Umbau Berrenrather Str. — gut gemeint, schlecht geplant

Nun ist er da, der “Bau­be­schluss” als poli­ti­sche Vor­la­ge, wie die Ber­ren­ra­ther Str. in Sülz aus­se­hen soll. Nach­dem sich 2014 und 2015 Bürger*innen aktiv mit Ide­en und Impul­sen ein­brin­gen konn­ten, dau­er­te es lei­der 5 Jah­re, bis der Vor­schlag der Köl­ner Stadt­ver­wal­tung ans Licht der Öffent­lich­keit gekom­men ist.

Mein Sül­zer GUT-Kol­le­ge Gün­ter Hotes und ich haben uns den vor­lie­gen­den Beschluss­vor­schlag ein­mal genau­er ange­schaut und vor allen Din­gen auch ein­mal mit den Bürger*innenvoten von 2014 und 2015 abge­gli­chen. Das Ergeb­nis neh­men wir an die­ser Stel­le ger­ne schon ein­mal vor­ab weg: Ent­täu­schend — sowohl im Sin­ne einer Ver­kehrs­wen­de als auch der Bür­ger­be­tei­li­gung.

Noch eine for­ma­le Erklä­rung: Ein Bau­be­schluss besagt, dass die Stadt­ver­wal­tung vom zustän­di­gen poli­ti­schen Gre­mi­um, hier die Bezirks­ver­tre­tung Lin­den­thal, beauf­tragt wird auf der Grund­la­ge der Plä­ne des Bau­be­schlus­ses eine soge­nann­te Aus­füh­rungs­pla­nung zu erstel­len, so dass Bau­fir­men nach die­ser dann kon­kret bau­en kön­nen. Die­se Aus­füh­rungs­pla­nung  soll bis Ende 2020 fer­tig­ge­stellt wer­den.

Danach erfolgt die Aus­schrei­bung und Bau­fir­men geben ein kokre­tes Ange­bot ab. Da momen­tan die Bau­wirt­schaft boomt, ist erst ein­mal zu hof­fen, dass sich über­haupt ein inter­es­sier­tes Bau­un­ter­neh­men fin­det, wel­ches den Auf­trag haben möch­te. Soll­te dies der Fall sein, kann dann nach der Ver­ga­be der Stadt­ver­wal­tung ab Mitte/Ende 2021 mit den kon­kre­ten Bau­ar­bei­ten  auf der Ber­ren­ra­ther Stra­ße begon­nen wer­den. Auch hier­bei kann es erfah­rungs­ge­mäß zu Ver­zö­ge­run­gen kom­men, da auch wei­te­re Instan­zen in die Umge­stal­tung ein­be­zo­gen wer­den (müs­sen). Zum Bei­spiel alle, die irgend­wel­che Kabel oder Roh­re in der Erde lie­gen haben (Rhein­Ener­gie, Tele­kom). Das der­zeit geplan­te Ende der Bau­ar­bei­ten ist für 2023 anvi­siert.

Aber nun zu den Details:

* Der Pla­nungs­vor­schlag, den Bereich vor der Niko­laus­kir­che als Platz zu gestal­ten, fand in der Bür­ger­werk­statt eine gro­ße Zustim­mung, wird aber in der aktu­el­len Pla­nung weder berück­sich­tigt noch erwähnt.

* Die bei­den Bür­ger­werk­stät­ten zur Umge­stal­tung fan­den bereits 2014 und 2015 statt. Seit­dem gab es kei­ne wei­te­re offi­zi­el­le Betei­li­gungs- oder Infor­ma­ti­ons­mög­lich­keit für Anwohner*innen und Inter­es­sier­te. In Anbe­tracht, dass 2020 nun der fina­le Beschluss über die kon­kre­te Umge­stal­tung (und mit Glück eine Umset­zung bis Ende 2022) erfol­gen soll, hal­ten wir eine wei­te­re öffent­li­che Ver­an­stal­tung für unab­ding­bar.

* Ähn­lich der Pla­nung auf der Neus­ser Str. in Nip­pes, wer­den die Rad­fah­ren­den an den Stra­ßen­über­gän­gen allei­ne gelas­sen. Die Rad­spu­ren ent­fal­len beid­sei­tig an den Fuss­gän­ger­über­we­gen und es erfolgt wei­ter­hin die Prio­ri­sie­rung des PKWs in die­sem Bereich. Wir for­dern eine Prio­ri­sie­rung des Rad­ver­kehrs vor dem PKW bei den Über­gän­gen, wel­che dann auch deut­lich sicht­bar für den PKW-Nut­zen­den gekenn­zeich­net sein muss.

* Wir favo­ri­sie­ren den fol­gen­den Stra­ßen­quer­schnitt; hier­bei kann der “gel­be” Mul­ti­funk­ti­ons­be­reich alter­nie­rend die Stra­ßen­sei­ten wech­seln. Durch die­se leich­ten Ver­schwen­kun­gen in der Fahr­bahn kann indi­rekt auch die PKW-Geschwin­dig­keit mini­miert wer­den:

*  Beim jetzt vor­ge­schla­ge­nen Quer­schnitt kön­nen Autos im Begeg­nungs­ver­kehr die Rad­fah­ren­den auf dem Schutz­strei­fen nicht mit dem not­wen­di­gen Abstand von 1,5 Metern über­ho­len. In der neu­en Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung wird die­ser Über­hol­ab­stand ver­bind­lich fest­ge­schrie­ben. Kraft­fahr­zeu­ge dür­fen hier also nur über­ho­len, wenn kein Gegen­ver­kehr vor­han­den ist.

* Die Nut­zung der ein­zel­nen Mul­ti­funk­ti­ons­flä­chen muss bereits jetzt vor der Beschluss­fas­sung kon­kret benannt wer­den — ansons­ten wer­den die­se im Nachgang/in der Umset­zung “ganz über­ra­schend” wie­der zu 95% PKW-Stell­plät­ze.
Dar­über hin­aus gibt es im Ver­lauf der Ber­ren­ra­ther Str. an min­des­tens einer Mul­ti­funk­ti­ons­flä­che einen zu engen Bür­ger­steig (auf Höhe der Haus­num­mer 276), so dass hier ein Weg­fall oder die Umge­stal­tung der Mul­ti­funk­ti­ons­flä­che ange­dacht wer­den muss.

* Die ver­kehr­li­chen Fach­ana­ly­se­da­ten der Pla­nung beru­hen auf Erhe­bun­gen aus dem Jahr 2014 und berück­sich­ti­gen bei wei­tem nicht die ver­kehr­li­che Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen 6 Jah­re auf der Ber­ren­ra­ther Str..

* Der Kreis­ver­kehr Wey­er­tal ist aus unse­rer Sicht auch ohne frei­lau­fen­de Rechts­ab­bie­ger inner­halb einer Kreis­ver­kehr­lö­sung mög­lich. Von der Uni­ver­si­täts­str. kom­mend ist ein Abbie­gen in den Wey­er­tal dem­entspre­chend pla­ne­risch mach- und umsetz­bar und das Abbie­gen vom Sülz­gür­tel kom­mend in Arnulfstr. wird durch eine Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lung in der Arnukfstr. zwi­schen Stern­platz und Ber­ren­ra­ther Str. unter­bun­den. Auch hier muss das Ziel, so wie an den Stra­ßen­über­gä­negn, lau­ten: Rad vor PKW!

* Nach unse­rer Ein­schät­zung bedarf es bei den PKW-Park­plät­zen von Mon­tag bis Sams­tag zwi­schen 8 und 19 Uhr einer Kurz­zeit­par­ken­re­ge­lung von max. 30 Minu­ten bei einer deut­lich erhöh­ten ord­nungs­be­hörd­li­chen Kon­trol­le. Die “Bröt­chen­tas­te” leh­nen wir ab!

* Uns fehlt eine (tem­po­rä­re) Ans­schluss­pla­nung an die Uni­ver­si­täts­str., da wir der­zeit davon aus­ge­hen, dass die im vor­lie­gen­den Beschluss genann­te Pla­nung der Uni­ver­si­täts­str. erst Ende des Jahr­zehnts erfolgt und bis dahin ein “ver­kehrs­pla­ne­ri­sches Loch” von ca. 100 m vor­han­den wäre.

* Uns fehlt im aktu­el­len Bau­be­schluss eine kon­kre­te Aus­sa­ge zum zukünf­ti­gen Tem­po­li­mit. Wir for­dern maxi­mal Tem­po 30; im Bereich der Schu­len und Kreis­ver­keh­re von max. Tem­po 20. Dies wur­de auch 2016 bereits beschlos­sen.

* Wir hal­ten die aktu­el­le Pla­nung der Stell­platz­ka­pa­zi­tä­ten für nicht zukunfts­wei­send. Daher for­dern wir ledig­lich 80 anstatt 141 PKW-Stell­plät­ze sowie 800 statt 566 Rad­ab­stell­plät­ze (davon 75 aus­ge­wie­se­ne Stell­plät­ze für Las­ten­rä­der).

* Die Pla­nungs­län­ge der Ber­ren­ra­ther Str. liegt bei ca. 1200 m — anstatt der geplan­ten 33 neu­en Stra­ßen­bäu­me for­dern wir 60 neue Stra­ßen­bäu­me; bei  einer par­al­le­len “Alle­en­pflan­zung” wären das 30 Bäu­me je Sei­te, also ca. alle 40 m. Das soll­te für Mikro­kli­ma schon drin sein.…oder?

Fazit

Bereits in der Ein­lei­tung die­ses Blog­bei­trags haben wir ja unser Fazit vor­weg­ge­nom­men. Wir hof­fen sehr, dass der Mut zu mehr bei der aktu­el­len loka­len Poli­tik in der Bezirks­ver­tre­tung als auch bei den zustän­di­gen Fachplaner*innen der Stadt Köln doch noch Ein­zug erhält. Mut zu einer Infra­struk­tur für eine Ver­kehrs­wen­de im Sin­ne des Umwelt­ver­bun­des und der Ver­kehrs­si­cher­heit.

Links

* Offi­zi­el­le Sei­te der Stadt Köln zur Umge­stal­tung der Ber­ren­ra­ther Str.

* Bau­be­schluss für die Umge­stal­tung der Ber­ren­ra­ther Str. aus dem März 2020

* Bewer­tung des Bau­be­schluss durch den ADFC Köln

* Wei­te­re Ver­kehrs­blog­bei­trä­ge von GUT Köln

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln.

2 Gedanken zu „Umbau Berrenrather Str. — gut gemeint, schlecht geplant“

  1. Scha­de, schon eini­ge Male hab ich mich an die Ver­ant­wort­li­chen in der Poli­tik gewen­det- ohne Erfolg! In den letz­ten Jah­ren hat sich viel getan, ins­be­son­de­re das Bewusst­sein für die Umwelt hat sich ver­än­dert, geschul­det der aktu­el­len immer bedroh­li­cher wer­den­den Lage. Die Ber­ren­ra­ther soll­te auto­frei und grün wer­den, Cafés soll­ten sich auf der Stra­ße mehr Platz für Aus­sen­gas­tro­no­mie neh­men. Wie­so geht das in ande­ren Vee­de­ln und nicht in Sülz. Gera­de hier gibt es Schu­len und Kin­der­gär­ten auf der Stra­ße und Auto­frei­heit wür­de die Wohn­qua­li­tät immens ver­bes­sern. Ant­wort der Poli­tik: beschlos­sen ist beschlos­sen! Es gibt doch kei­nen Grund schlech­te Beschlüs­se nicht zu über­den­ken und die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen mit zuden­ken. Wird die Luxem­bur­ger in Zukunft wegen der schlech­ten Mess­wer­te gesperrt wird die Ber­ren­ra­ther die Aus­weich­stras­se wer­den. Die geplan­te Umge­stal­tung bie­tet sich doch an, um Köln auf dem Weg zu einer Men­schen­freund­li­chen auto­frei­en Stadt ein Stück wei­ter zu brin­gen.

    1. Sehr geehr­te Frau Hahn, vie­len Dank für Ihren Kom­men­tar. Sei­tens GUT Köln wer­den wir wei­ter­hin eng und inten­siv an die­sem The­ma dran blei­ben und ver­su­chen, wei­te­re Ver­bes­se­run­gen zu errei­chen.
      Gruß aus Sülz, Mar­cel Hövel­mann & Mar­tin Linn­artz

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