weg ins Film­Fo­rum NRW im Muse­um Lud­wig gefun­den. Ein „Besu­cher­re­kord“ im Ver­gleich zu ähn­li­chen Ver­an­stal­tun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren, wie Thor Zim­mer­mann von der Rats­grup­pe GUT zur Begrü­ßung erfreut fest­stellt. 2019 war ein beweg­tes Jahr in Sachen Kli­ma­schutz, das zeigt der klei­ne Licht­bild­vor­trag zur Ein­stim­mung: Die ers­ten Groß­de­mons­tra­tio­nen im Ham­ba­cher Wald, die ers­te Fri­days-for-Future-Demo in Köln, Wahl­er­fol­ge der Grü­nen bei der Euro­pa­wahl, schließ­lich der sym­bol­träch­ti­ge Beschluss des Stadt­ra­tes den „Kli­ma­not­stand“ aus­zu­ru­fen.

„Das Köl­ner Kli­ma braucht mehr Poli­tik“ wei­ter­le­sen

Klimapolitik für Haushalt, Stadtrat und Straße

Wir alle müs­sen CO2 ein­spa­ren, doch wie funk­tio­niert das im All­tag? Die Rats­grup­pe GUT hat­te dazu im Rah­men von  Climate.Cologne am 30.11. acht Kli­ma-Work­shops orga­ni­siert, um hand­fes­te Tipps für ein kli­ma­freund­li­che­res Leben zu ver­mit­teln

Harald Rau, Dezer­nent für Sozia­les, Umwelt, Gesund­heit und Woh­nen der Stadt Köln, ist eigens nach Ehren­feld gekom­men um die Teilnehmer*innen der Climate.Cologne–Workshops  in den Räu­men von „eco­sign – Aka­de­mie für nach­hal­ti­ges Design“ zu begrü­ßen. „Ich fin­de es gro­ße Klas­se, dass Sie die­sen Work­shop-Tag ver­an­stal­ten. Für mich steht da immer die Visi­on von Köln als ‚Stadt des guten Lebens‘ im Hin­ter­grund“, sagt der enga­gier­te Bei­geord­ne­te. Über vier­zig Erwach­se­ne und um die 20 Kin­der haben sich für die Work­shops ange­mel­det, die sich mit sehr unter­schied­li­chen Aspek­ten des Kli­ma­schut­zes befas­sen. „Kli­ma­po­li­tik für Haus­halt, Stadt­rat und Stra­ße“ wei­ter­le­sen

Keine Einsicht beim Rather See

Ab dem 24. Okto­ber 2019 lie­gen die Bebau­ungs­plan­ent­wür­fe für den Rather See erneut offen. Die Was­ser­ski­an­la­ge ist wei­ter­hin in Pla­nung. Dar­an konn­te auch unse­re Anfra­ge nichts ändern. Mitt­ler­wei­le hat die Ver­wal­tung den Ent­wurf an eini­gen Stel­len im Sin­ne des Natur­schut­zes über­ar­bei­tet. Bis zum 06. Novem­ber 2019 sind die­se Plä­ne nun im Stadt­pla­nungs­amt in Deutz ein­seh­bar. Online ist sogar jetzt die Ein­sicht in die umstrit­te­nen Arten­schutz­gut­ach­ten mög­lich.

Update 24.10.2019: Nach Ver­öf­fent­li­chung die­ses Bei­trags, erreich­te uns die Nach­richt, dass die Ver­wal­tung ab sofort für zwei Wochen die Arten­schutz­gut­ach­ten online zugäng­lich macht. Die Gut­ach­ten sind hier ein­seh­bar.


Vom 24. Okto­ber bis zum 06. Novem­ber 2019 sind inter­es­sier­te Bürger*innen zur Offen­le­gung der ange­pass­ten Bebau­ungs­plan­ent­wür­fe am Rather See ein­ge­la­den. Sie kön­nen sich infor­mie­ren und Stel­lung­nah­men zu den geän­der­ten Pas­sa­gen abge­ben, über die der Rat ent­schei­det. Die Plä­ne lie­gen in einem Büro des Stadt­pla­nungs­amt (im Stadt­haus) in Deutz aus. Nun gewährt die Ver­wal­tung auch end­lich Ein­sicht in die Arten­schutz­gut­ach­ten.

In der Anfra­ge im Juni 2019 hat­te die Rats­grup­pe GUT die Ver­wal­tung gebe­ten, ins­be­son­de­re zu Umwelt­schutz­aspek­ten beim Bau­vor­ha­ben am Rather See Stel­lung zu neh­men. Wir woll­ten auch wis­sen, was dage­gen spricht, das Arten­schutz­gut­ach­ten erneut offen zu legen. Denn, die Initia­ti­ve #rather­see­frei hat­te sich mit Bezug auf das Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­setz NRW an die Behör­de gewandt, um nach­träg­lich Ein­blick in die Unter­la­gen zu erhal­ten. Sie kri­ti­sier­ten, dass das Gut­ach­ten unvoll­stän­dig sei. Unse­rer Mei­nung nach stand es der Behör­de frei, die Doku­men­te an inter­es­sier­te Bürger*innen her­aus­zu­ge­ben. Die Ver­wal­tungs­ant­wort leg­te bis­lang die Ver­mu­tung nahe, dass ein mehr an Trans­pa­renz ver­meint­lich gegen Geset­ze ver­sto­ße.

„Kei­ne Ein­sicht beim Rather See“ wei­ter­le­sen

Mehr Biodiversität auf Kölner Grün und Acker

Natur­nah, insek­ten­freund­lich, bunt — so wün­schen wir uns die Bepflan­zung Köl­ner Grün­flä­chen. Auch die städ­ti­schen Acker­flä­chen bie­ten Poten­zi­al mit Hil­fe von Blüh­strei­fen an den Rän­dern für mehr Bio­di­ver­si­tät zu sor­gen. Die Rats­grup­pe GUT Köln hat nach­ge­fragt, was die Ver­wal­tung tut, um die bio­lo­gi­sche Viel­falt auf ihren Flä­chen zu för­dern.

Im Mai 2019 hat die Rats­grup­pe GUT eine Anfra­ge im Aus­schuss Umwelt und Grün zum The­ma natur­na­he Bepflan­zung auf städ­ti­schen Grün- und Agrar­flä­chen gestellt.
Die Rats­grup­pe woll­te von der Ver­wal­tung wis­sen, inwie­fern den Päch­tern der städ­ti­schen Acker­flä­chen Auf­la­gen für Bio­di­ver­si­tät för­dern­de Maß­nah­men gemacht wer­den kön­nen.
Wäre es zum Bei­spiel mög­lich die land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be zu ver­pflich­ten, öko­lo­gi­sche Blüh­strei­fen an den Acker­rän­dern anzu­le­gen?
Und wel­che Maß­nah­men ergreift die Stadt selbst bei der Bepflan­zung von Grün­flä­chen zur Erhal­tung der bio­lo­gi­schen Viel­falt?
Lei­der ver­tagt die Ver­wal­tung kon­kre­te Ant­wor­ten auf einen spä­te­ren Zeit­punkt in die­sem Jahr, gibt aber doch einen Ein­blick zum Stand der Bio­di­ver­si­tät im städ­ti­schen Grün- und Acker­land.
Zumin­dest ist der Tul­pen-Ein­heits­look in Köl­ner Wech­sel­bee­ten nach Aus­sa­ge der Ver­wal­tung bald Geschich­te.

„Mehr Bio­di­ver­si­tät auf Köl­ner Grün und Acker“ wei­ter­le­sen