Wie läuft’s eigentlich so im Rathaus?

Mein Prak­ti­kum bei den Guten

Hal­lo mein Name ist Han­nah und ich glau­be, dass ihr alle wahr­schein­lich mehr Ahnung von der Köl­ner Kom­mu­nal­po­li­tik habt, als ich. Aber was noch nicht ist kann ja noch wer­den … Einen guten Ein­stieg habe ich in mei­nem 3 Wöchi­gen Prak­ti­kum bei den GUTen auf alle Fäl­le bekom­men.
Ich gehe in die Q1 eines Köl­ner Gym­na­si­ums und muss anstel­le des übli­chen Prak­ti­kums­be­richts eine Fach­ar­beit in Kopp­lung an mein Prak­ti­kum schrei­ben. Die­se soll zwar nur in einem sehr begrenz­ten Teil­ge­biet aber dafür mit „streng wis­sen­schaft­li­chen“ Metho­den ver­fasst wer­den.
In mei­ner Prak­ti­kums­zeit habe ich also sowohl die Arbeit der Rats­grup­pe ken­nen­ge­lernt, als auch eigen­stän­di­ge Recher­che für mei­ne Fach­ar­beit betrie­ben.

Wie kom­me ich zu den GUTen? Ich ken­ne Thor aus der Nach­bar­schaft und fand es sehr inter­es­sant, als er mal von sei­nen Tätig­kei­ten im Rat erzählt hat. Kurz danach soll­ten wir uns dann für ein Prak­ti­kum bewer­ben, da habe ich die Gele­gen­heit genutzt, mir selbst mal ein Bild zu machen.
Als ich mich zwei Wochen vor Beginn mei­nes Prak­ti­kums das ers­te Mal mit Thor im Büro von der „GUTen“ getrof­fen habe, muss­te ich fest­stel­len, dass mei­ne ers­te vage The­men­vor­stel­lung: „Ich mach was zum The­ma Bür­ger­be­tei­li­gung“ noch viel viel kom­ple­xer ist als mir sowie­so schon bewusst war.
Vor allem aber fand ich es inter­es­sant, wie unter­schied­lich die Vor­stel­lun­gen bei dem Wort „Bür­ger­be­tei­li­gun­gen“ zwi­schen einem Rats­mit­glied und einer „Neu­ein­stei­ge­rin“ waren. Ich hat­te haupt­säch­lich an die all­ge­mei­nen Mög­lich­kei­ten sich als Bür­ger in der Poli­tik ein­zu­brin­gen, d.h von der Mit­glied­schat in einer Par­tei bis zur eige­nen Bür­ger­initia­ti­ve gedacht. Beson­ders mit Blick auf die Wäh­ler­grup­pe, wel­che ja auch durch Bür­ger, die sich betei­li­gen wol­len, ent­stan­den ist. Thor hin­ge­gen hat bei dem Stich­wort viel mehr an die bestimm­ten Betei­li­gungs­ver­fah­ren, in denen Bür­ger von der Poli­tik aus die Mög­lich­keit bekom­men, sich ein­zu­brin­gen, gedacht.

Nach die­sem ers­ten kon­kre­ten Gespräch, in dem ich unter ande­rem das ers­te Mal über den Begriff „Ver­wal­tung“ gestol­pert bin (fragt mich nicht wie ich die­sen bis dahin über­hört haben konn­te) war mir auf jeden Fall eines klar: Ich soll­te mich unbe­dingt bis zum Beginn des Prak­ti­kums über die Kom­mu­nal­po­li­ti­schen Struk­tu­ren infor­mie­ren!

Han­nah am Red­ner­pult – zu Beginn noch etwas ori­en­tie­rungs­los …

So hab ich mich also mehr oder weni­ger infor­miert in die fol­gen­den 3 Wochen gestürzt und am ers­ten Tag direkt Bekannt­schaft zum einen mit dem ande­ren auch sehr net­ten Rats­her­ren der GUTen: Tobi­as, sowie dem LVR gemacht. Der Land­schafts­ver­band Rhein­land, in dem Thor sich den Grü­nen ange­schlos­sen hat und im Kul­tur- sowie im Umwelt­aus­schuss sitzt, ist ein Kom­mu­nal­ver­band und erfüllt rhein­land­weit Auf­ga­ben in der Behin­der­ten- und Jugend­hil­fe, in der Psych­ia­trie und der Kul­tur. Für die meis­ten ist er eher unbe­kannt, obwohl er sein rie­sen „Impe­ri­um“ direkt sicht­bar auf der Deut­zer Rhein­sei­te hat. Von der Struk­tur her ist er ähn­lich wie die Stadt Köln orga­ni­siert, nur mit ande­ren Auf­ga­ben­fel­dern und mehr Geld. Das erken­ne man unter ande­rem dar­an, dass es hier wäh­rend der Sit­zun­gen zur Mit­tags­zeit etwas zu essen und sonst immer ver­schie­de­ne Geträn­ke gibt, nicht wie in Köln, wo im Aus­schuss für Anre­gun­gen und Beschwer­den ein Becher für Was­ser­geld her­um­ge­reicht wird. Dar­auf wer­de ich direkt bei dem klei­nen Spa­zier­gang über die Deut­zer Brü­cke auf­merk­sam gemacht 😉

Letz­te­ren Aus­schuss konn­te ich dann am nächs­ten Tag ken­nen ler­nen. Hier kön­nen Bür­ger, ohne vie­le For­ma­lia beach­ten zu müs­sen ihre Anre­gun­gen und Beschwer­den der Poli­tik vor­stel­len. In jeder Sit­zung wer­den unge­fähr vier Bür­ger­ein­ga­ben behan­delt.
An die­sem Tag wur­de am aus­gie­bigs­ten dis­ku­tiert, ob Pfer­de im Rosen­mon­tags­zug wei­ter­hin erlaubt sein soll­ten. Tier­schüt­zer hat­ten sich beschwert.
Ich war über­rascht wie viel Auf­merk­sam­keit (und Pres­se!) die­ses gan­ze The­ma, im Ver­gleich zu ande­ren, für die Mehr­heit viel­leicht rele­van­te­ren The­men (kaput­te KVB Auf­zü­ge und Roll­trep­pen), bekam. Vor allem war es inter­es­sant im Nach­hin­ein zu beob­ach­ten, wie die ver­schie­de­nen Par­tei­en sich mit dem The­ma in der Öffent­lich­keit prä­sen­tie­ren. Die SPD hat­te in die­sem Fall ein Bild auf Face­book gepos­tet, wel­ches bei man­chen den Ein­druck ver­mit­teln könn­te, dass sie allei­ne die Pfer­de im Rosen­mon­tags­zug erhal­ten hät­ten – obwohl der gesam­te Aus­schuss ein­stim­mig gegen ein Pfer­de­ver­bot ent­schie­den hat­te. Zudem könn­te der Aus­schuss auch gar kei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dun­gen tref­fen, son­dern höchs­tens Emp­feh­lun­gen an ande­re Gre­mi­en aus­spre­chen.

Im Lau­fe der Wochen habe ich mich dann für Recher­che Zwe­cke mit ver­schie­de­nen Leu­ten aus Ver­wal­tung und Poli­tik, die im aktu­el­len Köl­ner Leit­li­ni­en­pro­zess für eine bes­se­re Bür­ger­be­tei­li­gung, dabei sind, getrof­fen.
Der Leit­li­ni­en­pro­zess ist seit 2015 im Gan­ge und erar­bei­tet in einem Gre­mi­um, das sich aus Bür­gern, Poli­ti­kern und Mit­ar­bei­tern der Ver­wal­tung zusam­men­setzt ver­bind­li­che Rege­lun­gen für die Bür­ger­be­tei­li­gungs­pro­zes­se in Köln. Bür­ger sol­len an den rich­ti­gen Stel­len, kon­struk­tiv in einem Pro­zess ein­ge­bun­den wer­den. Hier­bei muss eine mög­lichst brei­te und viel­fäl­ti­ge Schicht der Bevöl­ke­rung erreicht wer­den.

… doch nach drei Wochen bereits Voll-Pro­fi – auf dem Platz der Ober­bür­ger­meis­te­rin 😉

Für mei­ne Fach­ar­beit bin ich dar­auf hin zu dem Schluss gekom­men das Gan­ze auf die Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten von Jugend­li­chen zu beschrän­ken und wie die­se im Leit­li­ni­en­pro­zess berück­sich­tigt wer­den. Ich fin­de es näm­lich echt scha­de, dass die meis­ten in mei­nem Alter (so wie ich vor einem Monat) abso­lut gar nichts mit Kom­mu­nal­po­li­tik am Hut haben, obwohl die­se einen gro­ßen Ein­fluss auf unser direk­tes Umfeld hat. Die wirk­li­che und ernst­ge­mein­te Betei­li­gung von Jugend­li­chen an der Kom­mu­nal­po­li­tik, in einer zu uns pas­sen­den Form, ist für das Demo­kra­tie-und Poli­tik­ver­ständ­nis enorm wich­tig. Vie­le Stu­di­en bele­gen, dass Jugend­li­che näm­lich sehr wohl an der Gestal­tung ihres Umfel­des inter­es­siert sind, jedoch oft nicht die Mög­lich­kei­ten sehen, oder die Hür­den zu hoch wir­ken, wirk­lich etwas errei­chen zu kön­nen.

Im Büro habe ich von Öffent­lich­keits­ar­beit bis zur Fer­tig­stel­lung eines Antrags zum Rats-Live­strea­ming einen Ein­druck bekom­men. Hier habe mich auch mit Kaf­fee kochen, Jah­res­plä­nen und dem spei­chern und sor­tie­ren von Doku­men­ten soweit ein­ge­bracht. Ansons­ten habe ich mit Thor an wei­te­ren LVR Sit­zun­gen, Bezirks­ver­tre­tun­gen und Aus­schüs­sen teil­ge­nom­men.

Mit der Zeit muss­te ich fest­stel­len, dass ich ein ziem­lich schlech­tes Bild von der Stadt Köln hat­te, da man immer nur die glei­chen Schlag­wor­te, wie: „mal wie­der typisch Köln“, „Klün­gel“, „zu wenig Geld“ und was sonst alles so schief geht, hört (wenn man nicht regel­mä­ßig inten­siv die Pres­se ver­folgt) .
Von daher war ich erst mal über­rascht wie viel und wie gut das meis­te doch läuft. Und einen rie­sen Respekt an alle, die sich ehren­amt­lich so für die Ent­wick­lung der Stadt enga­gie­ren.
Aller­dings hinkt „das Sys­tem“ viel­leicht auch an man­chen Stel­len. Wenn man sich anschaut wie VIEL so ein (meist ehren­amt­li­ches) Rats­mit­glied eigent­lich über­schau­en müss­te, ist es klar das sich da auch Ent­schei­dungs­feh­ler ein­schlei­chen kön­nen. Viel­leicht hilft es in die­sem Punkt wirk­lich mehr die Bür­ger mit ihrem Wis­sen und Enga­ge­ment mit ins Boot zu holen, damit Feh­ler und Pro­ble­me mög­lichst am Anfang eines Pro­zes­ses erkannt und beho­ben wer­den kön­nen. Dafür ist die Trans­pa­renz in poli­ti­schen Pro­zes­sen enorm wich­tig.

Abschlie­ßend wür­de ich sagen, dass mir das Prak­ti­kum mei­nen Blick auf Köln erwei­tert hat und mich in gewis­ser Hin­sicht dem Stadt Gesche­hen näher gebracht hat.
Also falls Ihr die Mög­lich­keit haben soll­tet, dann macht doch auch mal ein Prak­ti­kum im Rat­haus, am bes­ten natür­lich bei den Guten … und enga­giert Euch! 🙂..

Autor: Hannah

Hannah absolvierte im Januar/Februar 2017 ein Praktikum in unserer Ratsgruppe

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