Winterhilfe für Wohnungslose

Im Rah­men der Win­ter­hil­fe hat die Stadt Köln Über­nach­tungs­plät­ze für Woh­nungs­lo­se auf­ge­stockt und eine 24 Stun­den-Hot­line frei­ge­schal­tet. Wir haben mit Lin­da Ren­nings über sinn­vol­le Hil­fen für Obdach­lo­se gespro­chen.

Winterhilfe

Lin­da Ren­nings war selbst jah­re­lang obdach­los, und hat den Schritt raus aus der Obdach­lo­sig­keit geschafft. Lin­da grün­de­te den Ver­ein “Hei­mat­los in Köln e.V.” (HiK), der sich für obdach­lo­se Frau­en ein­setzt. Wir haben Lin­da nach der (aus­ge­bau­ten) Win­ter­hil­fe der Stadt Köln und eini­ger Ver­bän­de gefragt.
Wei­ter unten fin­det Ihr Anga­ben zur Win­ter­hil­fe und eine aktu­el­le Pres­se­mit­tei­lung der Stadt Köln zum The­ma.


Lin­da, was sol­len Men­schen tun, die im Win­ter Obdach­lo­se schla­fend drau­ßend antref­fen?
Erst schau­en ob der­je­ni­ge ansprech­bar ist und reagiert, bezie­hungs­wei­se sich bewegt. Dann fra­gen ob er Hil­fe braucht oder Hun­ger oder Durst hat. Wenn man den Ein­druck hat der Zustand ist bedenk­lich, oder der­je­ni­ge ist ohne Ori­en­tie­rung (also eine hilf­lo­se Per­son) dann den Ret­tungs­wa­gen rufen. Und dar­auf war­ten, dass die­se raus kom­men und auch den­je­ni­gen mit­neh­men, falls nötig. Wenn man weiß wo Not­un­ter­künf­te sind, oder wie jetzt in der Käl­te, den­je­ni­gen fra­gen ob er sie kennt, oder ihn gege­be­nen­falls dahin brin­gen.

Ist das städ­ti­sche Pro­gramm aus­rei­chend?
Nein. Seit jah­ren bemän­ge­le ich, dass Obdach­lo­se mit Hund aus­ge­grenzt wer­den, und es für sie kei­ne Unter­künf­te gibt die mir bekannt wären. Sie müs­sen bei allen Wet­ter­la­gen draus­sen blei­ben, weil der Hund nicht rein kann. Und Ange­bo­te den Hund über Nacht ins Tier­heim zu geben, damit man dann in eine Not­un­ter­kunft kann, wer­den nicht ange­nom­men. Die Angst ist zu gross vor sol­chen Orgas, und auch kei­ner trennt sich vom Hund für irgend­wo in einer Rei­he auf einer Prit­sche oder Matrat­ze zu schla­fen. Wo man viel­leicht bek
laut wird und nicht weiss wer da neben einem liegt. Auch die Gewalt spielt hier­bei eine Rol­le und die hygie­ni­schen Zustän­de in den Unter­künf­ten. Teil­wei­se nur im SKF gibt es für Frau­en für 2 oder 3 Platz mit Hund – solan­ge der Zim­mer­mit­nut­zer sich nicht gestört fühlt. Und es gibt kei­ne Unter­künf­te für Pär­chen, was auch dazu führt dass vie­le draus­sen blei­ben. Hier spielt die Sicher­heit eine gros­se Rol­le: wer immer mit Part­ner draus­sen ist, lässt ihn nicht im Stich und ver­traut auch sonst kei­nen (wie mit den Hun­den).

Was könn­te die Stadt wei­ter ver­bes­sern?
Die Stadt könn­te die Mas­sen­un­ter­künf­te las­sen, und bes­ser maxi­mal Zwei­bett-Zim­mer machen. Wich­tig sind auch bar­rie­re­freie Zugän­ge für Obdach­lo­se mit Rol­li und Geh­wa­gen. Regel­mäs­si­ge Kon­trol­len der Unter­künf­te, zum Bei­spiel sani­tär, auch wäre wich­tig pri­va­ter Stau­raum wie Schließ­fä­cher bzw. klei­ne Spin­de. Und die auch gesi­chert, dass nix auf­ge­bro­chen wird. Kon­trol­len wer bei Nut­zung der Unter­kunft was genom­men hat (Dro­gen oder Alko­hol), und die erst gar nicht rein las­sen oder sepa­rie­ren. Mehr gegen Gewalt und Dieb­stahl tun, doch beson­ders die Sani­tär­an­la­gen auf Stand hal­ten. Regel­mäs­sig gegen Unge­zie
fer ange­hen, weni­ger tren­nen um mehr Gemein­schaft zu schaf­fen und das “Wir-Gefühl”. Weni­ger Regeln, die vie­le nicht ein­hal­ten kön­nen und oft sinn­los sind. Immer Essens­an­ge­bot in den Unter­künf­ten haben, ganz­jäh­rig und Trin­ken. Zei­ten weni­ger beschrän­ken, dass jemand auch spät in der Nacht noch in die Unter­kunft kann wenn er gefun­den wird. An HiK, oder auch ande­re die im Street­work sind, mehr Koope­ra­ti­on anbie­ten, zum Bei­spiel Tele­fon­num­mern von direk­ten Ansprech­part­nern der Unter­künf­te. Um sofort nach­fra­gen zu kön­nen, ob ein Platz frei ist. Und eine Lis­te raus geben, wo genau wel­che Unter­künf­te sind, und was sie dann bie­ten (wie “nur für Män­ner” oder so).  Es braucht drin­gend mehr Plät­ze für Frau­en, beson­ders für älte­re Frau­en und jene mit Hund!


Winterhilfe
„Köl­sche“ Lin­da Ren­nings und Gui­do Fah­rend­holz (Vor­stand von HiK) – Foto: fushi design

Der Ver­ein “Hei­mat­los in Köln e.V.” freut sich über Spen­den. Wer sich stär­ker enga­gie­ren möch­te kann auch (För­der-) Mit­glied wer­den. Mehr über Lin­da Ren­nings, ihr Leben und ihr Enga­ge­ment könnt Ihr auch bei EMMA erfah­ren.


Zur Winterhilfe der Stadt Köln

Beson­ders nachts wird es in den nächs­ten Wochen bit­ter­kalt. Die Stadt Köln appel­liert des­halb an alle Bürger*innen, auf­merk­sam für frie­ren­de, woh­nungs­lo­se Men­schen zu sein. Genau hin­schau­en und sofort han­deln ist wich­tig. Unter  0221 / 474 555 45 kön­nen Bürger*innen rund um die Uhr auf hilfs­be­dürf­ti­ge woh­nungs­lo­se Per­so­nen auf­merk­sam machen. Bei akut gefähr­de­ten Men­schen wer­den Bürger*innen gebe­ten, umge­hend den Ret­tungs­dienst unter 112 zu rufen.

In ihrer Pres­se­mit­tei­lung erläu­tert die Stadt Köln die wei­te­ren Ange­bo­te der dies­jäh­ri­gen Win­ter­hil­fe:

Auch in die­sem Win­ter bie­tet die Stadt Köln wie­der beson­de­re Hil­fen für woh­nungs­lo­se Men­schen an. Damit soll die­sem Per­so­nen­kreis in der kal­ten Jah­res­zeit in Zusam­men­ar­beit mit den Trä­gern der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe ein zusätz­li­cher Schutz vor Käl­te und Näs­se ermög­licht wer­den. Extre­me Tem­pe­ra­tu­ren oder Schnee­fäl­le in der kal­ten Jah­res­zeit füh­ren dazu, dass auch Men­schen eine Unter­brin­gung wün­schen, die bei nor­ma­len Wit­te­rungs­be­din­gun­gen auf der Stra­ße leben und in die­ser Zeit bestehen­de Unter­brin­gungs­an­ge­bo­te ableh­nen. Aber auch Men­schen, die sich in Köln auf­hal­ten und kein Ein­kom­men oder kei­ne Ansprü­che auf Sozi­al­leis­tun­gen haben, bedür­fen in sol­chen Not­si­tua­tio­nen einer huma­ni­tä­ren Hil­fe und einem Schutz vor gesund­heit­li­chen Schä­den.

Hier­für bie­tet das Amt für Sozia­les und Senio­ren bereits seit 22 Jah­ren eine „Win­ter­hil­fe“ an. Die­se beson­de­ren Vor­keh­run­gen wer­den für die kal­te Jah­res­zeit vom 1. Okto­ber 2018 bis 31. März 2019 getrof­fen. Das bestehen­de Unter­brin­gungs­an­ge­bot wird für die­sen Zeit­raum zeit­lich befris­tet auf­ge­stockt.

Bei extre­men Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen wer­den dar­über hin­aus durch ehren­amt­li­che Kräf­te und städ­ti­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter soge­nann­te „Käl­te­gän­ge” durch­ge­führt. Im Win­ter 2018/2019 bie­tet das Amt für Sozia­les und Senio­ren der Stadt Köln fol­gen­de zusätz­li­che Hilfs­an­ge­bo­te:

Zusätz­li­che Not­schlaf­plät­ze 

Die Stadt Köln bie­tet das gan­ze Jahr über ver­schie­de­ne, auf unter­schied­li­che Bedürf­nis­se von Woh­nungs­lo­sen aus­ge­rich­te­te, Beratungs‑, Wohn- und Unter­brin­gungs­an­ge­bo­te an. Dabei wer­den ins­ge­samt 61 Plät­ze in Not­schlaf­stel­len bereit­ge­hal­ten. Im Bereich des Betreu­ten Woh­nens ste­hen 381 Plät­ze zur Ver­fü­gung. Im sta­tio­nä­ren Bereich sind es 228 Plät­ze. Ord­nungs­be­hörd­li­che Unter­brin­gun­gen machen die größ­te Anzahl mit
760 Plät­zen für Woh­nungs­lo­se aus. Wäh­rend der dies­jäh­ri­gen Win­ter­hil­fe sto­cken die Dia­ko­nie Micha­els­ho­ven e.V. und der Sozi­al­dienst katho­li­scher Frau­en e.V. ihre Ange­bo­te für Frau­en um jeweils zwei Plät­ze auf.

Tie­re 

Das Amt für Woh­nungs­we­sen der Stadt Köln bie­tet vier zusätz­li­che Plät­ze in der Ein­rich­tung des Inter­na­tio­na­len Bun­des für woh­nungs­lo­se Men­schen mit Hun­den an. Frau­en mit Tie­ren wer­den in der Not­schlaf­stel­le „Come­back“ des Sozi­al­diens­tes katho­li­scher Frau­en e.V. auf­ge­nom­men. Der Köl­ner Tier­schutz­ver­ein in Köln-Zoll­stock bie­tet in die­sem Jahr erneut Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten für Hun­de von woh­nungs­lo­sen Men­schen an. Beson­ders im Fokus ste­hen dabei die Per­so­nen, die in der ord­nungs­be­hörd­li­chen Unter­brin­gung in der Vor­ge­birgstra­ße über­nach­ten. Für Hun­de ste­hen zehn Plät­ze pro Nacht zur Ver­fü­gung. Die Hun­de­be­sit­zer kön­nen die Hun­de abends bis 18 Uhr oder in der Zeit zwi­schen 20 bis 21 Uhr vor­bei­brin­gen. Die Hun­de über­nach­ten in einem beheiz­ten Zwin­ger und wer­den mit Fut­ter und Was­ser ver­sorgt. Jeweils mor­gens ab 7 Uhr kön­nen die Hun­de wie­der abge­holt wer­den.

 24 Stun­den-Hot­line für Bür­ge­rin­nen und Bür­ger

Die Erreich­bar­keit wird durch den Trä­ger der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe „Haus Rupprecht­stra­ße Köln gGmbH”, ein Wohn­haus für straf­fäl­lig gewor­de­ne Frau­en und Män­ner, sicher­ge­stellt.
Die Mel­dun­gen wer­den täg­lich an die Sozi­al­ver­wal­tung wei­ter­ge­lei­tet. Bürger*innen kön­nen sich auch direkt per Mail an das Sozi­al­amt wen­den: sozialamt.resodienste@stadt-koeln.de. Auch die Annah­me von Klei­der­spen­den wird über die­se E‑Mail-Adres­se ver­mit­telt.

Käl­te­gän­ge

Nach den posi­ti­ven Erfah­run­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gibt es auch in die­sem Win­ter wie­der Käl­te­gän­ge. Dabei suchen Mitarbeiter*innen der Stadt Köln in den Abend­stun­den bei län­ger­fris­ti­gem Absin­ken der Tem­pe­ra­tu­ren in den Minus­be­reich gezielt Plät­ze in der Köl­ner Innen­stadt auf, die über die Hot­line gemel­det wur­den oder die als Plät­ze, an denen sich Woh­nungs­lo­se auf­hal­ten, bekannt sind. Die seit Juli 2017 akti­ven Street­wor­ker aus dem Bereich der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe unter­stüt­zen die Kältegänger*innen tags­über. Die ange­trof­fe­nen Per­so­nen wer­den vor Ort über die Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te der Stadt infor­miert. Die Ange­bo­te und Maß­nah­men der Win­ter­hil­fe wer­den eng mit der Poli­zei, den Köl­ner Ver­kehrs­be­trie­ben und dem Ord­nungs­amt abge­stimmt.

Ord­nungs­be­hörd­li­che Unter­brin­gung aus huma­ni­tä­ren Grün­den

Die Ver­wal­tung hat in enger Koope­ra­ti­on mit dem Sozi­al­dienst Katho­li­scher Män­ner Köln (SKM Köln) am 22. Okto­ber 2018 ein ganz­jäh­ri­ges Über­nach­tungs­an­ge­bot im Rah­men der huma­ni­tä­ren Hil­fen für woh­nungs­lo­se Men­schen aus den Staa­ten der EU-Ost­erwei­te­rung in der Vor­ge­birgstra­ße eröff­net. Das nie­der­schwel­li­ge Ange­bot rich­tet sich an Per­so­nen, für die das bestehen­de Hil­fe­sys­tem kei­ne Ange­bo­te vor­hält, zum Bei­spiel wegen feh­len­der Leis­tungs­an­sprü­che oder sprach­lich-kul­tu­rel­ler Hür­den. Für die­ses Ange­bot ste­hen vor Ort bis zu 90 Plät­ze zur Ver­fü­gung. Das täg­li­che Über­nach­tungs­an­ge­bot ist täg­lich von 19 Uhr bis mor­gens um 8 Uhr geöff­net.

Zusätz­lich wird die Ver­wal­tung in enger Koope­ra­ti­on mit dem SKM Köln im Rah­men der Win­ter­hil­fe wie bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch die nied­rig­schwel­li­ge Über­nach­tungs­mög­lich­keit in der Vor­ge­birgstra­ße für woh­nungs­lo­se Men­schen erwei­tern, die Hil­fen im bestehen­den Regel­sys­tem nicht anneh­men. Die auf­ge­stock­te Über­nach­tungs­mög­lich­keit mit wei­te­ren 80 Plät­zen wird ab Dezem­ber 2018 betriebs­be­reit sein. Ins­ge­samt ste­hen dann Plät­ze für bis zu 170 Frau­en und Män­ner zur Ver­fü­gung. Die­se kön­nen inner­halb des Hau­ses fle­xi­bel belegt wer­den.

Eröff­nungs- und Schlie­ßungs­ter­min der Ein­rich­tung sind wet­ter­ab­hän­gig. Öff­nungs­zei­ten täg­lich von 19 bis 8 Uhr. Es han­delt sich dabei um ein nied­rig­schwel­li­ges Ange­bot, das aus­schließ­lich zur Über­nach­tung genutzt wer­den kann. Das Pro­jekt wird eben­so wie das ganz­jäh­ri­ge Über­nach­tungs­an­ge­bot durch den Sozi­al­dienst Katho­li­scher Män­ner betreut. Die­se spe­zi­el­le Unter­kunft ist frei zugäng­lich, sie kann aber auch über die Trä­ger der Wohl­fahrts­pfle­ge, Poli­zei, KVB, Ord­nungs­amt, Bahn­hofs­mis­si­on oder ande­re Not­schlaf­stel­len ver­mit­telt wer­den.


Hier der Link zur Win­ter­hil­fe der Stadt Köln

Autor: Thor Zimmermann

Thor ist Ratsmitglied der Stadt Köln, und auch in den Ausschüssen Kultur, Stadtentwicklung, sowie dem Hauptauschuss vertreten.

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