Grüner Wasserstoff. Wie weit ist die RheinEnergie?

Mit sie­ben Mil­li­ar­den Euro will die Bun­des­re­gie­rung nun grü­ne Was­ser­stoff­tech­no­lo­gie för­dern. Doch ist die Rhein­Ener­gie auf die­sen Ener­gie­trä­ger vor­be­rei­tet? Wir waren zu Besuch am Park­gür­tel.

wasserstoff

Köln hat den Kli­ma­not­stand aus­ge­ru­fen. Da ist es sinn­voll, mit dem Unter­neh­men zu reden, wel­ches mit Abstand den größ­ten Anteil an den Köl­ner Treib­haus­gas­emis­sio­nen zu ver­bu­chen hat.
Als bis­her ers­te Grup­pe aus dem Rat der Stadt Köln, haben wir den Aus­tausch mit einem Exper­ten­kreis unse­res städ­ti­schen Ener­gie­ver­sor­gers „Rhein­Ener­gie“ zum The­ma grü­ner Was­ser­stoff (H2) gesucht. Das Tref­fen soll­te bereits im März statt­fin­den, muss­te aber Covid-19 bedingt in den Juni ver­scho­ben wer­den und hat inzwi­schen statt­ge­fun­den.

Unse­ren Strom mehr aus Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en zu erzeu­gen ist mit Sicher­heit ein wich­ti­ger und not­wen­di­ger Schritt. „Die Rhein­Ener­gie soll Öko­strom­an­bie­ter wer­den“ steht in unse­rem Wahl­pro­gramm. Wenn man aber bedenkt, dass Strom nur einen Anteil von ca. 20% am gesam­ten Pri­mär­ener­gie­ver­brauch in Deutsch­land hat, wird klar, dass das nicht aus­rei­chen kann, um die Kli­ma­zie­le zu errei­chen.

Einen wei­te­ren wesent­li­chen Bei­trag auf dem Weg zur Kli­ma­neu­tra­li­tät wird daher grü­ner Was­ser­stoff leis­ten müs­sen. Grü­ner Was­ser­stoff kann bei­spiels­wei­se dann pro­du­ziert wer­den, wenn Wind­rä­der sonst abge­schal­tet wür­den, weil das Netz ihren über­schüs­si­gen Grün­strom gera­de nicht auf­neh­men kann oder gera­de wenig Strom benö­tigt wird. Grü­ner Was­ser­stoff ist spei­cher­bar und wird inter­na­tio­nal schon län­ger for­ciert.
Er wird über­all da zum Ein­satz kom­men, wo eine Elek­tri­fi­zie­rung nicht mög­lich ist und wo Bat­te­ri­en auf­grund ihrer gerin­gen Spei­cher­dich­te und ihres hohen Gewich­tes nicht funk­tio­nie­ren. Mit grü­nem Was­ser­stoff betrie­be­ne Brenn­stoff­zel­len-LKW, Bus­se und PKW (FCEV) fah­ren kom­plett emis­si­ons­frei. Aus dem Aus­puff kommt nur rei­nes Was­ser. Das ist kei­ne Zukunfts­mu­sik, sol­che Fahr­zeu­ge sind im Betrieb. Des­wei­te­ren wird Was­ser­stoff unter ande­rem Anwen­dung in der Schiff­fahrt und der Che­mie fin­den, sowie zur Dekar­bo­ni­sie­rung der Stahl­er­zeu­gung bei­tra­gen. Zurück zur Rhein­ener­gie: eine Treib­haus­gas­re­du­zie­rung wür­de auch erfol­gen, wenn grü­ner Was­ser­stoff dem Erd­gas bei­gemischt wür­de, wel­ches die Gas­tur­bi­nen der Rhein­ener­gie befeu­ert und hin zu den hei­mi­sche Gasther­men trans­por­tiert wird. Letzt­end­lich könn­te grü­ner H2 fos­si­les Gas kom­plett erset­zen.

Auf Bun­des­ebe­ne wer­den jetzt im Rah­men des Kon­junk­tur­pa­ke­tes end­lich Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt und eine Was­ser­stoff­stra­te­gie wur­de aktu­ell beschlos­sen. Davon wird das Kli­ma deut­lich pro­fi­tie­ren und zukunfts­fä­hi­ge Arbeits­plät­ze wer­den ent­ste­hen.

wasserstoff
Bild: Horst Broich

Die Rhein­Ener­gie sieht ihr Geschäfts­mo­dell durch Was­ser­stoff nicht bedroht. Auch sie geht davon aus, dass grü­ner H2 Erd­gas erset­zen wird. Das fin­den wir schon mal erfreu­lich. Aller­dings weist die Rhein­ener­gie dar­auf hin, dass sich die neu­en För­der­pro­gram­me des Bun­des in ers­ter Linie auf grü­nen  Was­ser­stoff in der Mobi­li­tät rich­ten.

Eine stra­te­gi­sche Aus­rich­tung scheint mei­nem Ein­druck nach jedoch zu feh­len. Wur­de sich bei­spiels­wei­se in aus­rei­chen­dem Maße um För­der­mit­tel bis­he­ri­ger Pro­gram­me für For­schungs­pro­jek­te bemüht? Jetzt schon lässt sich Was­ser­stoff CO2-neu­tral per Elek­tro­ly­se her­stel­len. An einem wei­te­ren kli­ma­neu­tra­ler Weg, die sog. direk­te sola­re Was­ser­spal­tung, wird welt­weit geforscht. Dass die Rhein­Ener­gie die­se The­men nicht mit Nach­druck beackert, bedau­ern wir. In die­sem Kon­text haben wir die Rhein­Ener­gie zu mehr Zusam­men­ar­beit mit der For­schung gebe­ten. Das For­schungs­zen­trum Jülich beschäf­tigt sich inten­siv mit Was­ser­stoff und liegt in der Nach­bar­schaft. Immer­hin konn­ten wir mit der Zusa­ge aus dem Gespräch gehen, dass bei Aus­schrei­bun­gen für Gas­tur­bi­nen (Strom + Wär­me) in naher Zukunft auch auf die Was­ser­stoff­taug­lich­keit der Tur­bi­nen geach­tet wer­den soll. Dies soll nach Mög­lich­keit bereits für die Aus­schrei­bung der neu­en Tur­bi­ne für Mer­ke­nich im Köl­ner Nor­den gel­ten.

Wir for­dern aller­dings deut­lich mehr: einen Was­ser­stoff-Mas­ter­plan für Köln. Die Tech­no­lo­gie ist da, der Kli­ma­wan­del war­tet nicht, Köln muss sich end­lich bewe­gen!


Bei­trags­bild (oben): Bun­des­re­gie­rung.
Link: Infor­ma­tio­nen zur Was­ser­stoff-Ini­ti­tia­ve (Juni 2020) der Bun­des­re­gie­rung

Autor: Horst Broich

Horst ist Mitglied der Wählergruppe GUT Köln, und verfolgt seit Jahren die Forschung zu (grünem) Wasserstoff.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.