Urbaner Lastenverkehr wird Radverkehr

Lasten per Rad in Köln transportieren

Wie schaf­fen wir es, dass der urba­ne Las­ten­ver­kehr, der aktu­ell zu 99,9% per Lkw erfolgt, sich zu wesent­li­chen Tei­len auf den Las­ten­rad­ver­kehr ver­la­gert?

Auf der Grund­la­ge des Ergeb­nis­pa­piers Las­ten­ver­kehr im Rah­men des Dia­log­fo­rums Natio­na­ler Rad­ver­kehrs­plan 3.0 sind für Köln fol­gen­de Gedan­ken beson­ders inter­es­sant:

Zuerst ein paar grundsätzliche Aussagen zum Thema:

  • Das Las­ten­rad bie­tet viel­fäl­ti­ge Ein­satz­mög­lich­kei­ten. Die Fest­le­gung von Las­ten­rad­ab­mes­sun­gen bzw. Gewichts- und Leis­tungs­gren­zen (z.B. in der StVZO) beein­flusst die Fest­le­gung von Min­dest­brei­ten und ‑stan­dards beim Aus­bau der Rad­in­fra­struk­tur.
  • In die­sem Zusam­men­hang ist auch die Rege­lung zur Rad­weg­be­nut­zungs­pflicht für Las­ten­rä­der zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls ein­zu­schrän­ken bzw. gänz­lich auf­zu­he­ben. Ein Rad­weg­be­nut­zungs­recht für Las­ten­rä­der soll erhal­ten blei­ben – in Abhän­gig­keit von Maßen und Eigen­schaf­ten.
  • Das Las­ten­rad hat vie­le poten­zi­el­le Nut­zer­grup­pen. Hier­zu gehö­ren neben der pri­va­ten Nut­zung auch Hand­werk, Trans­port- und Paket­dienst­lei­tun­gen, Phar­ma- und Gas­tro­no­mie­lo­gis­tik, Ser­vice­ver­keh­re, Werks­ver­keh­re u. a.. Damit müs­sen Las­ten­rä­der unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen erfül­len.
  • Die Flä­chen im öffent­li­chen Raum sind begrenzt, inten­si­ve­re Flä­chen­an­for­de­run­gen durch die ver­mehr­te Nut­zung von Las­ten­rä­dern müs­sen bei der Auf­tei­lung des öffent­li­chen Raums drin­gend Berück­sich­ti­gung fin­den.
  • Logis­ti­sche Pro­zes­se unter­lie­gen dyna­mi­schen Ent­wick­lun­gen. Die Ein­bin­dung des Las­ten­rads bedarf dabei einer­seits der Vor­ga­be eines kla­ren recht­li­chen Rah­mens ande­rer­seits der Unter­stüt­zung neu­er Logis­tik­sys­te­me zur Nut­zung von Las­ten­rä­dern, z. B. im Rah­men von Mikro­de­pots.
  • An allen rele­van­ten Ein­satz­or­ten sowohl im pri­va­ten als auch im gewerb­li­chen Bereich sind Abstell­mög­lich­kei­ten erfor­der­lich, die die beson­de­ren Eigen­schaf­ten der Las­ten­rä­der berück­sich­ti­gen. Ins­be­son­de­re durch Abstell­mög­lich­kei­ten für Las­ten­rä­der im Lie­fer- und Lade­pro­zess wird eine stadt­ver­träg­li­che Logis­tik geför­dert.

Lastenradverkehr braucht Vielfalt: Weiterentwicklung der Fahrzeugtypen

Bis zum Jahr 2025…
… sind die Abmes­sun­gen und Eigen­schaf­ten von Las­ten­rä­dern in der StVZO fest­ge­legt.
… wer­den funk­tio­nel­le Ansprü­che an Las­ten­rä­der durch eine am Bedarf ori­en­tier­te Viel­falt an Fahr­rad­ty­pen erfüllt.

Handlungsbedarf und Maßnahmen:

Festlegung von Maßen und Eigenschaften in der StVZO
  • Der Bund defi­niert den Begriff des Las­ten­rads im Rah­men der StVZO. Dabei wird fol­gen­de Defi­ni­ti­on vor­ge­schla­gen: Ein- oder mehr­spu­ri­ge Trans­port- und Las­ten­fahr­rä­der mit einer maxi­ma­len Brei­te von 1 m und einem zuläs­si­gen Gesamt­ge­wicht von bis zu 250 kg auch mit elek­tro­mo­to­ri­scher Unter­stüt­zung oder als seri­el­ler Hybrid (bis zu einer Geschwin­dig­keit von 25 km/h) zum Trans­port von Gütern und Per­so­nen.
  • Der Bund treibt zusam­men mit den Ver­bän­den die Schaf­fung euro­pä­isch ein­heit­li­cher Nor­men vor­an.
  • Für den gewerb­li­chen Ein­satz wird geprüft, ob das Fah­ren von Las­ten­fahr­rä­dern mit bestimm­ten Abma­ßen und Eigen­schaf­ten, aus­schließ­lich geschul­ten Fah­ren­den gestat­tet ist.
Weiterentwicklung und Förderung des Lastenrads
  • Der Bund schafft Anrei­ze zur Wei­ter­ent­wick­lung von Las­ten­rä­dern durch Unter­stüt­zung der For­schung und Ent­wick­lung.
  • Bund, Län­der und Kom­mu­nen füh­ren För­der­pro­gram­me fort oder bau­en die­se aus. Es wer­den Nut­zer­grup­pen ange­spro­chen, bei denen Las­ten­rä­der bis­lang nur wenig zum Ein­satz kom­men, bei­spiels­wei­se Hand­werk, Ser­vice­dienst­leis­tun­gen etc..

Lastenräder brauchen Platz: Einladung zur Nutzung durch geeignete Infrastruktur

Bis zum Jahr 2025…
… hat sich das Las­ten­rad durch eine bar­rie­re­freie und gut aus­ge­bau­te Infra­struk­tur im ruhen­den und flie­ßen­den Ver­kehr auf kur­zen Distan­zen als schnel­le und wirt­schaft­li­che Alter­na­ti­ve zum Kraft­fahr­zeug eta­bliert.

Handlungsbedarf und Maßnahmen:

Nutzbarkeit der Radverkehrsanlagen
  • In Abhän­gig­keit der Defi­ni­ti­on von Fahr­rä­dern und Las­ten­rä­dern (vgl. Kern­the­ma 3) erfol­gen fol­gen­de Maß­nah­men:
    • der Bund initi­iert die Über­prü­fung der vor­han­de­nen Regel­wer­ke durch die Ver­ga­be von For­schungs­pro­jek­ten.
    • die Rad­weg­be­nut­zungs­pflicht oder mög­li­che Nut­zungs­be­schrän­kun­gen für Las­ten­rä­der wer­den durch den Bund über­prüft; all­ge­mein soll ein Rad­weg­be­nut­zungs­recht für Las­ten­rä­der bestehen – in Abhän­gig­keit von
      Maßen und Eigen­schaf­ten (vgl. Kern­the­ma 1).
  • Kom­mu­nen berück­sich­ti­gen vor allem die Ver­kehrs­stär­ke des Rad­ver­kehrs als Maß für die aus­rei­chen­de Brei­te von Rad­ver­kehrs­an­la­gen. In Berei­chen mit hohem Rad­ver­kehrs­auf­kom­men erge­ben sich damit auch aus­rei­chen­de Brei­ten für den Las­ten­rad­ver­kehr.
Abstellen von Lastenrädern
  • Der Bund legt in der StVO fest, wo Las­ten­rä­der im öffent­li­chen Raum abge­stellt wer­den dür­fen. Dies erfolgt in Abgleich mit der Klas­si­fi­zie­rung von Fahr­rä­dern (vgl. Kern­the­ma 1). Hier sind vor allem die Belan­ge der zu Fuß Gehen­den zu berück­sich­ti­gen, für die auch bei abge­stell­ten Las­ten­rä­dern noch aus­rei­chen­de Geh­weg­brei­ten zur Ver­fü­gung ste­hen müs­sen.
  • Bund und Län­der pas­sen die Vor­ga­ben in der Mus­ter­bau­ord­nung (ggf. auch Mus­ter­ga­ra­gen­ver­ord­nung; Mus­ter­stell­platz­sat­zung) und den Lan­des­bau­ord­nun­gen an, um Abstell­mög­lich­kei­ten für Las­ten­rä­der bei Neu­bau­vor­ha­ben zu schaf­fen.
  • Kom­mu­nen errich­ten Abstell­plät­ze für Las­ten­rä­der, u. a. durch Umwand­lung von Pkw-Stell­plät­zen.

Lastenräder brauchen neue Strukturen: Stadtverträglicher Lastenverkehr durch neue Transport- und Logistikstrukturen

Bis zum Jahr 2025…
… ist das Las­ten­rad bei gewerb­li­chen, pri­va­ten und behörd­li­chen Las­ten­ver­keh­ren als alter­na­ti­ves Ver­kehrs­mit­tel ver­brei­tet.
… bin­den Kurier‑, Express- und Paket­diens­te (KEP) ins­be­son­de­re im urba­nen Raum Las­ten­rä­der gezielt in die Lie­fer­ket­te ein.
… haben pri­va­te und gewerb­li­che Nut­zen­de durch ver­schie­de­ne Las­ten­rad­sharing-Sys­te­me Zugriff auf Las­ten­rä­der und nut­zen die­se ger­ne
…wer­den bei Aus­schrei­bun­gen der öffent­li­chen Hand, Trans­port­fahr­ten nach Mög­lich­keit als Las­ten­rad­fahr­ten aus­ge­schrie­ben.

Handlungsbedarf und Maßnahmen:

Einrichtung von logistischen Flächen für den Einsatz von Lastenrädern
  • Kom­mu­nen und KEP-Diens­te arbei­ten eng in der Aus­ge­stal­tung von logis­ti­schen Flä­chen zusam­men. Dabei kön­nen ver­schie­de­ne Ansät­ze wie Mikro­de­pots, mobi­le Mikro­de­pots, City-Hubs oder ähn­li­ches zur Anwen­dung kom­men. Die För­de­rung des Bun­des wird ver­ste­tigt.
  • Die Ein­rich­tung von logis­ti­schen Flä­chen erfolgt haupt­säch­lich auf pri­vat bewirt­schaf­te­ten Flä­chen. Sofern öffent­li­cher Raum zur Ver­fü­gung gestellt wird, ist die­ser dem Gebrauch meh­re­rer Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men zugäng­lich zu machen.
  • Kom­mu­nen erleich­tern die Ein­rich­tung von logis­ti­schen Flä­chen im öffent­li­chen Raum, z. B. durch Son­der­nut­zungs­er­laub­nis­se.
  • Bei der Ent­wick­lung ins­be­son­de­re neu­er Wohn­ge­bie­te ist der Bedarf an logis­ti­schen Flä­chen zu berück­sich­ti­gen. Dies kann über die Fest­le­gung der Flä­chen­nut­zung im Rah­men des Bau­leit­plan­ver­fah­rens erfol­gen oder auf Grund­la­ge der Bau­ord­nun­gen. Unter Ein­be­zie­hung rele­van­ter Akteu­re erfolgt hier­zu die Erar­bei­tung eines pra­xis­ge­rech­ten Leit­fa­dens. Ände­run­gen in Vor­schrif­ten zu Bau und Flä­chen­nut­zung erfol­gen durch Bund und Län­der.
Unterstützung des Lastenrads für den Transporteinsatz
  • Um die siche­re Nut­zung des Las­ten­rads im gewerb­li­chen Ein­satz zu gewähr­leis­ten, bie­ten IHK, Hand­werks­kam­mern, gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung und ande­re Part­ner, Schu­lun­gen zum Fah­ren eines Las­ten­ra­des an.
  • Kom­mu­nen öff­nen Fuß­gän­ger­zo­nen und städ­ti­sche Kern­ge­bie­te im Ermes­sen für Las­ten­rä­der. Durch kür­ze­re Öff­nungs­zei­ten für kon­ven­tio­nel­le Lie­fer­ver­keh­re wird der Ein­satz von Las­ten­rä­dern attrak­ti­ver; berück­sich­tigt wer­den nicht nur die Belan­ge von Lie­fer­diens­ten, son­dern auch wei­te­rer Nut­zer­grup­pen.
Inter- und Multimodalität
  • Für die Las­ten­r­ad­mit­nah­me gibt es in Nah­ver­kehrs­zü­gen unter­schied­li­che Rege­lun­gen, in Fern­ver­kehrs­zü­gen ist eine Las­ten­r­ad­mit­nah­me nach aktu­el­lem Stand gene­rell unter­sagt. Auf­grund der inzwi­schen bestehen­den Viel­falt von Las­ten­rä­dern ist eine kla­re, bei­spiels­wei­se auf Abmes­sun­gen basie­ren­de Anga­be zur Fahr­rad­mit­nah­me erfor­der­lich. Län­der und Ver­kehrs­ver­bün­de berück­sich­ti­gen die Belan­ge von Las­ten­rä­dern bei der Auf­stel­lung des Nah­ver­kehrs­an­ge­bots und erar­bei­ten eine ein­heit­li­che Rege­lung zur Las­ten­r­ad­mit­nah­me. Die DB AG schafft ein abmes­sungs­be­zo­ge­nes und nut­zungs­freund­li­ches Ange­bot zur Las­ten­r­ad­mit­nah­me im Fern­ver­kehr.
  • Zur Stär­kung der Inter­mo­da­li­tät sind ins­be­son­de­re siche­re Abstell­mög­lich­kei­ten und ggf. eine bau­li­che Anpas­sung der Bahn­hö­fe (zum Bei­spiel Ram­pen und grö­ße­re Auf­zü­ge) von Bedeu­tung. DB AG und Kom­mu­nen berück­sich­ti­gen die Belan­ge von Las­ten­rä­dern bei der Errich­tung von Fahr­rad­park­häu­sern und Fahr­rad­ab­stell­an­la­gen.
Sharing
  • Das Tei­len von Las­ten­rä­dern kann in unter­schied­li­chen For­men gesche­hen, z.B. durch die gemein­sa­me Nut­zung im pri­va­ten Umfeld, Ein­zel­han­dels­an­ge­bo­te, groß­flä­chig orga­ni­sier­te, kom­mer­zi­el­le Sharing-Anbie­ter. Län­der und Kom­mu­nen för­dern die Anschaf­fung von Las­ten­rä­dern zur gemein­schaft­li­chen Nut­zung.
  • Kom­mu­nen gehen mit gutem Bei­spiel vor­an und stat­ten Behör­den und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen mit Trans­port­be­darf mit Las­ten­rad­flot­ten aus oder nut­zen ver­stärkt Las­ten­rad­sharing­an­ge­bo­te.

Links

Ergeb­nis­pa­pier Las­ten­ver­kehr

Autor: Marcel Hövelmann

Marcel Hövelmann ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln.

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